Tour de France: Babyface mit großem Herz

Das hatte sich Lawson Craddock bei seiner zweiten Tour de France-Teilnahme ganz anderes vorgestellt: Nach einem schweren Sturz auf der ersten Etappe fährt der Amerikaner mit einer schweren Verletzung weiter – und findet dabei in einer von ihm initiierten Spendenaktion extra Motivation.

Lawson Craddock nach den Sturz auf der ersten Etappe (Bild: gettyimages)

Eigentlich war seine Tour schon vorbei

Mit blutverschmierten Gesicht und den Tränen nahe stand der zierliche US-Amerikaner aus dem Team EF Education First – Drapac im Zielraum der ersten Etappe der Tour de France. Zuvor war er in einer Verpflegungszone über eine heruntergefallene Trinkflasche gefahren und heftig auf den Asphalt geknallt. Unter extremen Schmerzen kämpfte er sich über 80 Kilometer in den Zielort Fontenay-le-Comte und wurde nach der Etappe sofort geröntgt. Die Diagnose: Bruch des linken Schulterblatts. Die Tour de France 2018 schien für ihn nach der ersten Etappe bereits beendet.


Weiter, immer weiter

Doch über eine Woche nach seinem Sturz ist Lawson Craddock noch immer ein Teil des Pelotons der Tour. Mittlerweile hat man sich an das Bild gewöhnt, wie der Texaner mit der umgedrehten Startnummer “13” immer am Ende des Feldes hinterherfährt. Kaum vorstellbar sind die Schmerzen, unter denen er Etappe für Etappe leidet, lastet doch ein Großteil des Körpergewichts beim Radfahren auf den Schultern. Mittlerweile hat er sogar die Kopfsteinpflaster-Passagen auf dem Weg nach Roubaix überstanden und auch die ersten Alpenpässe hat er überwunden. Woraus zieht der Junge nur die Motivation?

Fight for Paris

Lawson Craddock hatte eine geniale Idee. Nach seinem Sturz kommunizierte er über seinen Instagram-Account, dass er für jede überstandene Tour-Etappe 100 Dollar spenden wird. Er richtete eine Spendenseite ein und forderte seine Fans auf, auch zu spenden. Das Geld soll dem “Alkek-Velodrome” in seiner texanischen Heimatstadt Houston zu Gute kommen, das von Hurrikan Harvey im September 2017 schwer beschädigt wurde. Dort hatte der Amerikaner als Radsportler seine ersten Runden gedreht. Ursprünglich war die Spendenaktion von Craddock eher als persönliche Extra-Motivation auf dem Weg nach Paris gedacht. Doch in kürzester Zeit entwickelte sie sich zu einer unfassbaren Erfolgsstory.


Spendenaktion geht durch die Decke

Zur Hälfte der Tour hat Craddock mit seiner Spendenaktion bereits über 100.000 Dollar gesammelt. Täglich laufen weitere Spenden ein, die den Amerikaner und sein Vorhaben unterstützen. Fernsehsender berichten über ihn, auf den Social Media-Kanälen wird er als Held gefeiert. In den USA ist Craddock schon Kult. Es gibt bereits T-Shirts, auf denen seine umgedrehte Rückennummer “13” abgebildet ist. Radsportler drehen diese Rückennummer auf den Kopf, damit sie ihnen kein Unglück bringt. Lawson Craddock brachte die Nummer zunächst trotzdem Pech, aber aktuell entwickelt sich nun immer mehr zu einem Glücksfall für ihn. Hoffentlich sehen wir die Nummer “13” der diesjährigen Tour bis Paris am Ende des Feldes. Denn wenn die Spendenaktion weiterhin so erfolgreich bleibt, dann wird man in Houston sogar darüber nachdenken können, das Velodrom einfach neu zu bauen.