Trend Wohnmobil: Immer mehr Deutsche wollen es - oder bauen Bulli und Transporter dazu um

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Reinsetzen, wegfahren, flexibel bleiben: Urlaub in Wohmobil und Caravan wird für immer mehr Deutsche zum Traum. Verkäufer und Vermieter von Wohnmobilen erleben durch die Corona-Krise einen gewaltigen Nachfrage-Boom.

Im ersten Quartal 2021 wurden so viele Freizeitmobile neu zugelassen wie noch nie zu einem Jahresbeginn, teilte der Caravaning Industrie Verband (CIVD) kürzlich mit. So stieg die Zahl der Neuzulassungen im ersten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 13 Prozent auf 24.224 Fahrzeuge. Besonders gefragt waren Wohnmobile. Hier gab es 19.058 Neuzulassungen, ein Plus von gut 24 Prozent. Allein die Zahl der neu zugelassenen Wohnmobile lag im April bei 8.500, teilte der CIVD mit - nahezu eine Verdopplung gegenüber April 2020.

#vanlife: Kaufen, Mieten, Umbauen

Vom Fernweh Geplagte kaufen, mieten - oder bauen sich Bullis und Transporter zu Campern selbst um. Unter dem Hashtag #vanlife ist das Leben im Camper in den sozialen Medien besonders populär. Hier zeigen und dokumentieren Nutzerinnen und Nutzer den oft mühsamen Ausbau gern in allen Details, ob auf Youtube oder Instagram.

Es gehe nicht nur um Lifestyle. "Es gibt auch Anleitungen und Hilfen zum Selbermachen", sagte Greta Thomas gegenüber dpa. Die 23 Jahre alte Studentin und der ein Jahr ältere Hannes Wehrmann, ebenfalls Student, nutzen die Zeit, die Pandemie und Studium ihnen lassen, und bauen einen Transporter aus. "Wir haben ein halbes Jahr frei zwischen Bachelor und Master", sagt die 23-Jährige. Für sie war es ein Sprung ins kalte Wasser. "Es ist mein Traum geworden, weil es Hannes' Lebenstraum ist."

"Viele trauen sich dank Social Media erst an den Ausbau"

Der 24-Jährige erzählt, er habe drei Monate in Neuseeland gecampt und wünsche sich einen eigenen Campingbus. So kauften sie einen gebrauchten Mercedes Sprinter, den Transporter mit kurzem Radstand, und begannen im März, ihr eigenes Wohnmobil zu planen und auszubauen. "Viele trauen sich dank Social Media erst ran", so Wehrmann. "Die ganze Elektrik kann man bei Youtube lernen. Man muss kein Elektriker sein." Das Paar aus Norddeutschland dokumentiert den Umbau bei Instagram.

Auch Ines Spicker (31) und Arne Meyer (30) aus Hannover haben sich für den Umbau eines Klassikers entschieden. Sie kauften ihren VW-Bulli in der Generation T5 2019 und bauen ihn seit März 2020 um. Seit sie ihre Umbau auf Instagram zeigten, erzählt Carsharing-Marketingexpertin Spicker, erhielten sie permanent Anfragen, wie man das mache. Auch im Freundeskreis, erzählten sie dpa, gebe es vier oder fünf Paare, die ebenfalls ein Wohnmobil selber ausbauen wollten.

Ursprünglich war ihr T5 ein Handwerkerwagen. Seitenfenster bauten sie selber ein. Stehhöhe hätten sie gern gehabt, aber beim Gedanken an ein Aufstelldach hätten sie doch "etwas Bammel" gehabt, erklärt Wehrmann. Bis auf eine Nasszelle gebe es alles, meint Spicker. Gemeinsam haben sie geplant, ausgedacht, zugeschnitten.

Wer ein Wohnmobil ausbaut, braucht Zeit und Equipment

Möbel und Einrichtungen hätten mindestens zwei Zwecke, erzählen sie. So wird aus einer hochgeklappten Schranktür ein Tisch, an der Heckklappe lässt sich Wäsche aufhängen. Wegen der Breite des Transporters von nur 1,75 Metern entschlossen sie sich, ein Bett zum Ausklappen selbst zu schweißen.

Als besonders kompliziert empfand das Paar die Montage des 30-Liter-Wassertanks unter dem Fahrzeug - "ohne Hebebühne, teils den ganzen Tag auf dem Boden liegend, mit den Händen nach oben". Ines Spicker empfand auch die Elektrik und den Einbau der Seitenverkleidung als schwer.

Die Zahl ausgebauter Bullis hingegen sei schwer zu ermitteln, sagt CIVD-Verbandssprecher Daniel Rätz. Man gehe davon aus, "dass das zunimmt". Wer selbst ein Wohnmobil ausbauen wolle, brauche allerdings Zeit und Equipment. Etwa Wasseranschluss, Wassertank oder Gasinstallation. "Das kann man nicht mal eben so machen", so Rätz.

Wo es jetzt hingehen soll? Das Paar aus Hannover träumt von einer Tour nach Skandinavien. Greta Thomas und Hannes Wehrmann wollen gerne über Mittsommer ebenfalls nach Skandinavien, rechnen aber in den Pandemie nicht fest damit. Die 23-Jährige sagt: "Wenn das nichts wird, fahren wir einfach los."

dpa/jsk