Trend Microdosing harter Drogen wie LSD oder Magic Mushrooms: Was ihr darüber wissen solltet

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Am Montag wurde der CEO eines Tech-Startups gefeuert, nachdem er vor einem Arbeitstreffen eine Mikrodosis LSD genommen hatte. Der ehemalige Iterable-Chef Justin Zhu erzählte „Bloomberg“, dass er im Jahr 2019 eine kleine Menge LSD — eine psychedelische Droge — genommen habe, um seine Konzentration während eines Meetings zu verbessern. In einer E-Mail an die Mitarbeiter sagte Zhus Mitgründer Andrew Boni, dass Zhu gegen die Unternehmensrichtlinien verstoßen habe und ihm deshalb gekündigt werde. Durch die Story ist erneut eine Diskussion um die potenziellen Vorteile des Microdosings entbrannt.

Kurz gesagt bezeichnet Microdosing die Einnahme von sehr kleinen Mengen psychedelischer Drogen — beispielsweise LSD (Lysergsäurediethylamid) oder Psilocybin-Pilzen — in einem halb-regulären Zeitplan. Nutzer wollen dadurch angebliche Vorteile wie eine erhöhte Wahrnehmung und Kreativität erzielen oder Ängste und Depressionen lindern. Nur drei Studien haben sich bisher wissenschaftlich mit dem Microdosing beim Menschen befasst, sodass es noch keine endgültigen Belege für die Effekte dieser Methode gibt.

Eine auf Selbstauskünften basierende Studie vom Februar 2019 ergab, dass Menschen, die LSD oder Psilocybin mikrodosierten, aufgeschlossener und besser gelaunt waren als Menschen, die keine Drogen nahmen. Sie fühlten sich außerdem kreativer. In einer anderen Studie berichteten Menschen, die regelmäßig Psychedelika mikrodosierten, ebenfalls von einer besseren psychischen Gesundheit und Konzentrationsfähigkeit. Eine Studie vom März 2020 des Imperial College London zeigte jedoch, dass die berichteten Vorteile der Mikrodosierung sehr wohl auch schlicht auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen sein könnten.

Amanda Feilding, Gründerin und Leiterin der gemeinnützigen Beckley Foundation mit Sitz in Großbritannien, hofft, die bestehende Forschung durch eine neue Studie zu ergänzen. Darin sollen die Auswirkungen des Microdosings auf die kreativen und kognitiven Fähigkeiten einer Person dokumentiert werden. Fieldings Studie ist derzeit in Arbeit und vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass LSD-Mikrodosierung die Schmerztoleranz erhöhen kann. Hier erfahrt ihr, was wir derzeit über die Mikrodosierung wissen.

Microdosing ist nicht dazu gedacht, euch „high“ zu machen

Die Dosierung einer Substanz wie Psilocybin oder LSD sollte nach den Forschungen von James Fadiman nur etwa ein Zwanzigstel bis ein Zehntel der regulären Dosis betragen — also der, die zum „Trip“ gedacht ist. Das sind fünf bis zehn Mikrogramm LSD oder 0,1 bis 0,4 Gramm Psilocybin-Pilze. Da die individuelle Toleranz unterschiedlich ist, kann die genaue Menge von Person zu Person variieren. Ziel ist es aber, sich in einem gesteigerten Wahrnehmungszustand zu befinden — nicht, zu halluzinieren.

Die Mehrheit derjenigen, die Microdosing ausprobiert hat, empfehlen, nicht jeden Tag etwas zu nehmen. James Fadiman — Psychologe, Experimentator mit Psychedelika und Autor von „The Psychedelic Explorer's Guide: Safe, Therapeutic, and Sacred Journeys“ — empfiehlt einen Drei-Tages-Zyklus. Eine Dosis soll am ersten Tag eingenommen werden, die nächste erst wieder am vierten Tag. Dadurch soll einerseits vermieden werden, dass ihr eine Toleranz entwickelt, und zum anderen könnt ihr so am zweiten Tag die Restwirkung spüren. Es wird auch Wert darauf gelegt, Tagebuch zu führen und darauf zu achten, wie der Körper auf die Drogen reagiert.

Es ist aber wichtig, sich daran zu erinnern, dass nur sehr wenig Forschung zu diesem Thema existiert. Außerdem sind Magic Mushrooms und LSD in Deutschland immer noch illegal. Und nicht zuletzt spricht nicht jeder beim Microdosing von derselben Droge. Während Psilocybin — allgemein bekannt als „Shrooms“ oder „Magic Mushrooms“ — und LSD derzeit die populärsten Formen sind, listet Third Wave auch Cannabis, Ayahuasca, Meskalin und DMT als mögliche Substanzen für das Microdosing.

Viele berichten, dass Microdosing ihre Kreativität steigert oder ihre Stimmung hebt

Steve Jobs, Mitgründer und früherer CEO von Apple, sprach offen über seine LSD-Erfahrungen. „LSD zu nehmen war eine tiefgreifende Erfahrung, eines der wichtigsten Ereignisse in meinem Leben. LSD zeigt dir, dass es eine andere Seite der Medaille gibt, und du kannst dich nicht daran erinnern, wenn es nachlässt. Aber du weißt es. Es hat meinen Sinn dafür gestärkt, was wichtig ist — großartige Dinge zu erschaffen, anstatt Geld zu verdienen, die Dinge wieder in den Strom der Geschichte und des menschlichen Bewusstseins einzubringen, so gut ich konnte.“ Jobs zufolge trug der Konsum von LSD zur simplen, vom Zen inspirierten Designästhetik der Apple-Produkte und -Verpackungen bei.

Sein Freund und früherer Apple-Mitarbeiter Daniel Kottke verriet, dass Jobs den Konsum von LSD nach der Gründung von Apple einstellte. Die Angewohnheiten des verstorbenen Schöpfers seien aber von den kreativen Köpfen des Silicon Valley aufgegriffen worden. Für Menschen mit überfüllten Terminkalendern in Tech- und/oder Startup-Umgebungen wird Microdosing als eine Möglichkeit gesehen, voranzukommen — indem man durch die Erschöpfung hindurch produktiv bleibt oder die Kreativität anregt.

Ayelet Waldman hat ihre Erfahrungen mit der Mikrodosierung von LSD in einem Buch beschrieben: „A Really Good Day: How Microdosing Made a Mega Difference in my Mood, My Marriage, and My Life.“ Sie wollte durch die Methode ihre Stimmungsschwankungen lindern, unter denen sie während der Wechseljahre litt. Waldman behauptet, dass Microdosing ihr Leben verändert hat, indem es ihre Stimmungsschwankungen abschwächte und so die Beziehungen zu ihren Familienmitgliedern und zu sich selbst verbesserte. Erica Avery, eine 27-Jährige aus Deutschland, benutzte Microdosing acht Monate lang, um ihre Depression zu bewältigen. „Es hat mich aus einer ziemlich tiefen Depression herausgeholt. Ich denke, es hat mich verändert.“

Ein Sanitäter erzählte dem „Guardian“ anonym, dass er LSD mikrodosiert hat, um eine Depression zu behandeln. Antidepressiva hätten bei ihm nicht angeschlagen. „Anfangs gab es keinen erkennbaren Unterschied. Seltsamerweise merkt man erst am nächsten Tag, dass man Dinge anders gehandhabt oder auf Dinge anders reagiert hat. Es ist so subtil, dass man es leicht übersieht. Aber es hat definitiv funktioniert.“

Eine kanadische Studie rekrutierte Menschen aus Online-Foren, um nach den Gewohnheiten des Microdosings und der psychischen Gesundheit zu fragen. Die Untersuchung ergab, dass fast 25 Prozent der Nutzer von einem geschärften Fokus und gesteigerter Energie berichteten. Und 13 Prozent sagten, dass Microdosing ihre bestehenden Ängste und Stress gelindert habe. Weiterhin berichteten mehr als 20 Prozent, dass sich ihre Stimmung und ihre Lebenseinstellung verbessert hätten.

Insgesamt mangelt es jedoch an Studien, die einen positiven Effekt des Microdosing über den Placebo-Effekt hinaus belegen würden.

Keine Belege für das Microdosing, aber bedeutende Studien zur Wirkung von Psychedelika

Wozu es aber mittlerweile gute Belege gibt: Zur Wirkung von Halluzinogenen, die nicht mikrodosiert werden. Zwei der aussagekräftigsten Studien zu Psilocybin — eine von Forschern der Johns Hopkins University in Baltimore und die andere von der New York University — waren vielversprechend. In beiden Studien scheint eine einzige Dosis psychedelischer Drogen die Symptome einiger der häufigsten und tragischsten Erkrankungen des Gehirns, einschließlich Depressionen, zu lindern.

Weitere Studien haben gezeigt, dass Psilocybin bei Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheiten wie Krebs deren Ängste signifikant reduziert, dass Ketamin Vorteile als schnell wirkendes Antidepressivum haben könnte und dass MDMA (Ecstasy) die Behandlungsresultate bei Menschen verbessert, die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

Obwohl viele argumentieren, dass die Verwendung dieser Drogen zu riskant ist, scheint die Wissenschaft in diesem Bereich inzwischen offen zu sein. Der Konsens vieler Wissenschaftler scheint sich jedoch auf „Trip-Behandlungen“ zu beschränken, also auf die Einnahme einer einzigen regulären Dosis der Droge – nicht auf die Mikrodosierung.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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