Toyota dankbar und traurig: Wie geht es jetzt weiter?

Plötzlich allein: Toyota sind in der WEC die Gegner ausgegangen


Man kann mit Toyota mitfühlen - nicht nur wegen des Le-Mans-Pechs. Urplötzlich steht der japanische Weltkonzern in der LMP1-Hybrid-Kategorie der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) alleine da. Mit Porsche hat sich der letzte Mitbewerber zurückgezogen und sich auf die Formel E gestürzt. Akio Toyoda beschreibt in einem Statement seine Gefühle zum Ausstieg. Wie es nun mit Toyota und der LMP1-Kategorie weitergeht? Das lässt der Chef des Weltkonzerns offen.

"Es hat mich mit Traurigkeit erfüllt, zu hören, dass Porsche sich entschieden hat, aus der LMP1-Kategorie der WEC auszusteigen", sagt der 61-Jährige. "Bei den 24 Stunden von Le Mans im vergangenen Jahr fühlten wir uns sehr geadelt, als Porsche uns als 'Rivalen' bezeichnet hat. Es war jedes Mal ein großer Kampf, wenn wir gegeneinander um den Sieg gerungen haben. In dieser Saison haben wir versucht, der Porsche-Herausforderung zu begegnen und sie sogar zu übertrumpfen. Das hat uns angespornt, härter zu arbeiten und unsere größten Bemühungen anzustellen."

Seit dem Porsche-Einstieg zur WEC-Saison 2014 gab es unzählige spannende Kämpfe zwischen den beiden Herstellern mit dem Höhepunkt beim Le-Mans-Drama 2016, als Toyota den Sieg drei Minuten vor Schluss verlor.

"Dieses Jahr hatte ich in Le Mans erneut die Gelegenheit, mit Dr. Porsche zu sprechen", so Toyoda weiter. "Er sagte, dass sie, ganz genau wie wir, im Motorsport antreten, um ihre Serienfahrzeuge besser zu machen. Porsche verdient großen Respekt dafür, diesen Ansatz seit so vielen Jahren zu verfolgen. Ich bin traurig und enttäuscht, dass wir unsere Technologien nicht mehr auf demselben Schlachtfeld mit derjenigen eines solchen Herstellers vergleichen können." Das Statement endet mit einer positiven Note, dass der Kampf noch nicht vorbei sei und der Rest der WEC-Saison 2017 ein Fest werden solle.

Schwierige Situation: Aussteigen oder hoffen?

Toyota steht nun vor einer schwierigen Situation. Dem letzten verbliebenen Hybridhersteller in der WEC sind die Gegner auf Augenhöhe ausgegangen. Zwar sollen kommende Saison mehrere private Teams in die hybridlose LMP1-Kategorie einsteigen, doch Prestige lässt sich mit Siegen gegen SMP, ByKolles oder Manor nicht gewinnen. Immerhin wäre ein Le-Mans-Sieg 2018 jetzt mehr als wahrscheinlich, wenn auch sportlich kaum von Wert. Zumindest könnte Toyota jetzt aber den Fluch endlich brechen.

Man steckt in einer Zwickmühle: Während die deutschen Hersteller durch den von der Politik vorgegebenen Elektrozwang reihenweise in die Formel E abwandern, geht Toyota einen anderen Weg. Die Japaner glauben an den von ihnen erfundenen Hybrid, der bei Außerachtlassung der emotionalen Faktoren den umweltfreundlicheren Weg darstellt als reine Elektroautos. Ein eigenes Formel-E-Engagement würde vor diesem Hintergrund wenig Sinn machen.

Doch die einzige Bühne, jetzt noch Hybridtechnologie im Wettbewerb zu präsentieren, wäre die Formel 1. Oder die Hoffnung, dass Peugeot den Ausstieg von Porsche nutzt, um mit einem kostengünstigen LMP1 einzusteigen. Klar ist, dass nun in der Toyota-Zentrale in den kommenden Wochen unangenehme Fragen geklärt werden müssen.

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