Der trügerische Glanz des Deutsche-Bank-Gewinns

Die Deutsche Bank hat für ihren Gewinnsprung nur kurz Applaus von der Börse bekommen. Zu Recht. Die Bank macht zwar Fortschritte auf der Kostenseite, doch die Ertragsseite bleibt die große Schwäche des Instituts.


Auf den ersten Blick hat die Deutsche Bank im dritten Quartal „bella figura“ gemacht: Der Gewinn nach Steuern war mit 649 Millionen Euro immerhin dreimal so hoch wie im Vorjahr. Doch ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Entwicklung wenig mit einer Rückkehr zu alter Stärke zu tun hat. Kein Wunder, dass der Börsenkurs des Instituts nur kurz nach oben zuckte, bevor er in den roten Bereich rutschte.

Denn die Erträge der Bank befinden sich weiter im Sinkflug. Die Einkünfte liegen seit Jahresbeginn rund zehn Prozent unter dem Vorjahr. Das liegt vor allem daran, dass es im Investmentbanking der Bank nicht gut läuft. Die Erträge lagen dort rund 23 Prozent tiefer als im Vorjahr. In der Privatkundensparte blieben die Einnahmen nur dank Sondereffekten stabil.

Den überraschend kräftigen Gewinnsprung verdankte die Bank nur den deutlich niedrigeren Kosten und einer geringen Risikovorsorge. Dass die Kosten bei der Deutschen Bank sinken, ist natürlich erfreulich – zumal das Institut in der Vergangenheit nicht unbedingt durch übertriebene Kostendisziplin aufgefallen ist. Einziger Wermutstropfen: Einer der Gründe für die niedrigeren Ausgaben ist, dass keine teuren Rechtsfälle abgeschlossen wurden. Diese Kosten werden also nur irgendwann später anfallen. Und weil die Bank für dieses Jahr wieder Boni zahlen wird, werden auch die Personalkosten höher ausfallen.

Das ändert aber nichts an den Fortschritten, die die Bank auf der Kostenseite gemacht hat. Das Problem ist nur: Das wird auf Dauer nicht genügen. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis, ein wichtiger Maßstab für Effizienz, liegt für die ersten neun Monate dieses Jahres bei 85 Prozent. Damit ist die Bank noch ein gutes Stück von den 70 Prozent entfernt, die sie sich einmal für das Jahr 2018 vorgenommen hat.

Die Bank hat angekündigt, nach dem Horrorjahr 2016 Boden gutzumachen. Davon ist im Zahlenwerk noch nicht viel angekommen. Vorstandschef John Cryan räumt die Schwächen ein und versichert, dass die Grundlagen für künftiges Wachstum gelegt sind.


Er verweist auf Mandate, die die Bank gewinnt und die künftig zu Erträgen führen sollen. Auch die vorgelegten Details für die Zusammenlegung der Postbank und der Privatkundensparte der Deutschen Bank sollen belegen, dass die Bank bei der Umsetzung ihrer Strategie Fortschritte macht.

Wirklich überzeugen können solche Indizien aber erst, wenn die Bank diese Fortschritte in echte Erträge ummünzen kann. Im Ankündigen war die Deutsche Bank seit jeher stark. Jetzt muss sie zeigen, dass sie ihre Versprechen halten kann – bevor die Investoren die Geduld verlieren.