Trotz Diabetes: Kölling kann Geschichte schreiben

Enrico Kölling (l.) boxt um den vakanten IBF-Titel

Boxprofi Enrico Kölling kann am Wochenende Geschichte schreiben.

Der Berliner Currywurst- und Softeisbudenbesitzer kämpft in der Nacht zu Sonntag in Fresno/Kalifornien im Halbschwergewicht gegen den Russen Artur Beterbijew (03.30 Uhr) um den vakanten IBF-Titel und will der erste deutsche Boxer seit Max Schmeling 1930 werden, der sich in den USA zum Champion krönt.

Allerdings sind die Siegchancen für Kölling gering. Beterbijew gilt als stärkster Halbschwerer der Welt, hat alle seine elf Kämpfe vorzeitig durch K.o. gewonnen und dabei namhafte Gegner auf die Bretter geschickt. "Bei allem Respekt, er hat nicht die Klasse, um mir gefährlich zu werden", sagte der gebürtige Tschetschene Beterbijew vor dem Kampf selbstbewusst und kündigte an: "Kölling wird mein zwölftes Opfer."

Kölling, der zwei bis dreimal pro Woche am Currywurst-Grill steht, ist eigentlich als Leisetreter bekannt, überraschte aber mit seiner Antwort. "Ich habe etwas gesehen", sagte der Olympia-Teilnehmer von London 2012 in Anspielung auf den legendären Max-Schmeling-Satz.

Schmeling hatte vor seinem Sieg gegen Joe Louis am 19. Juni 1936 in New York mit dem Satz "Ich habe etwas gesehen" für Aufsehen gesorgt. Er meinte, dass Louis nach einem Schlag immer die Linke fallen ließ. Tatsächlich gewann Schmeling den Fight gegen den als unschlagbar geltenden "Braunen Bomber" in der zwölften Runde durch K.o.

Erschwerend kommt für Kölling hinzu, dass er Diabetiker ist. Täglich muss er sich Insulin spritzen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Dennoch ist Kölling heiß und will im 25. Kampf seiner Karriere (eine Niederlage) den IBF-Titel holen. Den trug in den 1990er Jahren Henry Maske, neben Schmeling Köllings zweites Idol.