Nach Tritt-Eklat: Die dunkle Seite des Spaßvogels Evra

Kerry Hau

Wer an Montagen schwer in Tritt kommt, sollte den Instagram-Account von Patrice Evra besuchen. 

Zu jedem Wochenstart grüßt der Linksverteidiger von Olympique Marseille seine Fans mit einer verrückten Motivationsrede. Mal verkleidet er sich als Rapper oder als Tier. Wann anders singt er unter der Dusche oder beim Bügeln oder aber er entspannt sich mit einem Affen auf seinem Sofa.

Der Fußballstar Evra wird in seiner Freizeit gerne zum Entertainer. "I love this game", verkündet er seinen Followern. 


Worte, die sich nicht nur auf Fußball beziehen. Evra ist jemand, der das Leben genießt. Er verlangt von seinen Mitmenschen Respekt und Frieden. Es sind die positiven Seiten eines Menschen, der auf dem Platz öfter mal zum Entfant terrible wird.

Evra rastet aus: Tritt gegen Zuschauer

Am Donnerstag in der UEFA Europa League war mal wieder so ein Moment, in dem Evra die Kontrolle verlor. Vor dem Spiel gegen Vitoria Guimaraes war der 36-Jährige von mehrere Anhängern seines eigenen Vereins beschimpft und angefeindet worden. Dem Vernehmen nach sollen schwere rassistische Beleidigungen gefallen sein. 

Evra, der Entertainer von Instagram, wurde zum Kickboxer, holte aus und trat in Richtung Kopf eines Zuschauers. Die UEFA wird ihm für diese Aktion vermutlich eine monatelange Sperre aufbrummen. Sein Klub hat Evra vorerst suspendiert und weitere Sanktionen gegen ihn in Aussicht gestellt.


Die Verantwortlichen versuchten erst gar nicht, ihren Spieler in Schutz zu nehmen. "Ein professioneller Spieler muss trotz Provokationen und Beleidigungen seine Selbstbeherrschung aufrechterhalten", hieß es in dem Communiqué von Olympique. Trainer Rudi Garcia erklärte separat: "Patrice ist ein mehr als erfahrener Spieler und darf natürlich nicht auf Beleidigungen reagieren, so erniedrigend und so unglaublich sie auch sind."

Kampf gegen Rassismus

In Frankreich weiß man um Evras schwierigen Charakter. Bei der Weltmeisterschaft 2010 führte er als Kapitän der Nationalelf eine Spieler-Revolte gegen Trainer Raymond Domenech an. Der Coach musste anschließend gehen, Evra wurde begnadigt.


Doch nicht immer ist es Evra, vom dem Eklats ausgehen. 2011, damals trug er noch das Trikot von Manchester United, wurde er in einem Premier-League-Spiel gegen den Erzrivalen FC Liverpool von Luis Suarez wegen seiner Hautfarbe beleidigt. Suarez wurde damals für acht Spiele gesperrt - und Evra zur Stimme gegen Rassismus im Fußball.

In seinen Videos bei Instagram zeigt er sich gerne in einem Panda-Kostüm. Seine Botschaft: "Ich bin schwarz, ich bin weiß, ich bin Asiate und ich bin pummelig. Und voll von Liebe. Sag nein zu Rassismus."

Man würde ihm wünschen, er hätte sich am Donnerstag auf ähnliche Weise gegen die Pöbler im Fanblock gewährt. Sollte Evra für den Tritt länger aus dem Verkehr gezogen werden, könnte seine Karriere unrühmlich enden. Es wäre schade um das, wofür der Mensch Patrice Evra eigentlich steht.