"Tränengas-Eis" soll an die Proteste in Hong Kong erinnern

In einer Eisdiele in Hong Kong gibt es jetzt eine ganz besonders ausgefallene Geschmackssorte. Dort können Kunden jetzt “Tränengas-Eis” probieren.

Gegen die pro-demokratischen Demonstranten setzte die Polizei in Hong Kong immer wieder Tränengas ein, an das die Eissorte nun erinnern soll. (Bild: Yat Kai Yeung/NurPhoto via Getty Images)

Der Besitzer von “Sogno Gelato” in einem Einkaufszentrum in Hong Kong will mit der ungewöhnlichen Eissorte ein politisches Zeichen setzen. Für den beißenden Geschmack sorgen als Hauptzutat schwarze Pfefferkörner, die an das Tränengas der Polizei erinnern soll, mit denen sie während der monatelangen Proteste im vergangenen Jahr gegen Demonstranten vorgingen. Insgesamt feuerte die Polizei damals mehr als 16,000 Salven Tränengas auf die Demonstranten.

Und die Erfahrungsberichte geben dem Namen recht. Anita Wong, eine Kundin der Eisdiele, erzählte der Nachrichtenagentur AP: “Es schmeckt wie Tränengas. Am Anfang ist es schwierig zu atmen und es ist stechend und irritierend.” Man bekomme sofort den Wunsch, viel Wasser zu trinken. Wong fügte hinzu: “Für mich ist es ein Flashback, der mich daran erinnert, wie viele Schmerzen ich während des Aufstands gefühlt habe und dass ich das nicht vergessen sollte.”

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Während der Maßnahmen gegen die Ausbreitung Corona-Pandemie ist die Pro-demokratische Bewegung fast zum Erliegen gekommen. Der Ladenbesitzer, der anonym bleiben wollte, weil er Bestrafungen durch die Peking-nahe Regierung fürchtet. Der AP sagte er: “Mit der Eissorte wollten wir die Menschen daran erinnern, dass sie durchhalten in ihren Protesten und ihre Leidenschaft nicht verlieren.” Er habe mit verschiedenen Zutaten experimentiert, nach Wasabi und Senf sei er schließlich aber bei schwarzem Pfeffer geblieben, weil dieser die Effekte von Tränengas am dichtesten gekommen sei. Die Pfefferkörner werden gemahlen und geröstet, um sie dann zu Eiscreme zu verarbeiten. Eine Portion kostet etwa fünf Dollar und die ungewöhnliche Sorte ist ein echter Erfolg. Etwa 20 bis 30 Kunden kaufen das scharfe Eis pro Tag, erzählt der Besitzer.

Die Eisdiele hält sich übrigens auch sonst nicht mit politischen Statements zurück. An der Wand neben der Theke können Menschen auf Zetteln ihre Botschaften anheften. Solche “Lennon Walls” waren überall in der Stadt während der “Occupy” Proteste 2014 aufgetaucht. Schon jetzt wird erwartet, dass die Demonstrationen im Sommer erneut an Fahrt aufnehmen. Dann wird der Geschmack von Tränengas vermutlich auch wieder in den Straßen der Stadt zu schmecken sein und nicht nur in der Eisdiele.

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