Trotz erfolgreichem Delivery-Hero-IPO: Experte erwartet weniger Börsengänge im zweiten Halbjahr

Nikolas Kessler
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Mit Delivery Hero hat am Freitag erstmals seit langer Zeit wieder ein deutsches „Unicorn“ – ein junges Unternehmen mit Milliarden-Bewertung – den Schritt aufs Börsenparkett gewagt. Mit Erfolg, denn der erste Kurs lag mit 26,90 Euro deutlich über dem Emissionspreis von 25,50 Euro. Zum Handelsschluss stand sogar ein Plus von rund neun Prozent an der Kurstafel.

Dabei ist die Bewertung des Essens-Lieferdiensts mit 4,4 Milliarden Euro durchaus ambitioniert – vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, dass MDAX-Konzerne wie Hugo Boss ähnlich bewertet sind und Delivery Hero bislang rote Zahlen schreibt.

Womit das Unternehmen jedoch punkten kann, ist Wachstum. „Die Wachstumschancen bei Delivery Hero sehe ich größer als die der Hugo-Boss-Aktie“, sagt Michael K. Foeller von der ICF Bank im Gespräch mit Antje Erhardt von DER AKTIONÄR TV.

Starkes Wachstum, hohe Kosten

Und auch die direkte Konkurrenz steckt Delivery Hero beim Umsatzwachstum locker in die Tasche. Zwar schreiben Just Eat, Grub Hub und Takeaway.com inzwischen schwarze Zahlen, schneller gewachsen sind zuletzt aber die Berliner.

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass das rasante Wachstum mit hohen Ausgaben für Werbung und Marketing teuer bezahlt werden muss. Bei einem Umsatz von rund 121 Millionen Euro hat Delivery Hero im ersten Quartal 2017 fast 73 Millionen Euro für Marketing ausgegeben.

Der weltweite Markt für Essens-Lieferdienste wächst zwar stark, ist aber auch sehr hart umkämpft. Dabei gilt das „Winner-takes-all“-Prinzip, bei dem sich mittelfrist nur die stärksten Anbieter durchsetzen und die schwächeren verdrängt werden. Auf aggressive Werbung und Rabattangebote wird Delivery Hero also auch in Zukunft nicht verzichten können.

Weniger Börsengänge im zweiten Halbjahr

Trotz zuletzt ordentliche Bedingungen für Börsengänge haben im ersten Halbjahr nur acht Unternehmen in Deutschland den Schritt aufs Parkett gewagt. Auch nach dem erfolgreichen Börsendebüts von Delivery Hero rechnet Foeller in der zweiten Jahreshälfte aber nicht mit einer deutlichen Belebung des IPO-Marktes. „Den großen Teil haben wir schon gesehen“, so der Experte.