Toyota Mirai (2021) im Kurztest: Umweltfreundlich auf alternative Art

de.info@motor1.com (Stefan Leichsenring)
·Lesedauer: 8 Min.
Toyota Mirai (2021) im Kurztest
Toyota Mirai (2021) im Kurztest

Auch mit Wasserstoff kommt man auf null Emissionen

Batterieelektrische Fahrzeuge sind eine Wette auf eine emissionsfreie Zukunft. Ständig werden derzeit neue Elektroautos auf den Markt geworfen, in der Hoffnung, dass endlich mehr Kunden angesprochen werden, die . Es gibt jedoch auch ein paar Marken (drei, wenn man's genau nimmt), die eine andere Form der klimafreundlichen Mobilität favorisieren: das Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeug.

Der neue Toyota Mirai ist neben dem Honda Clarity Fuel Cell und dem Hyundai Nexo das einzige Brennstoffzellenfahrzeug auf dem US-Markt. Der Mirai der zweiten Generation überzeugt durch deutlich verbessertes Design und Noblesse im Lexus-Stil.

Wasserstoff funktioniert allerdings nur für wenige Kunden - laut US-Energieministerium gibt es in den USA nur 45 öffentliche Wasserstofftankstellen, und 44 davon liegen in Kalifornien. Aber für diese wenigen haben wir den Mirai getestet.

Toyota Mirai (2021) im Kurztest
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Erstaunliche Transformation

Wir nehmen hier kein Blatt vor den Mund: Der Mirai der ersten Generation ist ein wirklich abscheulicher Wagen. Aber meine Güte, mit dem neuen Auto hat sich Toyota selbst übertroffen, es sieht umwerfend gut aus. Die klobigen, schiefen Proportionen des Vorgängers wurden durch eine langgestreckte, elegante Limousine ersetzt.

Toyota machte tabula rasa für dieses Design und entschied sich für eine Plattform mit Hinterradantrieb, die vom Flaggschiff Lexus LS übernommen wurde. Vorne hat das Auto eine extralange Motorhaube, dazu dreieckige Scheinwerfer mit langen LED-Tagfahrlicht-Streifen. Unter dem Toyota-Emblem liegt ein ziemlich großer Grill. In der Seitenansicht wirkt der Mirai coupéartig, wie eine japanische Version des Audi A7. Gelungen auch die Ansicht von schräg hinten mit dem durchgehenden Rücklicht und den ausgestellten Kotflügeln. Das beste Detail ist jedoch die Lackfarbe Hydro Blue, die das Design wunderbar unterstützt.

Toyota machte tabula rasa für dieses Design und entschied sich für eine Plattform mit Hinterradantrieb, die vom Flaggschiff Lexus LS übernommen wurde.

Auch innen nahm Toyota starke Veränderungen vor. Von den bisher von uns getesteten Toyotas fühlt sich dieser mit Sicherheit am ehesten wie ein Lexus an. Alles, was man oft berührt, fühlt sich großartig an; die Oberflächen bestehen entweder aus weichem Kunstleder oder strukturiertem Kunststoff. Unser Limited-Modell bietet auch lustige Roségold-Details an Türverkleidungen, Teilen des Armaturenbretts und sogar den Getränkehaltern - vielleicht soll die Farbe ja an Kupfer erinnern.

Doch es sind die riesigen Bildschirmflächen, die zuerst ins Auge fallen. Jeder Mirai verfügt über ein Infotainmentsystem mit 12,3-Zoll-Touchscreen sowie ein 8,0-Zoll-Instrumentendisplay. Die hochwertig ausgestatteten Limited-Modelle bieten außerdem Features wie eine Dreizonen-Klimaautomatik, beheizte und belüftete Vordersitze, ein Lederlenkrad und ein Head-up-Display.

Toyota Mirai (2021) im Kurztest
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Die Displaygröße des Infotainments fasziniert, aber wie bei anderen Toyota-Modellen ist es in Sachen Bedienungsfreundlichkeit nicht unser Favorit: Daten und Zahlen überall und super verwirrende Menü-Layouts. Auch hinken die Grafiken für ein futuristisch anmutendes Auto wie dieses mit ihren lila Motiven der Zeit weit hinterher.

Glücklicherweise gibt es nach der Frustration durch das Infotainment viel Innenraum-Komfort zum Entspannen. Vorne hat man reichlich Kopf- und Beinfreiheit, falls man nicht gerade ein Basketballer der Los Angeles Lakers ist.

Durch die abfallende Dachlinie verringert sich die Kopffreiheit hinten etwas, ist aber nicht viel kleiner als beim Camry. Auch die Beinfreiheit auf dem Rücksitz ist nur acht Zentimeter geringer als beim verwandten Lexus LS. Im Gegensatz zur geräumigen Kabine bietet der Kofferraum wegen der Wasserstofftanks nur 271 Liter Volumen - weit weniger als die 428 Liter des Camry.

Toyota Mirai (2021) im Kurztest
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Komplexer Antrieb

Anders als Elektroautos werden Wasserstofffahrzeuge an etwas aufgetankt, was einer Tanksäule ähnelt. Das Auffüllen des Tanks dauert etwas länger als an einer normalen Tankstelle.

Besser gesagt, das Auffüllen der Tanks, denn im Mirai gibt es drei davon. Alle sind mit Carbon und glasfaserverstärktem Kunststoff verstärkt, was sie praktisch unzerstörbar machen soll. Die Toyota-Ingenieure haben sogar mit Gewehren auf die Tanks geschossen und sie in Brand gesetzt, um sicherzustellen, dass sie absolut stabil sind. Sie wollten offenbar ganz sicher gehen, dass der feuergefährliche Wasserstoff bei einem Unfall geschützt bleibt.

Anders als Elektroautos werden Wasserstofffahrzeuge an etwas aufgetankt, was einer Tanksäule ähnelt.

Unter der Haube liegt ein Brennstoffzellen-Stack, der mit installierter Abdeckung einem Vierzylindermotor ähnelt. Eine Unzahl von grellorangenen Kabeln leitet den Strom von der Brennstoffzelle direkt zur Lithium-Ionen-Batterie im Boden, die gerade mal 1,24 kWh speichert: Es fließt ständig Energie aus dem Stack, so dass die Batterie klein sein kann. Vom Akku fließt Strom zu einem Elektromotor an der Hinterachse, der schlussendlich die Hinterräder antreibt.

Ein Highlight ist die EPA-Reichweite von knapp 650 Kilometern pro Tankfüllung, was einer 30-prozentigen Verbesserung gegenüber der ersten Generation entspricht. Weniger aufregend sind die Daten des Elektromotors: 185 PS und 300 Newtonmeter. In der Limited-Version wiegt das Auto rund zwei Tonnen, was viel Zeug für diesen Elektromotor ist. Wenn man das Gaspedal durchdrückt, dauert es rund 9,2 Sekunden, bis 100 km/h erreicht sind.

Toyota Mirai (2021) im Kurztest
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Langsam, aber dafür ruhig

Auf den Straßen zwischen Orange County und San Diego County fühlt sich der Mirai wie ein ganz normales Elektroauto an. Das Drehmoment ist sofort da, doch nach dem Schlag am Anfang wird es entspannt. Wenn man eine bergauf führende Autobahnauffahrt hinauf will, muss man das Gaspedal komplett durchdrücken, um in Fahrt zu kommen.

Auf dem wunderbar kurvigen Ortega Highway haben wir vom Fahrmodus Normal auf Sport gewechselt. Das gibt dem Mirai ein etwas strafferes Lenkgefühl und ein etwas empfindlicheres Gaspedal. Kurven nimmt der Mirai mit deutlicher Rollneigung, wobei man wirklich fühlt, wie sich das Gewicht des Autos nach links oder nach rechts verlagert. Die Bremsen tun ihr Bestes, aber die Fahrzeugmasse von rund zwei Tonnen macht ihnen die Arbeit schwer. Diese große, schwere Limousine mag es nicht, herumgeschubst zu werden.

Einmal in Fahrt, fährt man extrem ruhig in der großen Limousine, nur sehr wenig Lärm kommt von Fahrwerk und Reifen.

Aber halten wir einen Moment inne und machen wir uns klar, dass niemand dieses Auto zum Kurvenräubern kauft, denn dafür ist es nicht geeignet. Dies soll ein umweltfreundliches Pendlerauto sein, das einen bequem zur Arbeit und wieder heim bringt. Und in dieser Disziplin brilliert der Mirai.

Einmal in Fahrt, fährt man extrem ruhig in der großen Limousine, nur sehr wenig Lärm kommt von Fahrwerk und Reifen. Bei Highway-Geschwindigkeit gibt es ausgeprägte Windgeräusche, aber das ist von einem Auto nicht anders zu erwarten, das keinen Motor hat, um sowas zu verbergen. Der Mirai kann einen künstlichen Sound produzieren, den er beim Beschleunigen in die Kabine abgibt, aber das klingt, als würden Geister das Auto verfolgen. Besser, man schalten das ab und verlässt sich stattdessen auf das JBL-Soundsystem, um den Wind zu übertönen.

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Das serienmäßige Toyota Safety Sense 2.5 Plus versüßt einem das Pendeln ein wenig. Sowohl der Mirai XSE als auch der Mirai Limited haben allen Sicherheitselemente an Bord, die Toyota anbietet, darunter ein automatisches Notbremssystem mit Fußgängererkennung, ein Spurhalteassistent und eine adaptive Geschwindigkeitsregelung. Wir haben den Abstandstempomat auf der Autobahn eingeschaltet und waren beeindruckt von ihm. Nur einmal regelte der Spurhalteassistent so stark, dass wir dachten, ein Reifen wäre geplatzt.

Toyota Mirai (2021) im Kurztest
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Ist Wasserstoff die Lösung?

Der Mirai ist ein Auto, das nur für einen sehr kleinen Teil der Menschheit funktioniert, und Toyota gibt dies gerne zu. Die USA sind mit Abstand der größte Markt für Brennstoffzellenautos (FCVs), aber auch hier wird sich der Mirai fast nur in Kalifornien verkaufen. Toyota geht von 3.200 Verkäufen aus - eine extrem geringe Zahl für die Marke. Irgendwann bekommen auch die Staaten im Nordosten das Auto. Aber da es nur Hinterradantrieb hat, ist die Frage, wie beliebt der Mirai dort sein wird.

Der Mirai ist ein Auto, das nur für einen sehr kleinen Teil der Menschheit funktioniert, und Toyota gibt dies gerne zu.

Wer sich für den Mirai interessiert, sollte in der Nähe einer Tankstelle sein. Man kann den Wagen entweder leasen oder kaufen. Mit 49.500 US-Dollar kostet der Mirai 9.000 US-Dollar weniger als der Vorgänger. Neu bei dieser Generation ist das Limited-Modell, das 66.000 US-Dollar kostet. Zum Vergleich: Der Hyundai Nexo kostet 58.735 US-Dollar, während der Clarity Fuel Cell von Honda nur im Leasing ab 379 US-Dollar pro Monat erhältlich ist. Das sind keineswegs billige Fahrzeuge für die drei Marken, die im Volumensegment antreten.

Mehr zum Mirai bei uns:

Im Vergleich zu den Wettbewerbern ist der Mirai jedoch ein deutlich luxuriöseres Auto zu einem ähnlichen Preis. Es ist nicht verrückt zu behaupten, dass der Mirai mit seiner vom LS übernommenen Basis, das Lexus-Markenzeichen verdient hätte. Nachdem wir ein paar Stunden mit dem Auto gefahren sind, können wir das beurteilen. Der neue Toyota Mirai ist ein solider, alternativer Zugang zur emissionsfreien Mobilität.

[Teilweise recht freie Übersetzung des englischen Originals, die technischen Daten wurden ungeprüft aus den angegebenen Werten umgerechnet.]


Toyota Mirai Limited (2021) MotorSynchron-Elektromotor Leistung185 PS Max. Drehmoment300 Nm Batterie1,2 kWh (Lithium-Ionen-Akku) GetriebeartEingang-Automatik AntriebHinterradantrieb Beschleunigung 0-60 mph9,2 Sek. Anzahl der Sitze5 Kofferraumvolumen271 Liter Basispreis49.500 US-Dollar Preis des Testwagens66.000 US-Dollar