Trocken seit 1930: US-Städtchen stimmt für Beibehaltung der Prohibition

Blanding ist eine der letzten „trockenen“ Gemeinden in Utah. (Bild: AP Photo)

Seit über 80 Jahren ist Alkohol in der Kleinstadt Blanding, Utah, verboten. Wie die Bevölkerung nun in einer Abstimmung entschied, soll das auch so bleiben.

Alkohol? Nein danke. Wie die Bevölkerung der US-amerikanischen Kleinstadt Blanding in einer Abstimmung am Dienstag entschied, soll die Prohibition dort beibehalten werden. Blanding ist damit eine der letzten „trockenen“ Gemeinden im Bundesstaat Utah.

Laut vorläufigem Wahlergebnis haben 573 Bürger für die Beibehaltung des Alkoholverbots gestimmt und nur 299 dagegen. Die Wahl in der 3400-Seelen-Stadt gilt damit als klar entschieden.

Über 60 Prozent der Bevölkerung von Utah gehören der konservativen Glaubensgemeinschaft der Mormonen an. Sie verzichten auf Alkohol, Kaffee und Zigaretten, kleiden sich hochgeschlossen und haben keinen Sex vor der Ehe. Im Zuge der zunehmenden touristischen Attraktivität des Bundesstaates mit zahlreichen Nationalparks lockern viele Gemeinden jedoch ihr Alkoholverbot.

„Ich fühle mich einfach schlecht gegenüber denen, die eine Flasche oder ein Glas Wein zu ihrem Essen bestellen möchten“, erklärt Restaurantbetreiberin Sharon Guymon gegenüber „Associated Press“. Die Mormonin sieht sich selbst häufig mit Beschwerden ihrer Gäste konfrontiert. „Ich denke, dass ein Glas keinem schaden würde“, sagt sie.

Leere Straßen: Viele Bürger von Blanding befürchten, dass die Stadt durch die Einführung von Alkohol von Touristen überrannt werden könnte. (Bild: AP Photo)

Während viele Restaurant- und Hotelbetreiber die Wünsche ihrer nationalen und internationalen Gäste erfüllen wollen, haben andere Bewohner der Kleinstadt in der Nähe des „Bears Ears“-Nationaldenkmals Angst vor einer Veränderung ihres Lebensstils, die eine Aufhebung des Alkoholverbots mit sich bringen könnte.

Bürgermeister Joe Lyman, der selbst gegen die Aufhebung der Prohibition gestimmt hat, bestätigt gegenüber „Associated Press“, dass viele Bürger verhindern wollen, dass die Stadt von Touristen überrannt wird. Außerdem fürchten sie vermehrte Probleme mit Alkoholmissbrauch in der Gemeinde, die seit 1930 „trocken“ ist.

Lyman selbst glaubt, dass die Diskussion um die Abschaffung der Prohibition aufgrund des eindeutigen Wahlergebnisses nun für einige Jahre zum Erliegen kommen werde. Bewohner und Besucher von Blanding können derweil Bier in einem Gemischtwarenladen fünf Kilometer außerhalb der Stadt bekommen. Hochprozentiges gibt es in einem staatlich geführten Spirituosengeschäft in 30 Kilometern Entfernung.