Trotz Entwarnung für diesen Winter: Eon-CEO mahnt, die "Energiekrise ist nicht beendet, und auch 2023 wird ein Krisenjahr"

Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender von Eon, warnt vor dem nächsten Winter und einer Energieknappheit. - Copyright: picture alliance/dpa | Henning Kaiser
Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender von Eon, warnt vor dem nächsten Winter und einer Energieknappheit. - Copyright: picture alliance/dpa | Henning Kaiser

Noch vor wenigen Tagen sorgte der Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller für ein allgemeines Aufatmen. Ein Gasnotstand in diesem Winter sei quasi nicht mehr realistisch, sagte Müller in einem Interview mit der "Bild".

Die Freude war groß, Industrie und Verbraucher haben es dank ihrer Einsparungen und der milden Temperaturen geschafft, genügend Gas für diesen Winter zu sparen.

Auch der CEO des Energiekonzerns Eon, Leonhard Birnbaum, erklärt in einem Pressegespräch, dass er in diesem Winter nicht mehr mit einer Gasmangellage rechne. Doch gleichzeitig warnt er davor, sich in zu großer Sicherheit zu wiegen. "Wir dürfen uns nichts vormachen: Die Energiekrise ist nicht beendet, und auch 2023 wird ein Krisenjahr sein", sagt er. Das gelte für Europa, aber insbesondere für Deutschland.

"Die privaten Haushalte sind unsere Achillesferse"

"Um es klar zu sagen: Für den Winter 23/24 können wir keine Entwarnung geben, obwohl manche Nachrichten in den letzten Tagen den Eindruck erwecken", so Birnbaum. Der Grund: Es müsste viel mehr Energie gespart werden als in diesem Winter. Die Industrie habe zwar 20 Prozent Gas eingespart, doch dafür auch die Produktion zurückgefahren, was auf Dauer einen wirtschaftlichen Schaden zur Folge hätte.

Viel entscheidender sei daher, dass auch die privaten Haushalte deutlich stärker sparen. "Die privaten Haushalte sind unsere Achillesferse. Sie haben bislang nur zehn Prozent eingespart. Das ist nicht genug", sagt Birnbaum. Man dürfe jetzt nicht darauf vertrauen, dass auch der nächste Winter so warm werde wie dieser.

Um auch gut über den nächsten Winter zu kommen, müsse neben "fortlaufenden und konsequenten Sparmaßnahmen" aber auch weitere Bezugsquellen für Gas gesichert werden. Beim LNG könnte sich die Situation demnächst nämlich wieder zuspitzen. Chinas Bedarf an Flüssiggas dürfte in den nächsten Monaten wieder steigen – und damit Gas wieder knapper werden lassen.