Transfrau im türkischen Männergefängnis: Aktivistin protestiert mit Hungerstreik

Diren Coşkun wird unter Missachtung ihrer Geschlechtsidentität in einem Männergefängnis festgehalten (Bild: Twitter)

Die türkische Regierung geht insbesondere seit dem Putschversuch von 2016 mit eiserner Hand gegen Oppositionelle vor. Kritikern drohen drakonische Haftstrafen, immer wieder wird von Menschenrechtsverletzungen berichtet. Den Häftlingen bleibt als Protestmittel oft nur der Hungerstreik. Auch Trans-Aktivistin Diren Coşkun protestiert seit über einer Woche auf diese extreme Weise gegen ihre Haftbedingungen.

Coşkun, die der kurdischen LGBTQ-Gruppe Keskesor (Regenbogen) angehört, verbüßt ihre Strafe laut ANF im Gefängnis Nr. 2 von Tekirdağ, einer Haftanstalt für Männer. Die Aktivistin, die wegen “Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation” und “Propaganda” verurteilt wurde, ist nach ihrer Verhaftung im August 2017 noch in ein Frauengefängnis in Diyarbakır gebracht worden. Später wurde sie jedoch in die Männer-Haftanstalt überstellt, wo sie in Isolationshaft gehalten werde. Zudem würden die Behörden auf ihre Bedürfnisse keinerlei Rücksicht nehmen und notwendige Behandlungen verweigern.

“Todesfasten” seit dem 25. Januar

LGBTQ-Aktivistin Kıvılcım Arat veröffentlichte einen Aufruf Coşkuns auf Twitter: “Ich informiere die demokratische Öffentlichkeit darüber, dass ich am 25. Januar ein Todesfasten begonnen habe. Um die Aufhebung der Isolationshaft und mein Recht auf medizinische Versorgung zu fordern, riskiere ich meinen Tod.”

Im Gefängnis werde keinerlei Rücksicht auf ihre Bedürfnisse genommen: “Wir sind hier vielen Praktiken ausgesetzt, die gegen die Würde des Menschen verstoßen. Seit August bin ich in Haft, muss jedoch weiterhin Anträge schreiben, um eine Pinzette zu erhalten. In der Gefängniskantine sind lediglich Rasierutensilien, Unterwäsche und weitere Dinge für Männer erhältlich.”

Neben Coşkun sei noch eine weitere Transfrau unter ähnlichen Bedingungen in dem Gefängnis inhaftiert. “Unter Tausenden Männern werden zwei Transsexuelle tagtäglich an den Rand des Todes gedrängt. Von den Ärzten im Krankenhaus von Tekirdağ bis hin zu den Ärzten im Gefängnis, dem Personal und der Anstaltsleitung ist jede Person Teil dieses Repressionsapparates”, kommentiert Arat die Zustände im Gefängnis.

Willkürliche Praktiken der Behörden

Tatsächlich hat Coşkun nach eigenen Angaben mehrere Selbstmordversuche hinter sich: “Drei Mal habe ich bereits versucht, mir das Leben zu nehmen. Weder kommt man einen Schritt auf mich zu noch antwortet man auf meine Fragen.” Ihre Anträge würden zwischen verschiedenen Strafgerichtskammern hin- und hergereicht. “Seit dem Tag meiner Verhaftung werden mir laufend meine Rechte und die Pflichten der Gesetze des Gesundheitssystems vorenthalten und ich bin ständigen, willkürlichen Praktiken ausgesetzt.”

“Praktiken, denen wir im Gefängnis Nr. 2 in Tekirdağ ausgesetzt sind, lauten: Vorenthaltung unserer Rechte, Belästigungen, Isolation”, fasst Coşkun in ihrem Appell zusammen. “Die Gefängnisverwaltung droht ständig mit Sanktionen, um mich vom Todesfasten abzubringen. Ich sage dann: ‘Ich habe mich dem Tod ausgeliefert. Von welcher Strafe kann die Rede sein?'”