Trotz Drohungen gegen Nordkorea: Twitter verteidigt Trump-Tweets

Der US-Präsident ist auf Twitter dauerpräsent – rund 39,4 Millionen Menschen folgen ihm. (Bild: AP Photo/Alex Brandon)

Auch wenn Donald Trumps Tweets von Nordkorea als Kriegserklärung verstanden werden – Twitter selbst sieht in Trumps Worten keine Verletzung der Richtlinien. Das Unternehmen gibt einen seltenen Einblick darin, nach welchen Kriterien es Tweets bewertet.

Wie kein anderer Präsident vor ihm nutzt Donald Trump Twitter als seinen (semi-)offiziellen Nachrichtenkanal. Seit seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres sorgte Trump auf dem Kurznachrichtendienst für zahlreiche Kontroversen. Aktuell stehen vor allem Trumps Drohungen gegen Nordkorea im Fokus.

“Habe gerade den nordkoreanischen Außenminister bei der UN gehört. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiedergibt, dann wird es sie nicht viel länger geben”, postete Trump beispielsweise am 24. September.

Schon seit langem fordern Trump-Gegner vom Unternehmen Twitter, dass der Präsident vom Nachrichtendienst gesperrt werden müsse, weil er mit seinen Drohungen und Anfeindungen gegen die Richtlinien verstoße – oder zumindest, dass seine Tweets gelöscht werden müssten. Nun meldete sich der Social-Media-Gigant selbst zu Wort.

In einer Serie von sechs Tweets schreibt der Nachrichtendienst, dessen Hauptquartier sich im kalifornischen San Francisco befindet: “Manche von Ihnen haben gefragt, warum wir den Tweet, der hier erwähnt wurde, nicht gelöscht haben. Wir haben für alle Accounts dieselben Regelungen und ziehen etliche Faktoren in Betracht, wenn wir entscheiden, ob ein Tweet gegen unsere Richtlinien verstößt. Zu diesen Punkten gehört der Nachrichtenwert und ob ein Tweet von öffentlichem Interesse ist. Das ist seit Langem unsere interne Regelung und wir werden demnächst unsere öffentlich gemachten Regeln updaten, um das zu reflektieren. Wir müssen darin besser werden und werden das auch tun. Twitter ist um Transparenz bemüht und darum, Leute zu informieren, was in der Welt passiert. Wir werden uns auch weiterhin von diesen fundamentalen Regeln leiten lassen”.

Einfacher gesagt: Twitter entscheidet nicht nur nach objektiven Kriterien, ob ein Tweet gelöscht werden muss. Das Unternehmen entscheidet selbst, ob das “öffentliche Interesse”, sprich die Aufmerksamkeit auf Twitter, oder der “Nachrichtenwert” hoch genug sind, um den Tweet nicht zu löschen.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass Twitter überlegt, sein 140-Zeichen-Limit aufzuheben. Wie “Spiegel Online” berichtet, soll mit einer kleinen Versuchsgruppe getestet werden, wie 280-Zeichen-Tweets ankommen. Ein User kommentierte das skeptisch: “Schließ die Augen. Denk an Trump, wie er Twitter benutzt. Jetzt stell dir Twitter mit 280 Zeichen vor. Schließe Twitter”.