Trivago buhlt um Hotels


Börsenneuling Trivago hat die Kapriolen des Aktienmarktes kräftig zu spüren bekommen. In den ersten zehn Monaten seit der Erstnotierung an der Nasdaq in New York Mitte Dezember verdoppelte sich der Kurs bis zum Sommer zunächst. Anfang September ging es jedoch steil bergab unter den Ausgabekurs.

Auslöser war eine Gewinnwarnung des Düsseldorfer Hotelsuchportals. Das Wachstum des Jahresumsatzes wurde von 50 auf 40 Prozent reduziert. Trivago-Chef Rolf Schrömgens berühren solche Börsenkapriolen nicht weiter: „Da bin ich emotional resistent, ich habe die langfristige Weiterentwicklung von Trivago im Blick – und die ist positiv.“

Die Quartalszahlen vom Mittwoch haben skeptische Anleger allerdings nicht beruhigen können. Kurz nach Börseneröffnung fiel der Kurs um fast 20 Prozent auf ein Rekordtief von 8,67 Dollar/Aktie. Der Grund: Das bislang rasante Umsatzwachstum von Trivago hat sich deutlich verlangsamt. Im dritten Quartal stiegen die Erlöse zwar noch um 17 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 287,9 Millionen Euro. Auch die Weiterleitungen an Hotelbuchungsportale nahmen um ein Fünftel zu.

Unterm Strich blieb im dritten Quartal jedoch ein Nettoverlust von 7,7 Millionen Euro, nach einem Minus von 1,5 Millionen Euro im Vergleichsquartal des Vorjahres. Der bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) wies einen Verlust von 7,1 Millionen Euro aus. Im dritten Quartal 2016 hatte es noch einen Gewinn von 6,3 Millionen Euro gegeben.



Die Gründe für die ungewohnt schwachen Zahlen, die Rolf Schrömgens im Gespräch mit dem Handelsblatt „nicht befriedigend“ nennt: Die beiden Hauptwerber auf der Hotelplattform, Trivago-Mutter Expedia sowie Booking.com, hätten bei den Auktionen auf Trivagos Werbemarktplatz weniger geboten. Sie wollten so ihre eigene Profitabilität erhöhen. „Wir wollten ohnehin die Abhängigkeit von den beiden großen Spielern senken, das haben wir nun erreicht“, sagt Schrömgens. Mit dem Auktionsverfahren können die Anbieter die Wahrscheinlichkeit für Klicks erhöhen.

Die Dominanz von Expedia und Booking, die bisher deutlich mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen für Trivago generierten, ist von Analysten und Investoren immer wieder kritisiert worden. „Es wird noch ein bisschen dauern, bis sich alles zurechtgeruckelt hat“, meint Schrömgens. Aber der Marktplatz sei jetzt schon viel ausbalancierter. „Wir wollen ein Spielfeld bieten, auf dem alle Marktteilnehmer guten Zugang haben und mitbieten können.“


Derweil bastelt Trivago an neuen Modellen für ein zukunftsfestes Geschäft. Zum einen kauften die Düsseldorfer kürzlich das Reise-Start-up Tripl aus Hamburg. Es gibt mithilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz personalisierte Reiseempfehlungen. „Tripls Personalisierungs-Technologie ist einzigartig und individuell in ihrem Ansatz. Sie bringt uns einen Schritt näher daran, jeden Reisenden im für ihn idealen Hotel unterzubringen“, sagt Schrömgens.

Zum anderen hat Trivago ein Tochterunternehmen gegründet, das direkte Geschäftsbeziehungen zu unabhängigen Hotels knüpft. Bislang verlinkt Trivago meist auf Buchungsplattformen. Die verlangen von den registrierten Hotels bei jeder Buchung jedoch bis zu 30 Prozent Provision. Inzwischen betreut die neue Trivago-Tochter bereits rund 310.000 Hoteliers aus aller Welt selbst. Die Düsseldorfer helfen, deren Webseiten zu professionalisieren und sich bei Trivago besser zu präsentieren. Mehr als 160 Mitarbeiter aus 21 Ländern arbeiten in der Trivago Hotel Relations GmbH.

Der Direktvertrieb ist relativ neu für das Tech-Unternehmen Trivago. Schrömgens: „Weil dies eine gänzlich andere Firmenkultur erfordert, haben wir den Zweig als Tochter ausgegliedert.“ Für das Gesamtjahr 2017 erwartet Trivago trotz allem schwarze Zahlen. „Und wir werden auch die magische Umsatzmarke von einer Milliarde Euro knacken“, verspricht Schrömgens, der Trivago 2005 mit zwei Studienfreunden als Start-up gründete.