Triumphator Stoch fliegt sogar Lewandowski davon

Sportinformationsdienst (SID)
Kamil Stoch hat den Rekord von Sven Hannawald eingestellt und alle vier Spiele bei der Vierschanzentournee gewonnen

Kamil Stoch wollte eigentlich nur schauen, was passiert.

Ohne Saisonsieg war der Pole in die 66. Vierschanzentournee gegangen, über eine Titelverteidigung denke er gar nicht nach, sagte der 30-Jährige vor dem Auftakt in Oberstdorf. Zehn Tage und eine beeindruckende Siegesserie später ist er der erste "Ü30"-Sieger der Tournee seit Janne Ahonen 2007/2008 - und in seiner Heimat endgültig ein Volksheld.

Heerscharen polnischer Fans ziehen jeden Winter von Schanze zu Schanze, sogar bis nach Japan. Sie alle kommen vor allem wegen Stoch, fast nie werden sie enttäuscht. Vier der fünf großen Trophäen der Skisprung-Welt hat der Doppel-Olympiasieger nun gesammelt, alle fünf hat bislang nur der Finne Matti Nykänen in seiner Vitrine stehen.

Stoch fehlt nur noch ein großer Titel

Weltmeister? Wurde Stoch 2013. Olympiagold im Einzel? Folgte 2014, sogar doppelt. Der Gesamweltcup? Ging ebenfalls 2014 an Stoch. Die Tournee hat er nun zweimal in Folge gewonnen, als erst neunter Skispringer. Mit dem vierten Sieg beim vierten Tournee-Springen in Bischofshofen hat er sogar den Rekord von Sven Hannawald eingestellt.

Fehlt nur noch Gold bei der Skiflug-WM, die nächste steht in zwei Wochen in Oberstdorf auf dem Programm. "Kamil weiß, wie man die ganz großen Dinger gewinnt", sagt Bundestrainer Werner Schuster.

Dabei war Stoch zwischenzeitlich das Fluggefühl abhanden gekommen. Der Spätstarter hatte erst 2011 - nach sieben Jahren im Weltcup - sein erstes Springen gewonnen. Zwei Monate vor dem Rücktritt seines großen Landsmannes Adam Malysz war das, die Thronübergabe von König Adam zu Kaiser Kamil klappte fließend. Doch nach all den Titeln verschwand Stoch 2014 wieder im Mittelmaß.


Neuer Trainer brachte neuen Schwung

Dort holte ihn im Sommer 2016 Stefan Horngacher ab. Der Österreicher, bis dahin Assistent des deutschen Bundestrainers Schuster, machte Stoch als Nationaltrainer in Rekordzeit flott. "Stefan hat einiges in unserem System geändert", sagt Stoch. Bei ihm reichte es, dass Horngacher die Anlaufposition korrigierte - "das war der entscheidende Punkt".

Horngachers diagnostische Fähigkeiten fehlen nun den Deutschen. "Er kann alles: Technik, Material, Menschenführung", sagt DSV-Chefcoach Schuster über seinen Landsmann: "Er kennt die Polen, hat sie im Junioren-Bereich schon einmal betreut. Die himmeln ihn an, für sie ist er der Skisprung-Gott."

Stoch auf einer Stufe mit Lewandowski

Eine Liebesbeziehung, die der Tournee-Sieg intensivieren dürfte. Als zweiter Pole nach Malysz (2000/01) triumphierte der Mann aus Zakopane beim Ritt über die vier Schanzen, in der Heimat steht er auf einer Stufe mit Fußball-Star Robert Lewandowski. Der Torjäger des FC Bayern München war 2015 zum Sportler des Jahres in seiner Heimat gewählt worden, Stoch ein Jahr zuvor.

In diesem Jahr hat Stoch wieder die Nase gegen Lewandowski vorn. Dabei sind Titel dem auch bei seinen Kollegen beliebten Polen gar nicht mal so wichtig. "Ich muss nicht immer gewinnen", sagt Stoch. Manchmal reicht es schließlich, einfach zu siegen.