Tour brutal: Viele Knochenbrüche im Peloton

Ein Polizist leistete dem schwer gestürzten Richie Porte Erste Hilfe. Foto:

Knochenbrüche, Prellungen und jede Menge Blut auf dem Asphalt: Die 104. Tour de France zeigt sich immer mehr von ihrer brutalen Seite - und die Kritik an den Veranstaltern nimmt zu.

Der Horror-Sturz von Richie Porte bei Tempo 80 am Sonntag war der negative Höhepunkt nach einer Reihe von schlimmen Stürzen bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Dass der australische Mitfavorit auf den Gesamtsieg im Centre Hospitalier Metropole Savoie in Chambéry «nur» mit einem Becken- und einen Schlüsselbeinbruch aufwachte, grenzt an ein Wunder.

«Es war sehr rutschig und ich denke die Veranstalter haben bekommen, was sie wollten», klagte der Ire Daniel Martin die Tour-Organisatoren an. Der Teamkollege von Marcel Kittel war bei dem Horror-Crash von Porte mitgerissen worden, konnte die Etappe aber ohne schwerere Blessuren beenden. Leichte Kritik äußerte auch Weltmeister Tony Martin: «Wenn die Organisatoren ein bisschen an die Gesundheit der Fahrer denken würden, dann könnte man sich solche Abfahrten sparen.» Er sei kein Freund von solchen Abfahrten, das könne man anders lösen. Das Risiko steige erheblich. Allerdings müsse man auch fairerweise sagen, dass das Wetter eine erhebliche Rolle bei den vielen Unfällen gespielt habe.

Es war nicht der einzige schlimme Sturz bei dem zweifelhaften Spektakel mit drei Bergen der höchsten Kategorie. Gleich fünf Fahrer mussten das Rennen beenden. «Rücksichtslos», schrieb das Tour-Organ «L'Equipe». Seit Jahren geht bei den Veranstaltern der Trend dahin, im Kampf um die Einschaltquoten eine immer noch größere Show zu bieten.

So wurden bei der Tour in der Vergangenheit auch Kopfsteinpflaster-Passagen aus dem Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix eingebaut oder es ging über die glitschige Passage du Gois auf die Insel Noirmoutier. Beim Giro d'Italia wollte die Organisation in diesem Jahr den besten Abfahrer mit einem Preis belohnen. Erst nach heftiger Kritik aus dem Fahrerfeld wurde davon wieder Abstand genommen.

Die Fahrer machen bei der Aussicht auf Ruhm und große Verträge das Spiel mit und gehen an ihre Grenzen - auch darüber hinaus. Der französische Vorjahreszweite Romain Bardet legte die 13,3 Kilometer lange Abfahrt vom Mont du Chat mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 61,2 Stundenkilometern zurück. Bardet erreichte heil das Ziel, andere Fahrer bekamen in Chambéry nur das Krankenhaus zu sehen. Neben Porte war die Tour auch für Froomes Edelhelfer Geraint Thomas (Schlüsselbeinbruch) beendet.

Tour-Ärztin Florence Pommery war eine der Ersten, die Porte nach dem Unfall behandelte. «Die Verletzungen waren weniger dramatisch, als wir befürchtet hatten», sagte die Ärztin und berichtete von einer Schmonzette: «Wir haben ihn nach seinem Alter und seinem Namen gefragt. Er sprach sehr gut. Er fragte nach seiner Brille und sagte, dass sie teuer gewesen sei. Ich habe sie übrigens nicht gefunden.»

Bereits seit dem Start in Düsseldorf vergeht kaum ein Tag, an dem das medizinische Bulletin der Rundfahrt nicht schlimme Verletzungen beinhaltet. Rundfahrt-Star Alejandro Valverde hatte beim ersten Zeitfahren im rheinischen Regen einen Kniescheibenbruch erlitten, sein spanischer Landsmann Ion Izagirre einen Lendenwirbelbruch. Für beide Profis dürfte die Saison gelaufen sein. Ähnliches gilt für Ex-Weltmeister Mark Cavendish, der beim Sprint in Vittel von Peter Sagan in die Absperrgitter gedrängt worden war und einen Schulterblattbruch erlitt. Sagan wurde wegen unfairer Fahrweise disqualifiziert.

Auch für die deutschen Fahrer ist die Rundfahrt bislang alles andere als schmerzfrei verlaufen. Martin quält sich ab dem Massensturz am zweiten Tag mit Prellungen und Schürfwunden über Frankreichs Landstraßen. Für John Degenkolb, der einer der Leidtragenden beim Cavendish-Sturz war, ist angesichts seiner Rückenverletzung bereits das morgendliche Anziehen eine Überwindung.

Die Räder drehen sich aber weiter. Nur gut, dass bislang nichts Schlimmeres passiert ist. Seit dem tragischen Sturz des Italieners Fabio Casartelli im Jahr 1995 hatte die Tour kein Todesopfer mehr zu beklagen. Kaum zu glauben angesichts der dramatischen Stürze.

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