Toyota-Boss kritisiert Bruchpilot

Das Rennen der Startnummer 9 endete am Abschlepphaken


Toyota konnte den Le-Mans-Fluch auch in diesem Jahr nicht bezwingen. Obwohl der TS050 Hybrid bei den 24 Stunden von Le Mans da schnellste Auto war und Toyota erstmals seit 1999 drei Fahrzeuge eingesetzt hatte, stand das japanischen Werksteams mit Sitz in Köln am Ende wieder einmal mit leeren Händen da. Entwicklungschef Hisatake Murata ärgert sich vor allem über den aus seiner Sicht unnötigen Ausfall des zusätzlichen Autos mit der Startnummer 9, dass Samstagnacht nach einer Kollision mit einem LMP2-Auto ausgeschieden war.

Murata geht sogar soweit, den Einsatz des dritten Autos generell in Frage zu stellen. "Das Auto mit der Startnummer 9 war Verschwendung, denn (Lapierre; Anm. d. Red.) hat an einer Stelle attackiert, wo er nicht hätte attackieren müssen und wurde dann von hinten getroffen", wird Murata von 'Autosport' zitiert. "Hätte dieses Auto überlebt, hätten wir gewinnen können."

Die Kritik an Lapierre ist brisant, denn 2014 hatte Toyota den Franzosen vor die Türe gesetzt, weil er nach Ansicht des Teams zu riskant gefahren war und dadurch Unfälle verursacht hatte. Wenn ihn Toyota nun für das gleiche Verhalten erneut kritisiert, müssen sich die Verantwortlichen die Frage gefallen lassen, warum sie den 33-Jährigen überhaupt zurückgeholt haben.

Allerdings will Murata nicht Lapierre alleine die Schuld für den Unfall geben, sondern schiebt auch Manor-Pilot Simon Trummer indirekt ein Stück weit den schwarzen Peter zu. "Die LMP2-Autos waren vielleicht zu schnell und haben einige Fahrer überfordert", so der Japaner. Die kann man im Fall von Profi-Fahrer Trummer aber kaum geltend machen. Der Schweizer hatte sich bereits gegen Vorwürfe von Toyota verwahrt, auch die Rennleitung konnte keinen Schuldigen an dem Unfall erkennen.

Das war für Toyota aber nur ein schwacher Trost, denn nachdem das führende Auto mit der Startnummer 7 kurz vor der #9 aufgrund eines bizarren Zwischenfalls in der Box mit defekter Kupplung ausgefallen war, ruhten alle Hoffnungen auf der #9, nachdem der dritte TS050 Hybrid bereits wegen eines Defekts des Hybridantriebs an der Vorderachse gute eine Stunde lang an der Box gestanden hatte.

Was den Ausfall des Elektroantriebs verursacht hat, darüber hat Toyota noch keine Erkenntnisse. "Es gab sehr viele gelbe Flaggen und Slow Zones. Das testen wir nicht so oft, vielleicht lag es daran", mutmaßt Murata. Für diese Theorie könnte sprechen, dass auch am letztlich siegreichen Porsche mit der Startnummer 2 ein identischer Defekt aufgetreten war.

So oder so ist die Enttäuschung im Hause Toyota riesengroß, denn in diesem Jahr war man Porsche nicht nur zahlenmäßig überlegen, sondern hatte auch das schnellere Auto. Daher ist diese Niederlage für Murata im Endeffekt noch bittere als das dramatische Rennende 2016, als Toyota den Sieg fünf Minuten vor dem Rennende verloren hatte. "Im vergangenen Jahr wussten wir, dass wir nur gewinnen konnten, wenn alles gut läuft", so Murata. "In diesem Jahr haben wir nicht gewonnen, obwohl das Auto gut genug war."

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