Beruf Müllmann: Anstrengend, stinkig – aber gut bezahlt?

Der Job in der Abfallwirtschaft ist wahnsinnig anstrengend und beginnt dann, wenn alle anderen noch schlafen. (Bild: ddp)

Nervig finden es die meisten, wenn sie morgens um 7 vom Herumfuhrwerken der Müllabfuhr geweckt werden. Daran, dass die Müllmänner da oft schon Stunden wach sind, denken die wenigsten. Und auch der Gehaltsscheck der Männer in Orange dürfte die meisten erstaunen.

Egal, ob es draußen noch dunkel ist, regnet oder schneit – wenn andere sich noch einmal im Bett umdrehen, sind die Müllmänner längst aktiv. „Ich steh um vier Uhr morgens auf“, erzählt der Müllmann Klaus. Abends noch gemütlich im Restaurant sitzen oder den 20.15-Uhr-Film ansehen ist da nicht drin, gegen 20 Uhr geht er ins Bett, sonst hält der 35-Jährige den Knochenjob nicht den ganzen Tag durch. Und trotzdem gibt es gute Gründe, warum es für manche gar keinen schöneren Job gibt.

In Altbaugebieten gibt es oft Sonderzulagen

Im Vergleich mit anderen Lehrberufen kann man bei der Müllabfuhr schon relativ früh relativ viel Geld verdienen. Wer zum Beispiel nach dem Realschulabschluss eine Lehre als Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft macht, bekommt im ersten Jahr 610 Euro und im dritten bis zu 950 Euro im Monat. Wer sich in derselben Zeit zum Friseur ausbilden lässt, dem kann es passieren, dass er anfangs schon mal mit 200 Euro abgespeist wird. Mehr als 700 Euro sind auch am Ende der Ausbildung nicht drin. In der Abfallwirtschaft kann man, je nachdem, in welchem Betrieb man die Ausbildung macht, auch Fachkraft für Abwassertechnik, Wasserversorgungstechnik oder Industrie- Rohr- und Kanaltechnik werden.

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Klaus hat einen klassischen Werdegang hinter sich. Angefangen als Straßenreiniger hat er sich bis zum Müllmann hochgearbeitet und ist heute der Mann hinter dem Steuer. Damit hat er es schon etwas entspannter als der Lader hinten auf der Plattform, der im Freien stehen und die Mülltonnen holen und wieder zurückbringen muss. Um die 3000 Euro brutto verdienen ausgebildete Müllmänner in der staatlichen Abfallwirtschaft, je nach Strecke kann das aber auch mehr sein. Manchmal gibt es Gefahrenzulagen, manchmal gibt es auf einer Route besonders viele Altbauhäuser mit vielen Stufen, über die die Mülltonnen geschleppt werden müssen, und deshalb ebenfalls eine Sonderzulage. So sind um die 3500 Euro im Monat drin.

Der Job wird fast ausschließlich von Männern erledigt

In städtischen Unternehmen regelt der Tarif die Bezahlung samt Erhöhungen. Liegt die Abfallentsorgung in privater Hand, kann die Bezahlung aber stark nach unten abweichen. Ungelernte Müllmänner werden zwar auch immer wieder genommen, verdienen aber deutlich weniger: Im Schnitt zwischen 1600 und 2200 Euro brutto. In letzter Zeit setzen viele Firmen zudem verstärkt auf Leiharbeiter, die oft noch weniger verdienen.

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Müllmann Klaus hebt die Bezahlung positiv hervor, aber neben dem Essentiellen erfüllt ihn sein Beruf auch aus einem anderen Grund: „Ich habe eine Leistungsvorgabe und die kann ich über den Tag gestalten, wie ich möchte. “

Wer bei der Müllabfuhr arbeitet, kann sich das Fitness-Studio sparen. (Bild: ddp)

Müllmann als Traumjob also und einer, der weitgehend in männlicher Hand ist. Bei der Stadt Mannheim beispielsweise arbeitet keine einzige Müllfrau. Angeblich nicht, weil Frauen nicht genommen würden, heißt es aus der Presseabteilung auf Anfrage von Yahoo! Finanzen. Sie würden sich einfach nicht bewerben. Lediglich zwei Straßenkehrerinnen seien dort im Einsatz, früher habe es mal eine Fahrerin gegeben. Fest steht auf jeden Fall, dass die körperliche Belastung bei der Müllabfuhr ziemlich hoch ist.

Und dann gibt es da noch etwas, dass viele Menschen schon stört, wenn sie nur kurz hinter einer Müllabfuhr halten müssen: den Geruch. Völlig immun dagegen sind Müllmänner natürlich auch nicht. Aber wer in der Hinsicht nicht empfindlich ist, gewöhnt sich mit der Zeit immerhin daran. Wer jetzt denkt, Müllmänner kämen unweigerlich miefig nachhause und würden auch noch ihre Kinder oder Partner damit nerven: In den Betriebshöfen gibt es Duschen, die laut Klaus tatsächlich auch gerne alle Mitarbeiter in Anspruch nehmen.

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Wer übrigens eine höhere Position und damit auch höhere Verdienstmöglichkeiten anstrebt, kann in der Abfallwirtschaft auch gut aufgehoben sein. Mit Fortbildungen zum Fuhrpark- oder Einsatzleiter, zum geprüften Technischen Fachwirt oder zum Meister für Kreislauf- und Abfallwirtschaft – hier sind dann Jahresgehälter um die 50.000 Euro drin.

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