Touristenschreck Trump - Urlauber meiden zunehmend die USA

Die Reisebranche steuert 2018 auf einen Rekord zu. Nur das wichtigste Fernziel der Deutschen macht den Veranstaltern Sorgen.


Deutschlands Urlauber können es anscheinend kaum erwarten: Um 18 Prozent, so hieß es am Dienstag zur Eröffnung der Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin, liegen die Frühbuchungen aktuell über dem Vorjahr.

Die Umsätze der deutschen Urlaubsanbieter und Reiseveranstalter, die schon 2017 mit 64,7 Milliarden Euro einen Rekord markierten, sollen nach einer Prognose des Deutschen Reiseverbands (DRV) nun noch einmal „im mittleren einstelligen Prozentbereich“ steigen.

Umso dramatischer fällt vor diesem Hintergrund der Abstieg des wichtigsten Fernreiseziels der Deutschen auf: Um die USA, wo Präsident Donald Trump seit einem Jahr mit nationalistischen Tönen die Schlagzeilen bestimmt, machen Bundesbürger einen größeren Bogen als von den Reiseveranstaltern befürchtet.


Gingen 2017 die Buchungsumsätze um 17 Prozent zurück, scheint sich die Abneigung deutscher Touristen nun noch zu verstärken. So meldet der Reisevertrieb für die kommende Sommersaison sogar einen erneuten Einbruch um 20 Prozent, wie die Marktforschungsfirma GfK ermittelte. Und das trotz des im Jahresvergleich deutlich schwächeren Dollars.

Auf den starken Dollar hatten Reiseexperten noch 2016 die Zurückhaltung der Deutschen geschoben, deren USA-Reisen damals von 2,27 auf 2,03 Millionen zurückgingen.

Über die Gründe des aktuellen Einbruchs kann DRV-Präsident Norbert Fiebig nur spekulieren. „Es hat anfangs beim Amtsantritt Trumps einen negativen Effekt gegeben“, sagte er in Berlin. „Fraglich aber ist, wie lange sich die Deutschen von der Sympathie zum US-Präsidenten leiten lassen, wenn es um das Traumziel USA geht.“

Schon im vergangenen Sommer waren in den USA viele Hotels leer geblieben, ebenso wie Sitzplätze in Ferienfliegern. Nicht nur Expedia und Hyatt meldeten Rückgänge von USA-Urlaubern, auch die Schlangen in Vergnügungsparks wie Disneyworld wurden kürzer.

Mehr noch als die Deutschen mieden Touristen aus dem Nahen Osten und Lateinamerika das Urlaubsland, nachdem Trump einen Einreisestopp für einige muslimische Länder aussprach und über den Bau einer Mauer zu Mexiko fabulierte.

Nach den neuesten Zahlen sieht es nicht danach aus, als ob sich die Tourismusbranche im Land 2018 erholen könnte. Für die USA eine schwere Bürde. Immerhin steuern ihre Reise- und Gastronomieanbieter 1,6 Billionen Dollar zum Bruttoinlandsprodukt bei.


Ganz anders das Reiseziel Deutschland. Dort zählten die Hoteliers 2017 mehr als 460 Millionen Übernachtungen, was das achte Wachstumsjahr in Folge bedeutete. Bundesbürger übernachteten drei Prozent häufiger in heimischen Herbergen als im Vorjahr, ausländische Gäste brachten ein Plus von vier Prozent.

„Diese Freude am Reisen und an Ausflügen hat dazu geführt, dass der Umsatz des Gastgewerbes um 2,9 Prozent gestiegen ist“, sagte Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) zur ITB-Eröffnung. Die Reiselaune sei zum Jahreswechsel sogar noch gestiegen. Als Grund für den Boom nannte der ehemalige Tui-Vorstandschef die gute Arbeitsmarktlage, aber auch die niedrigen Zinsen und die rückläufige Sparneigung.

Selbst Zielgebiete, die in den vergangenen Jahren durch Terrorattacken Urlaubsgäste verloren hatten, erleben derzeit eine Renaissance. Die Türkei verdoppelte zum Jahresbeginn die Buchungszahlen gegenüber dem Vorjahr. Und selbst Ägypten legte um 64 Prozent zu. Das Land am Nil ist damit – nach Spanien, Griechenland und der Türkei – bei den deutschen Urlaubern wieder auf Platz vier.