Träume, die zerplatzen können: Warum ich bei der Altersvorsorge lieber nicht nur auf ETFs setzen würde!

Andre Kulpa, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
ETFs
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Eines dürfte ja mittlerweile bei fast allen Menschen angekommen sein. Nämlich, dass die gesetzliche Rente allein wahrscheinlich nicht mehr für ein sorgenfreies Leben im Alter reichen wird. Deshalb versuchen immer mehr Leute, selbst etwas gegen die drohende Altersarmut zu tun, und haben damit begonnen, selbst privat vorzusorgen.

Und in dieser Hinsicht bieten sich dem interessierten Anleger ja nun wirklich eine Menge Möglichkeiten. Aber eine Sache liegt hier offensichtlich im Moment ganz besonders im Trend. Wenn es nämlich darum geht, Geld für den wohlverdienten Ruhestand zurückzulegen, setzen immer mehr Menschen auf sogenannte Exchange Traded Funds oder kurz ETFs.

Denn die Indexfonds gelten bei den Anlegern als kostengünstige Option, ihr Geld an den Börsen arbeiten zu lassen und marktübliche Renditen damit zu erzielen. Es herrscht außerdem bei vielen die Meinung vor, dass die ETFs sicherer seien als herkömmliche Aktienfonds oder Einzelaktien.

Aber ist man mit ETFs wirklich auf der sicheren Seite und gut für das Alter abgesichert? Es ist natürlich auf jeden Fall besser, in einen ETF zu investieren, als überhaupt nichts für die Altersvorsorge zu tun. Doch um später nicht vielleicht ein böses Erwachen zu erleben, sollte man meines Erachtens nicht blauäugig nur auf Indexfonds setzen. Betrachten wir im heutigen Artikel einmal ein paar Unwägbarkeiten, die solch eine Strategie mit sich bringen könnte.

Schwer oder lieber einfach?

Um ein bestimmtes Ziel im Leben zu erreichen, gibt es ja meistens zwei Wege. Einen schweren und einen einfachen. Und mittels ETFs die Altersvorsorge zu realisieren, halten wohl nicht wenige Menschen für die einfachere Möglichkeit in dieser Rubrik. Ich denke in dieser Beziehung aber etwas anders. Es ist in meinen Augen sogar einer der schwereren Wege, den man gehen kann, um für später vorzusorgen. Was ich meine, wird vielleicht klar, wenn man sich einmal eine andere Strategie anschaut.

Was wäre, wenn man zum Beispiel auf Einzelaktien setzen würde, um etwas für die spätere Aufbesserung seiner Rente zu tun. Hier könnte es unter Umständen sein, dass man mit wesentlich weniger Kapitaleinsatz dasselbe Ziel erreichen kann. Aktienkursanstiege entwickeln sich nämlich über längere Zeiträume hinweg exponentiell. Und wenn man auch noch Dividenden erhält, können diese in der Ansparphase noch zusätzlich investiert werden.

Bezüglich ihrer Wertentwicklung würden sich ETFs über Dekaden hinweg natürlich auch exponentiell verhalten. Doch hier werden sie von ihrer Indexgebundenheit gewissermaßen ausgebremst. Denn sie können so immer nur die Rendite erreichen, die auch im Gesamtmarkt erwirtschaften wird. Hingegen ist mit sorgfältig ausgewählten Aktien unter Umständen eine bessere Performance möglich, als sie der Markt bietet.

Auch die Höhe der ausgeschütteten Dividenden ist bei einem ETF meist geringer. Denn auch hier erhält man ja nur die Durchschnittsrendite aller im ETF enthaltenen Aktien. Auch hier kann es bei Einzelwerten anders aussehen. Hat man beispielsweise Aktien von Firmen im Depot, die ihre Ausschüttung regelmäßig anheben, können hier sehr stattliche Summen zusammenkommen.

Höheres Risiko in Crash-Phasen

Hast du Angst vor einem Crash? Dann solltest du wissen, dass ETFs in Zeiten von Börsenkorrekturen ganz sicher keine Ruhekissen darstellen. Denn ein ETF bildet ja in der Regel einen bestimmten Index nach. Mit einem solchen Finanzprodukt investiert man also automatisch in alle Aktien, die auch im zugrunde liegenden Index enthalten sind.

Baut man sich allerdings als Privatanleger ein eigenes Depot auf, kann man es so gestalten, dass es überwiegend mit Werten bestückt wird, die kaum in Korrelation zueinander stehen. Sollte es zu einer Korrektur kommen, kann dieser Umstand die Wertverluste eventuell etwas abmildern.

Bei einem ETF sieht dies allerdings etwas anders aus. In Crash-Phasen könnten nämlich ausgerechnet die Sektoren unter die Räder kommen, die auch im zugrunde liegenden Index am stärksten gewichtet sind. Aber in diesem Fall würde nicht nur der Index stark abstürzen, sondern es würden auch alle entsprechenden ETFs mit in die Tiefe gezogen.

Fazit

Wie du siehst, könnte es recht turbulent zugehen, wenn man ausschließlich auf ETFs bei der Altersvorsorge setzt. Doch auch die Variante, über Einzelaktien Geld für den Ruhestand zu generieren, ist natürlich nicht ganz risikolos. Vielleicht wäre es eine gute Idee, einfach auf beide Strategien zu setzen. Denn so könnte man gleich dreifach profitieren. Bei einzelnen Aktien von höheren Kurschancen und den Dividenden, aber auch von einer breiteren Streuung, wie sie mithilfe der ETFs erreicht werden kann.

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