Triebwerksprobleme bei Rolls-Royce kosten wohl 4000 Stellen


Warren East, Chef des britischen Triebwerkherstellers Rolls-Royce, ist keiner, der lange um den heißen Brei herumredet. „Wir sind durch schwere Zeiten gegangen“, sagte er kürzlich in einem Interview. „Eigentlich ging es ums Überleben.“

Dass auf diese Worte harte Maßnahmen folgen würden, war vielen Mitarbeitern des britischen Traditionsunternehmens, dessen Triebwerke in Flugzeugen, U-Booten, Hubschraubern oder Panzern verbaut werden, da bereits klar.

Berichten zufolge ist in Kürze ein wahrer Kahlschlag zu erwarten: Bis zu 4.000 Arbeitsplätzen sollen wegfallen. An diesem Freitag will Firmenchef East bei einem Investorentag seine Planungen erläutern.


Es ist nicht die erste Sparrunde, die East seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren dem Unternehmen verordnet. Aber die einstige Ikone der britischen Wirtschaft, die weltweite Nummer zwei hinter General Electric, ist trotz erster Erfolge von East noch nicht aus dem Gröbsten heraus.

Immerhin hat er es geschafft, einen Schmiergeldskandal zu beenden. Vergangenes Jahr hatte East dafür einem millionenschweren Vergleich mit den Behörden zugestimmt. Rolls-Royce zahlte die Rekordsumme von 808 Millionen Dollar (755 Millionen Euro), um die Untersuchungen zu beenden.
Aber der Schmiergeldskandal war nicht das einzige Problem, das East angehen musste. Rolls-Royce hat mit technischen Mängeln zu kämpfen.

Triebwerke der Modellreihe Trent, die vor allem der US-Hersteller Boeing verbaut hat, sind nicht so belastbar wie erwartet. Die Aufsichtsbehörden forderten zusätzliche Sicherheitsinspektionen, bei denen die Turbinenblätter der Triebwerke auf Risse und vorzeitige Abnutzung überprüft werden.

Die betroffenen Flugzeuge müssen dafür natürlich am Boden bleiben – was nicht nur den Kunden Boeing, sondern auch Airlines verärgert. Einige Gesellschaften sahen sich bereits gezwungen, zusätzliche Maschinen zu leasen. Am Montag musste Rolls-Royce einräumen, dass sogar noch mehr Triebwerke betroffen sind als bislang bekannt.

Angesichts dieser Schwierigkeiten ist es kein Wunder, dass bei dem geplanten Arbeitsplatzabbau nicht die rund 16.000 Ingenieure im Fokus stehen, sondern vor allem Mitarbeiter aus dem mittleren Management um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen.

Besonders die Belegschaft in Großbritannien, wo mehr als 22.500 der insgesamt 50.000 Mitarbeiter von Rolls-Royce arbeiten, soll von dem Sparprogramm betroffen sein. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter.

Ein hochrangiger Manager hat seine Kündigung bereits erhalten: Die Stelle von COO Simon Kirby, der vor eineinhalb Jahren zu Rolls-Royce kam, wurde im Zuge der Zusammenlegung von Sparten gestrichen. East hatte die Zahl der Sparten von fünf auf drei reduziert. Nun ist Rolls-Royce in die drei Bereiche Zivile Luftfahrt, Rüstung und Energietechnik unterteilt.

Doch East ist offensichtlich noch nicht am Ende seiner Umstrukturierung. Selbst ein Umzug der Londoner Firmenzentrale steht zur Debatte. Trotz aller Probleme gibt sich East aber optimistisch. Grundsätzlich sei Rolls-Royce gut in das laufende Geschäftsjahr gestartet, erklärte er kürzlich seinen Aktionären.