Transsexuelle in Istanbul demonstrieren trotz Versammlungsverbots für ihr Recht

Demonstranten vor Atatürk-Porträt in Istanbul

Trotz eines Versammlungsverbots haben sich am Sonntag in Istanbul mehrere Dutzend Menschen zu einem Marsch für die Rechte von Transsexuellen versammelt. Viele der Teilnehmer schwenkten Regenbogenflaggen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

"Wir sind trans, wir sind hier, gewöhnt Euch daran", hieß es in einer Erklärung des Organisators Ceylan Cagdas, die vor den Teilnehmern verlesen wurde. In den sozialen Online-Netzwerken wurde über die Kundgebung unter dem Schlagwort "Game of Trans" berichtet, ein Wortspiel mit der international bekannten Fernsehserie "Game of Thrones".

Der Istanbuler Provinzgouverneur hatte den Protestmarsch Trans Pride, der vom zentralen Taksim-Platz starten sollte, am Samstag wegen Sicherheitsbedenken verboten. Außerdem sei die Veranstaltung nicht ordnungsgemäß angemeldet worden, hieß es. Der Taksim-Platz wurde am Sonntag von einem großen Sicherheitsaufgebot abgeriegelt. Zahlreiche Sicherheitsbeamte sowie Wasserwerfer standen bereit.

Die Demonstranten starteten daher aus dem Bezirk Pangalti nördlich des Taksim-Platzes, um doch noch zu dem zentralen Istanbuler Platz zu gelangen. Allerdings wurden sie zuvor von der türkischen Polizei im Stadtbezirk Harbiye aufgehalten. Sieben Teilnehmer seien festgenommen worden, erklärte die Istanbuler Gruppe LGBTI+ für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender. Später seien sie wieder freigelassen worden.

Es war der achte Trans-Pride-Marsch in Istanbul. In einer vorab veröffentlichten Erklärung hatten die Organisatoren hervorgehoben, dass die Veranstaltung in den vergangenen Jahren immer problemlos verlaufen sei und keine Sicherheitsbedrohung dargestellt habe.

Die türkischen Behörden hatten bereits die Istanbuler Gay-Pride-Parade vor einer Woche verboten. Dennoch versammelten sich auf dem Taksim-Platz am vergangenen Sonntag rund 40 Aktivisten. Die Polizei löste die Kundgebung mit Gummigeschossen auf.

Kritiker sagen, das Verbot der Gay Pride in diesem und den vergangenen beiden Jahren gehe auf den Einfluss der islamisch-konservativen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Staatschef Recep Tayyip Erdogan zurück. Die Behörden machten hingegen Sicherheitsbedenken geltend.