Trotz Corona-Krise weniger Selbsttötungen - aber Psychologen warnen

BERLIN (dpa-AFX) - Anders als von Experten befürchtet, ist die Zahl der Suizide in der Corona-Krise leicht gesunken. In Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Berlin und Thüringen gab es trotz der Ausgangsbeschränkungen keinen Anstieg an Selbstmorden, wie eine bundesweite Umfrage der "Augsburger Allgemeinen" bei den zuständigen Behörden ergab.

In Nordrhein-Westfalen sank demnach die Zahl der polizeilich erfassten versuchten und vollendeten Suizide seit Beginn der Corona-Maßnahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar von 664 auf 530 - ein Rückgang von 20 Prozent.

Psychologen geben dennoch keine Entwarnung: "Zu uns kommen immer mehr Menschen mit depressiven Erkrankungen, Angsterkrankungen und Suchtproblemen", sagte der Medizinische Direktor der Münchner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Peter Falkai, dem Blatt. "Erst nach der Krise, wenn wieder ein Stück weit Normalität eingetreten ist, werden die Schäden in vollem Umfang sichtbar." Der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl, befürchtet eine Zunahme der Suizide und Suizidversuche infolge der Corona-Krise im Laufe des Jahres.