"Wie im Krieg": Debakel für Roglic am Tag der Leiden

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"Wie im Krieg": Debakel für Roglic am Tag der Leiden
"Wie im Krieg": Debakel für Roglic am Tag der Leiden

Mathieu van der Poel hockte völlig ausgepumpt auf dem Bordstein und kippte Wasserflasche um Wasserflasche über seinen glühenden Schädel, als der schwer geschlagene Primoz Roglic wie ein Häuflein Elend über die Ziellinie rollte: Die längste Etappe seit 21 Jahren hat aus der Tour de France in der Hitze Zentralfrankreichs wieder eine Tour der Leiden gemacht.

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Während van der Poel mit einem riesigen Kraftakt beim Außenseitersieg des Slowenen Matej Mohoric das Gelbe Trikot noch einmal behauptete, büßte dessen schwer sturzgezeichneter Landsmann Roglic bereits alle Chancen auf den Gesamtsieg ein. (TdF: Gesamtwertung)

Ohne einen Anflug von Schwäche untermauerte hingegen Titelverteidiger Tadej Pogacar seine Ambitionen auf den erneuten Tour-Triumph.

"Viele Fahrer wollten in die Fluchtgruppe, es war ein bisschen wie im Krieg. Ich musste alles geben, um das Gelbe Trikot zu verteidigen. Es war ein brutaler Tag", sagte van der Poel nach immens fordernden 249,1 km und fünfeinhalb Stunden zwischen Vierzon und Le Creusot. (SERVICE: Tour de France - die Etappen im Profil)

TdF 7. Etappe: Frühe Ausreißergruppe und starker van der Poel

Der Niederländer war mit Mohoric und 27 weiteren Fahrern früh ausgerissen und kam 1:40 Minuten hinter dem Sieger als Vierter ins Ziel. Damit verteidigte der Etappengewinner von der Mur-de-Bretagne das Maillot jaune zum fünften Mal erfolgreich.

In den Alpen dürfte es der Enkel des großen Raymond Poulidor aber kaum behalten können. (NEWS: Alles zum Radsport)

Tadej Pogacar glänzt, Primoz Roglic wird abgehängt

Top-Favorit Pogacar hatte im Hauptfeld alles im Griff, für Roglic war hingegen schon das hügelige Terrain zu viel: Der Vorjahreszweite, der schon nach seinem Sturz am Montag Zeit verloren hatte, ließ am letzten Berg des Tages abreißen. 9:04 Minuten verlor der Jumbo-Kapitän von Tony Martin auf Mohoric, fast vier auf Pogacar - bei 5:28 Minuten Rückstand auf seinen jungen Landsmann Pogacar, der wiederum 3:43 Minuten hinter van der Poel liegt, benötigt Roglic nun nicht nur gesundheitlich ein Wunder. (Alle wichtigen Begriffe der Tour de France)

Die Gruppe um Pogacar, dessen UAE-Team im Hauptfeld das Tempo kontrollierte, den Ausreißern aber nicht in letzter Konsequenz hinterherjagte, hatte letztlich 5:15 Minuten Rückstand auf Mohoric, der mit 1:20 Minuten vor dem Belgier Jasper Stuyven siegte. "Es war ein harter Fight, wir mussten ganz schön arbeiten", sagte Pogacar.

Emanuel Buchmann freut sich auf die Berge

Der 22-Jährige wusste, dass kein Ausreißer ihm nachhaltig im Kampf um den Tour-Sieg gefährlich werden kann, auch van der Poel wird in den Alpen nicht mehr mithalten können. "Es ist unrealistisch, das Trikot in den Bergen erfolgreich zu verteidigen", hatte jener gesagt.

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Zur Pogacar-Gruppe gehörte auch Emanuel Buchmann, bester der unauffälligen deutschen Profis. "Es war eine richtig schwere Etappe, die Tage in den Bergen werden jetzt spannend", sagte der Bora-Profi aus Ravensburg. (Bericht: Diesen Rat hat Jenso Voigt an Emanuel Buchmann)

Im Rennen über die größte Tagesdistanz seit 2000 - damals hatte Erik Zabel in Troyes nach 254,5 km gesiegt - bildete sich nach rund 40 km eine 29 Mann starke Spitzengruppe, in der 18 von 23 Teams vertreten waren. Deutsche Profis fehlten allerdings.

Rund 80 km vor dem Ziel löste sich Mohoric mit dem Belgier Brent Van Moer aus der Spitzengruppe und setzte am 635 m hohen Signal d'Uchon (2. Kategorie) die entscheidende Attacke.

Mohoric hat Coup lange geplant

Der Coup an diesem Tag war lange geplant von Mohoric. "Ich habe mir alle Etappen vor der Tour angeschaut und mich voll auf diese fokussiert. Das war eine gute Idee", sagte er nach dier Zieldurchfahrt. Allerdings habe er es bis zum letzten Kilometer nicht glauben können, dass isein Plan gelingt.

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Japser Stuyven, Zweiter auf dieser Etappe musste die bessere Tagesform des Slowenen neidlos anerkennen: "Er war sehr, sehr stark. Bei dem steilen Part habe ich mir etwas Sorgen gemacht, dass es vielleicht nicht klappen könnte. Oben habe ich gemerkt, dass es nichts wird. Da habe ich dann beschlossen, auf den zweiten Platz zu gehen. Aber schade, dass ich es nicht geschafft habe."

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