Mit Tradition gegen den Trend

 

Mit Assets under Management in Höhe von mehr als zwei Billionen US$ gehört Fidelity zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. Und während aktive Anlagegesellschaften ständig Marktanteile an die passiv managende Konkurrenz verlieren, geht es dem Traditionsunternehmen aus Boston prächtig.

 

Seit 71 Jahren ist der Fondsriese aus Boston eine Größe am Kapitalmarkt, der Name Fidelity ist quasi Synonym für aktives Fondsmanagement. Diese Art, Kapital zu verwalten, ist jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend unter die Räder gekommen. Mehr als 3,4 Billionen Euro haben Anleger bislang in ETFs (Shenzhen: 395013.SZ - Nachrichten) investiert; fast zwei Fünftel des weltweit verwalteten Vermögens sind in passiven Produkten geparkt, so das Ergebnis einer Studie von Sanford C. Bernstein.

 

Während die Branche der traditionellen Asset Manager jedoch versucht, sich mit Fusionen gegen die Flut zu stemmen und erodierende Marktanteile zurückzugewinnen und dabei gleichzeitig Kosten zu sparen, geht es Fidelity prächtig: In den vergangenen zehn Jahren wuchsen die Assets under Management um mehr als 50 Prozent; gleichzeitig stiegen die Erträge um 42 Prozent, der operative Gewinn sogar um 62 Prozent auf 3,5 Milliarden US$ im vergangenen Jahr.

 

Vielleicht, vermutet der Schumpeter-Blog des Economist, liegt das Geheimnis darin, dass sich Fidelity nicht im Glanz vergangener Tage sonnt sondern ganz pragmatisch an die Gegebenheiten des Markts von heute anpasst: Fonds anderer Emittenten machen mittlerweile fast zwei Drittel der Portfolios aus, die Fidelity für seine Kunden verwaltet. Und die Traditionsfirma aus Boston ist sich nicht zu schade, neben ihren aktiv gemanagten Produkten, zu denen auch der der legendäre Magellan Fonds gehört, auch eigene ETFs aufzulegen und an institutionelle und private Investoren über Broker, aber auch im Retail zu verkaufen. Fidelity hat bei Altersvorsorgeprodukten (401k) in den USA mittlerweile einen Marktanteil von rund 25 Prozent; durch das Massengeschäft können die insgesamt sinkenden Margen teilweise ausgeglichen werden: Fidelity steht mit einem Fünftel aller Investoren in den USA auf die eine oder andere Weise in Geschäftsbeziehung. Dabei zeichnet sich laut dem Schumpeter-Blog ein neuer Trend ab, von dem Fidelity in hohem Maße profitiert: Kunden fragen nach passiven Produkten – die aber in einem aktiv gemanagten Portfolio zusammengefasst werden sollen. So, oraktelt Schumpeter, könne die Zukunft der Branche insgesamt aussehen: neue Mega-Manager bieten eine breite Palette aktiver und passiver Produkte mit hohem Volumen und zu geringen Kosten an. Schon jetzt hat beispielsweise die US-Bank JPMorgan Chase sowohl Autokredite als auch indische Investmentfonds im Angebot.

Das Beispiel von Fidelity zeigt, dass Firmengeschichte, -kultur und Marke zusammen mit Offenheit gegenüber neuen Technologien und der Bereitschaft zur Anpassung eine jedenfalls erfolgreiche Kombination darstellen können, um in Zukunft zu bestehen.

(TG)