Toys 'R' Us schließt alle US-Filialen – Alarmstimmung bei deutscher Tochter


Rund 33.000 Beschäftigte von Toys 'R' Us in den USA zittern um ihre Jobs. Der Spielzeughändler bestätigte offiziell, dass er alle 735 US-Filialen schließen oder verkaufen will. Toys 'R' Us strebt ein Konkursverfahren an, alle Niederlassungen in den USA und Puerto Rico sollen samt Inventar aufgelöst werden. Auch eine Restrukturierung sämtlicher Auslandsgeschäfte einschließlich der Filialen in Deutschland wurde angekündigt. Hierzulande wird demnach ein Verkauf angestrebt. In Großbritannien wird das Geschäft dagegen eingestellt, nachdem kein Käufer gefunden wurde.

CEO David Brandon teilte die Entscheidung am Mittwoch am Hauptsitz in New Jersey den Mitarbeitern mit, wie die „Washington Post“ berichtete. „Ich habe immer geglaubt, dass diese Marke und dieses Geschäft in den USA existieren sollten“, sagte Brandon laut dem „Wall Street Journal“ (WSJ) in einer anschließenden Telefonkonferenz mit Mitarbeitern. Dabei ging er auch mit Lieferanten und Kunden, die Toys 'R' Us zuletzt den Rücken gekehrt hätten, hart ins Gericht: Sie „werden alle bereuen, was hier passiert“, sagte er.

„Das ist ein zutiefst trauriger Tag für uns und die Millionen von Kindern und Familien, denen wir in den letzten 70 Jahren gedient haben“, sagte Brandon. „Aber wir haben nicht länger die finanzielle Unterstützung, um unser US-Geschäft fortzuführen.“ Eine Einigung mit den Gläubigern zur Umschuldung sei gescheitert.


Toys 'R' Us kämpft mit Schulden in Höhe von rund fünf Milliarden Dollar und bemüht sich schon länger erfolglos um einen Käufer. Im September 2017, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, beantragte das Unternehmen in den USA Gläubigerschutz und kündigte die Schließung von 180 Filialen an.

Das Unternehmen leidet unter der immer stärker werdenden Konkurrenz von Onlinehändlern wie Amazon. Auch große Handelsketten wie Walmart machen Toys 'R' Us das Leben schwer. Weltweit betreibt der Spielzeughändler 1600 Geschäfte mit etwa 64.000 Mitarbeitern.

Alarmiert sind auch die Beschäftigten der deutschen Tochtergesellschaft. „Die Nachrichten aus den USA verstärken unsere Sorge, dass die Krise der Muttergesellschaft auch Folgen für die deutschen Standorte hat“, sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Toys'R'Us Deutschland, Daniela Rogge, der „WirtschaftsWoche“.

Die Mitarbeiter möchten wissen, wie es weitergehe. „Doch bislang gibt es dazu keine konkreten Informationen“, sagte Rogge. Toys 'R' Us zählt eigenen Angaben nach 66 Märkte in Deutschland. Dort sollen etwa 1800 Mitarbeiter beschäftigt sein.

Spielzeughersteller von Filialschließungen betroffen

Nicht nur für die Angestellten ist das Aus in den USA eine bittere Nachricht. Auch Spielzeughersteller werden durch die Schließungen hart getroffen. Immerhin 15 Prozent der Spielwaren in den USA werden bislang in den rund 735 US-Filialen von Toys 'R' Us verkauft. Das zu ersetzen wird schwer sein.

Zwar haben auch Online-Shops und andere Einzelhändler Spielwaren im Sortiment. Doch Anbieter wie Walmart konzentrieren diese Verkäufe vor allem auf die Weihnachtszeit und haben während des restlichen Jahres längst nicht ein so großes Angebot wie Toys 'R' Us.

Betroffen sind unter anderem Marken wie Mattel. Der Barbie-Hersteller hatte im vierten Quartal auch wegen der Schwierigkeiten des Spielzeugverkäufers enttäuschende Zahlen vorgelegt.


Das Gleiche gilt für den Konkurrenten Hasbro: Konzernchef Brian Goldner hatte bei der Vorstellung der Quartalszahlen ebenfalls Toys 'R' Us als einen Grund für die enttäuschenden Umsatzzahlen genannt. „Wir werden die Konsequenzen vor allem in den ersten zwei Quartalen dieses Jahres spüren“ sagte Goldner. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass Toys 'R' Us seine Geschäfte komplett schließen wird.

Auch an Spielzeugherstellern aus Deutschland und anderen Ländern werden die Entwicklungen bei Toys 'R' Us nicht spurlos vorübergehen. Neben dem Ende für die US-Filialen kündigte Konzernchef Brandon laut WSJ an, dass auch die Geschäfte in Frankreich, Spanien, Polen und Australien dichtgemacht werden könnten. Die Filialen in Kanada, Mitteleuropa und Asien sollen verkauft werden.

Zuvor gab das 70 Jahre alte Unternehmen bekannt, dass es seine Geschäfte in Großbritannien komplett einstellen wird. Bereits am Donnerstag schließen die ersten 25 Läden, die restlichen 75 Filialen werden in den kommenden sechs Wochen aufgelöst. Rund 3.000 Menschen arbeiten auf der Insel für Toys 'R' Us.

Mit Material von dpa