Trauriger Höhepunkt: Baltimore erreichte 2017 die bisher höchste Mordrate durch Schusswaffen pro Kopf

Auf dem Bild sieht Baltimore zwar beschaulich aus, die Stadt in Maryland hat aber seit langem mit einem fundamentalen Gewaltproblem zu kämpfen. (Bild: AP Photo/Carlos Osario)

Einen traurigen Höhepunkt hat die US-amerikanische Stadt Baltimore erreicht – noch nie war die Mordrate pro Kopf mit Schusswaffen in der Problemstadt so hoch wie 2017.

343 Morde durch Schusswaffen gab es 2017 in Baltimore – damit ist die 621.000-Einwohner-Stadt in Maryland gefährlich wie nie. Das entspricht 56 Morddelikten pro 100.000 Menschen, wie der Nachrichtendienst „Associated Press“ berichtet. Durchschnittlich kommen die USA auf 3,4 Morde pro 100.000 Einwohner, wie eine Statistik der Bundeszentrale für politische Bildung zeigt.

„Es ist nicht nur entmutigend, es ist auch schmerzvoll“, so die Bürgermeisterin Catherine Pugh zu „Associated Press“. Die Gründe für diese katastrophale Bilanz seien unklar. Der Anstieg illegaler Waffen, der gravierende Anstieg von Opioiden oder politisch-soziale Ungleichheiten werden als einige der ausschlaggebenden Faktoren genannt.

Zwischen den touristisch orientierten Teilen der Stadt wie Inner Harbour oder den reichen Stadtteilen wie Canton und Mount Vernon sowie dem Großteil der Viertel bestehe ein klaffender Unterschied, immer mehr sucht Armut die Stadt heim.

Viele sehen die Schuld bei der Polizei. Der Tod des Afroamerikaners Freddie Gray sorgte 2015 für Unruhen und Ausschreitungen. Nach seiner Verhaftung fiel Gray zuerst ins Koma, eine Woche später verstarb er. Laut Informationen von Ärzten hatte er zuvor schwere Rückenverletzungen erlitten. Seit damals stiegen die Gewalt- und Tötungsdelikte drastisch an.

„Der allgemeine Konsens […] suggeriert, dass die Morde deswegen passieren, weil die Polizei damit aufgehört hat, Verbrechen in den vielen armen […] Stadtteilen aggressiv zu bekämpfen“, zitiert „AP“ Donald Norris, einen emeritierten Professor für öffentliche Ordnung an der Universität von Maryland Baltimore County.

In einer Seitengasse ist ein improvisiertes Denkmal zu sehen, das an den erschossenen Polizisten Sean Suiter erinnern soll. (Bild: (AP Photo/Patrick Semansky, File)

Die Polizei selbst sieht das Problem vor allem in Gangs: „Der Großteil unserer Kinder und Bürger ist nicht in derartige kriminelle Aktivitäten involviert. Es ist die immer gleiche Gruppe von Kriminellen, die Leid über die Familien der Leute bringt“, so Polizei-Chefsprecher T.J. Smith.

1993 erreichte Baltimore mit 353 Tötungen bzw. rund 49 Morden pro 100.000 Einwohner einen ersten Höhepunkt – allerdings war damals die Einwohnerzahl mit 700.000 noch höher und somit die Rate dementsprechend niedriger. Seit 2015 geht die Mordrate gemessen an der Einwohnerzahl kontinuierlich nach oben.

Patrick Sharkey, Soziologe an der New York University, beschreibt Baltimore als „Ort mit der dringenden Notwendigkeit, sicherzustellen, dass die Nachbarschaften nicht weiter auseinander fallen und die Bevölkerung die Stadt nicht aufgibt.“