Toys-R-Us schockt die Spielwarenwelt – Schließung aller US-Filialen?

Die Geburtstagsparty fällt aus. Toys-R-Us wird dieses Jahr 70 Jahre alt, doch zum Feiern ist beim größten amerikanischen Spielwarenhändler niemandem zumute. Im Gegenteil, tausende Mitarbeiter müssen um ihre Jobs fürchten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg erwägt der Konzern, seine mehr als 800 Läden in den USA zu schließen. Das könnte bereits am Montag verkündet werden.

Die hoch verschuldete Firma hat im Herbst Gläubigerschutz beantragt. Seither war es nicht gelungen, eine Umschuldung zu verhandeln oder einen Käufer für das Geschäft zu finden. Jüngst hat Toys-R-Us bereits angekündigt, 184 Filialen zuzusperren.

Für die Beschäftigten ist das eine Katastrophe, genauso für viele Spielwarenhersteller – auch aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Die Unsicherheit rund um die Zukunft von Toys-R-Us habe das Geschäft vergangenes Jahr bereits merklich gebremst, sagte Andreas Stadlbauer, Eigentümer der legendären Rennbahnmarke Carrera, dem Handelsblatt. Zeitweise habe er die Kette nicht mehr beliefert, aus Sorge, dass seine Rechnungen unbezahlt blieben. Erst als Toys-R-Us einen Überbrückungskredit bekam, habe er die Geschäftsbeziehung wieder aufgenommen.


So wie Carrera ging es vielen Herstellern. Doch das war wahrscheinlich nur ein Vorgeschmack auf die Katastrophe, die jetzt kommt. Toys-R-Us steht immerhin für 15 Prozent des US-Spielwarenmarkts, dem größten der Welt. Viele Verbraucher würden wohl auf andere Händler ausweichen, sagte Florian Sieber, Juniorchef von Simba-Dickie, am Freitag dem Handelsblatt. Der Co-Chef des größten deutschen Spielwarenherstellers warnt aber: „Ein gewisses Potenzial wird wegfallen.“

Das ist bitter für die Industrie, denn schon vergangenes Jahr stagnierten die Umsätze in den wichtigsten westlichen Ländern, auch in den USA. Toys-R-Us ist laut Sieber auch deshalb wichtig, weil die Kette in ihren riesigen Märkten Ware präsentiert, die kleinere Händler nicht im Sortiment haben. „Die inspirieren mit ihrem vielfältigen Angebot“, so der Unternehmer.

Dazu kommt: Große US-Ketten wie Walmart führen Spielwaren vor allem zu Weihnachten. Den Herstellern könnte künftig ein Händler fehlen, der ihre Rutschautos, Puppen und Baukästen das ganze Jahr über präsentiert. Damit nicht genug: Oft setzen die Supermärkte Spielzeug zu Kampfpreisen ein, um im Advent die Käufer anzulocken. Ein Ärgernis für die Produzenten.

Kein Wunder, dass die Anleger aus Spielwaren-Aktien flüchten. Im vorbörslichen Handel in New York am Freitagmorgen verlor der Kurs von Barbie-Produzent Mattel fast fünf Prozent.


Hersteller wie Simba-Dickie beobachten nun genau, was mit den Filialen in Deutschland und dem Rest Europas passiert. Diese sind vom Verfahren in den USA nicht betroffen. Die Landesgesellschaft in Großbritannien hat allerdings jüngst ebenfalls Gläubigerschutz beantragt.

„In Deutschland gibt es zum Glück noch zahlreiche Fachhändler“, betonte Sieber. Gleichwohl, die Gruppe erzielt drei Viertel ihres Umsatzes von zuletzt 645 Millionen Euro im Ausland, auch in den USA.

Toys-R-Us leidet darunter, dass immer mehr Kunden im Internet bei Konkurrenten wie Amazon oder Ebay einkaufen. So ist der Umsatz in den zwölf Monaten bis September 2017 um fünf Prozent gesunken.

Grund für die Insolvenz war letztlich jedoch nicht das flaue Geschäft, sondern die hohen Schulden, unter denen Kette seit dem Kauf durch Finanzinvestoren 2005 ächzt. Weil die Firma nicht mehr die nötigen Profite abwarf, konnten die fünf Milliarden Dollar schweren Kredite nicht mehr bedient werden.