In Trippelschritten zum Rekord

Erstmals hat der Dax die 13.000 Punkte-Marke überschritten. Doch der Weg dahin war mühselig. An der Börse geht es nur noch in Trippelschritten voran. Wer auf eine fulminante Jahresendrally hofft, könnte enttäuscht werden.


Lange hat es am Donnerstag so ausgesehen, als würde der Dax erneut an der großen, psychologisch wichtigen Marke erneut scheitern. Aber um 16:17 Uhr war es dann doch soweit: 13.002 Punkte zeigte die Anzeigetafel an der Frankfurter Wertpapierbörse. So hoch stand der deutsche Leitindex noch nie in seiner rund 30-jährigen Geschichte.

Anleger hatten bereits in den vergangenen Tagen immer wieder mit einem Überspringen der magischen Hürde gerechnet. Aus gutem Grund: Immer neue Rekorde an der Wall Street und gute Unternehmensnachrichten sollten helfen, damit das wichtigste deutsche Börsenbarometer diese Schallmauer durchbricht. Doch was täglich zum Handelsschluss blieb, war die Enttäuschung – bis Donnerstag. Letztendlich hat ein bescheidenes Plus von 0,2 Prozent ausgereicht, um es doch kurzzeitig zu schaffen.


Das zeigt: An der Börse geht es derzeit nur noch in Trippelschritten nach oben. Das verwundert nicht. Schließlich ist die aktuelle Rally bereits mehr als achteinhalb Jahre alt. Allein seit Jahresanfang liegt das Plus im Dax bereits bei etwa 13 Prozent. Wer also auf eine fulminante Jahresendrally hofft, könnten schon bald enttäuscht werden.

Natürlich wird das Knacken der Marke von 13.000 Punkten sehr stark in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Anleger, die merken, was sie bislang verpasst haben, springen vielleicht noch auf den Zug auf. Es gibt deshalb gute Gründe, dass die gute Stimmung an der Börse noch eine Weile anhält und auch Indexstände von 13.500 Punkten bald realistisch sein könnten.


Zu der positiven Entwicklung beitragen dürfte auch das weiterhin gute Konjunkturumfeld in Europa. Analysten rechnen zudem damit, dass die deutschen Firmen für das dritte Quartal überwiegend starke Ergebnisse vorlegen werden, was realistisch erscheint. Hinzu kommt, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auf absehbare Zeit locker bleiben dürfte.

Dennoch sollten sich Anleger nicht zu stark von den Rekorden blenden lassen. Nicht ausgeschlossen ist, dass wir zum Jahresende wieder tiefere Dax-Stände sehen werden. Als ein Risikofaktor sehen die Anlageprofis derzeit vor allem die USA. Nicht nur sind die Aktien dort schon verhältnismäßig teuer. Zudem unterschätzen auch viele Anleger, dass die US-Notenbank Fed mit weiteren Zinserhöhungen auch noch in diesem Jahr ernst machen könnte. Auch die Rückführung ihrer durch das Anleihekaufprogramm aufgeblähten Bilanzsumme dürfte für Gegenwind sorgen.


Und nicht zuletzt bringt das Handeln von US-Präsident Donald Trump große Unsicherheit mit sich. Innenpolitisch fällt es ihm nach wie vor schwer, seine großzügigen Wahlkampfversprechen umzusetzen. Sollte auch noch die Steuerreform scheitern oder nicht so ausfallen, wie von Investoren erhofft, birgt das Gefahren für Rückschläge an den Aktienmärkten. Wenn dann noch eine Eskalation im Konflikt mit Nordkorea hinzukommt, könnten sich auch deutsche Aktien einer Korrektur wohl nicht entziehen.

Das heißt: Auch wenn die Ampeln an der Börse weiter auf grün stehen, ist Vorsicht angebracht. Anleger, die die Risiken komplett ausblenden, könnten sonst Überraschungen erleben.