Starker Euro lässt Dax schwächeln


Am deutschen Aktienmarkt ist es auch am Freitag noch etwas weiter abwärts gegangen. Die Anleger seien derzeit überwiegend unsicher und nutzten selbst kleinste Erholungen zum Ausstieg, schrieben die Experten vom Börsenstatistik-Magazin Index Radar. „Gerade vor dem Wochenende stellen sich die Investoren doch lieber auf die sichere Seite“, kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 0,40 Prozent auf 12.162,70 Punkte aus dem Handel. Auf Wochensicht büßte der Leitindex damit 0,6 Prozent ein. Auf die jüngsten Daten zum Wirtschaftswachstum der USA hatte der Dax per Saldo kaum reagiert. Die US-Wirtschaft hatte nach einem schwachen Jahresstart im Frühjahr wieder Fahrt aufgenommen. Nach Zahlen des Handelsministeriums vom Freitag erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um auf das Jahr hochgerechnet 2,6 Prozent zum Vorquartal.

Der MDax ging mit minus 0,69 Prozent auf 24.689,17 Punkte in das Wochenende. Der Technologiewerte-Index TecDax sank um 1,10 Prozent auf 2258,28 Zähler. Der EuroStoxx50 büßte 0,9 Prozent auf 3462 Zähler ein.


Der Grund für die schwachen Indizes: Der Euro bleibt stark und notiert bei etwa 1,17 Dollar. Die Gemeinschaftswährung stieg wegen schwindender Hoffnungen auf eine baldige weitere US-Zinserhöhung vergangene Woche zeitweise auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 1,1776 Dollar. Dies macht heimische Waren auf dem Weltmarkt teurer. Wollen die Firmen die Verkaufspreise stabil halten, müssen sie geringere Gewinne in Kauf nehmen. Auch die US-Börsen waren zuletzt eher schwach. Der Dow-Jones-Index startete im leichten Minus und notierte zuletzt 0,1 Prozent leichter, der Nasdaq sank um 0,4 Prozent. Der S&P 500 rutschte moderate 0,4 Prozent ins Minus.

Die aktuelle Korrektur der Indizes von den jüngsten Rekordständen sei aber überfällig und gesund, betonte QC-Experte Altmann. „Die aktuelle Dollar-Schwäche liegt am Versagen der US-Politik“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die Abschaffung der Gesundheitsreform Obamacare scheiterte zuletzt wieder einmal. Dabei ist sie eines der zentralen Wahlkampfversprechen des US-Präsidenten Donald Trump.

Die Hoffnung auf eine Erholung des Dax in Richtung 13.000 Punkte habe sich zunächst endgültig zerschlagen, kommentierte Analyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Vielmehr müsse kurzfristig damit gerechnet werden, dass das Barometer die andere runde Marke, und zwar die bei 12 000 Punkten, testen werde. Sein Rekordhoch bei 12.951 hatte der Dax vor gut fünf Wochen markiert. Unter die 12.000er-Marke war der Leitindex zuletzt vor etwas mehr als drei Monaten gerutscht.



Adidas stark – Stimmung in Euro-Zone gut


Gegen den Trend der Indizes sprintete Adidas dank eines optimistischen Ausblicks auf ein Rekordhoch. Der Sportartikelhersteller ist den anderen Unternehmen weit voraus und ging mit einem Plus von 8,7 Prozent aus dem Handel – die Adidas-Aktie verbuchte ein Rekordhoch von 192,55 Euro pro Aktie.

Der Hintergrund: Die erste Jahreshälfte lief für Adidas viel besser als erwartet: Der Sportartikelhersteller rechnet nun mit einem Plus beim Umsatz im fortgeführten Geschäft von 17 bis 19 Prozent, das sind jeweils fünf Prozentpunkte mehr als bislang vermutet. Der Gewinn soll mit 26 bis 28 Prozent sogar etwa doppelt so stark steigen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Im zweiten Quartal verdiente Rivale Puma operativ mit 505 Millionen Euro 18 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Die Aktien der deutschen Autobauer BMW, Daimler notierten jeweils etwa ein Prozent im Minus, die Papiere von Volkswagen gaben 1,5 Prozent nach. Er habe mit dem Urteil des Stuttgarter Verwaltungsgerichts zugunsten von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge gerechnet, sagte Analyst Ruland. Ballungsräume würden nun sicher Fahrverbote verhängen: „Das Ende des Diesels ist eingeleitet.“




Auf den Schlussplätzen standen der Industriegaseproduzent Linde mit einem Minus von 2,1 Prozent der Autozulieferer Continental, der 2,0 Prozent verlor. Eon, Thyssen-Krupp und RWE folgte mit Verlusten von 1,9 Prozent, 1,8 Prozent und 1,6 Prozent.

In Europa gehörte UBS mit einem Kursminus von 2,9 Prozent zu den größten Verlierern, obwohl die Schweizer Bank den Gewinn um 14 Prozent auf umgerechnet 1,1 Milliarden Euro steigerte. Analyst Tomasz Grzelak von der Baader Helvea Bank sprach dennoch von durchwachsenen Zahlen. Vor allem die Margenentwicklung der wichtigen Vermögensverwaltung sei enttäuschend ausgefallen.

In Paris schlossen die Papiere von Renault trotz eines Gewinnrekords fünf Prozent im Minus. Auf Basis der vorgelegten Zahlen sei die bekräftigte Gesamtjahresprognose eine Enttäuschung, urteilten die Experten der US-Bank Morgan Stanley.



Dennoch ist die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone derzeit so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das Barometer stieg im Juli minimal um 0,1 auf 111,2 Punkte und damit das dritte Mal in Folge, teilte die EU-Kommission am Freitag mit. Ökonomen hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Vor allem die Dienstleister zeigten sich zuversichtlich. Das ebenfalls ermittelte Barometer für das Geschäftsklima fiel auf 1,05 Punkte. Hier hatte es im Juni mit 1,16 Zählern den höchsten Stand seit April 2011 erreicht.

Die Daten zeigen, dass sich die Konjunktur in den 19 Euro-Ländern weiter erholt. Zu Jahresanfang legte die Wirtschaft kräftig um 0,6 Prozent zu. Am kommenden Dienstag werden die Daten für das zweite Quartal veröffentlicht. Mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent rechnen einige Volkswirte, die von Reuters befragt wurden.

Zudem wurden die deutschen Inflationszahlen veröffentlicht. Die Verbraucherpreise stiegen im Schnitt um 1,7 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag auf Basis einer ersten Schätzung mitteilte. Im Juni lag die Teuerungsrate noch bei 1,6 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang auf 1,5 Prozent vorhergesagt.