Ein treuer Freund


Es sind Worte, die den Brexit-Befürwortern in Großbritannien gefallen werden: Die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien seien „sehr, sehr eng“, versicherte der amerikanische Außenminister Rex Tillerson in London. Der US-Spitzenpolitiker war zum zweiten Mal nach Großbritannien gereist. Die Entwicklungen in Nordkorea, in Libyen, im Iran und die Folgen des Wirbelsturms „Irma“ standen zur Diskussion. Und natürlich der bevorstehende Brexit.

Der Brexit stelle Großbritannien vor „einzigartige Herausforderungen“, sagte Tillerson bei einer kurzen Pressekonferenz mit seinem britischen Kollegen Boris Johnson. Die USA seien Großbritannien aber ein „treuer Verbündeter“.

In den Vereinigten Staaten verfolge man die Verhandlungen über den Austritt aus der EU „mit großem Interesse“, erklärte Tillerson weiter. „Aber wir haben deutlich gemacht, dass wir mit Blick auf die gegenseitigen Handelsbeziehungen weiterhin ein sehr enges Verhältnis haben werden.“ Man respektiere die Bedingungen für den Brexit, versicherte der amerikanische Spitzenpolitiker.


Gemäß den Regeln der EU darf Großbritannien bis zum Austritt aus der EU im März 2019 keine eigenen Handelsverträge vereinbaren. Eine Tatsache, die viele Brexit-Befürworter stört, denn sie hofften, schnell neue Handelsverträge mit Ländern außerhalb der Europäischen Gemeinschaft schließen zu können. Dass der amerikanische Außenminister so deutlich die enge Beziehung zu Großbritannien betont, dürfte sie etwas beruhigen.

„Wir sind geduldig“, versicherte Tillerson in Richtung der Briten. Wenn es nötig sei zu warten, werde man eben warten. „Wir werden da sein. Die Beziehung und Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern ist einfach zu wichtig.“

Einen kleinen Scherz auf Kosten seines Gastgebers konnte sich der Amerikaner nicht verkneifen. Es sei ein bisschen verwirrend, dass es nun mit dem neu entsandten US-Botschafter Woody Johnson in London zwei Johnsons gebe. Aber damit stehe fest, dass man letztlich einen Johnson verantwortlich machen könne. „Wir werden die beiden entscheiden lassen, wen von den beiden.“


Tillerson und Johnson forderten zudem ein Ende der Gewalt in Myanmar. Nach einem Treffen mit weiteren Verbündeten riefen die beiden Politiker Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi auf, die Verfolgung der Rohingya-Minderheit in dem südostasiatischen Land zu verurteilen.

Myanmar steht wegen des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die muslimische Minderheit derzeit massiv in der Kritik. Nach UN-Angaben sind mittlerweile etwa 400.000 Rohingya aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen.

„Die Gewalt muss enden, diese Verfolgung muss enden, das was von vielen als ethnische Säuberung bezeichnet wurde, muss enden“, sagte Tillerson. Gleichzeitig äußerte er Verständnis, dass sich Aung San Suu Kyi in einer schwierigen Lage befinde. Johnson sagte, die Regierungschefin müsse ihre moralische Autorität einsetzen, um auf das Leid der Rohingya hinzuweisen.


Hinsichtlich der angekündigten Überprüfung des Atomdeals mit dem Iran sagte Tillerson, noch sei keine abschließende Entscheidung getroffen worden. Es sei klar, dass Teheran deutlich hinter den Erwartungen des Abkommens zurückbleibe. Man müsse dabei die Gesamtheit der Bedrohungen aus dem Iran betrachten, nicht nur die Fähigkeit des Landes, Nuklearwaffen herzustellen. Dazu gehöre die Unterstützung der syrischen Regierung von Baschar al-Assad, feindselige Aktivitäten, unter anderem durch Cyberangriffe in der Region sowie die „aggressive“ Entwicklung von Raketen.


Mit Material von dpa