Toto Wolff: Haben von George Russell ein Top-5-Ergebnis erwartet

Norman Fischer
·Lesedauer: 3 Min.

Das Teamduell im Qualifying hat George Russell in Bahrain erstmals in seiner Formel-1-Karriere verloren, doch mit Rang zwei 26 Tausendstelsekunden hinter Valtteri Bottas hat der Brite die Erwartungen von Mercedes mehr als erfüllt. "Wenn er in die Top 5 gekommen wäre, wäre das gut genug gewesen", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Das hatte er dem Ersatzmann von Lewis Hamilton auch beim Mittagessen vor dem Qualifying mitgeteilt. "James Vowles und ich haben ihm gesagt, dass wir Top 4 oder Top 5 erwarten. Das Auto sollte das hergeben." Das habe Russell etwas Druck genommen, unter den er sich nach einem schwierigen dritten Training gesetzt hatte.

Im Qualifying konnte er seine gute Leistung dann umsetzen, und davor muss Wolff seinen Hut ziehen. "Wir sind beeindruckt", lobt er. "Überrascht sind wir aber nicht."

Denn bei Mercedes wusste man, wozu Russell in der Lage sein würde. "Wir kennen ihn schon eine ganze Zeit. Ich erinnere mich, als er mit 15 oder 16 in mein Büro reinspaziert ist, eine Präsentation in der Hand hatte und dabei einen schwarzen Anzug und eine schwarze Krawatte trug. Er hat uns erklärt, warum er in Zukunft bei Mercedes fahren sollte", erzählt Wolff.

Im kalten Wasser geschwommen

Mercedes verpflichtete Russell, der daraufhin im ersten Anlauf die GP3-Serie und anschließend die Formel 2 gewinnen konnte. "Und jetzt bei Williams erledigt er auch seinen Job. Er ist definitiv einer für die Zukunft", sagt Wolff.

Den Beweis trat er am heutigen Samstag auch in Sachir an. "Obwohl wir ihn ins kalte Wasser geschmissen haben, schwimmt er definitiv - und nicht nur das." Denn Russell muss auch noch mit nicht idealen Voraussetzungen klarkommen: Das Auto ist zu klein für ihn und er kennt das Lenkrad nicht. "Von daher ist es mehr als solide, was er abgeliefert hat", betont Wolff.

Geholfen habe ihm zumindest sein ruhiger Ansatz und die Tatsache, dass er die Leute aus dem Team schon aus seiner Testfahrerrolle kennt. "Was am beeindruckendsten ist, ist das reine Fahren", sagt Wolff. "Alle anderen Dinge waren wie erwartet. Aber das Fahren war beeindruckend."

Gleiche Erwartung auch im Rennen

Am Sonntag muss der Engländer nun mit einem völlig neuen Druck zurechtkommen: Er startet aus der ersten Reihe. Schon in der Formel 2 war das Rennen auf dem Outer Circuit in Sachir ziemlich ereignisreich - ein Vorgeschmack auf morgen? "Ja, es hat ziemlichen Spaß gemacht, die Formel 2 zu schauen", sagt Wolff.

"Es wird sicherlich eng werden, aber eine Rivalität sehe ich innerhalb unseres Teams nicht", sagt er weiter. Bottas sei gut im Team integriert und müsse nichts beweisen, Russell habe hingegen keinen Druck und nichts zu verlieren.

"Verstappen wird natürlich nicht glücklich sein, dass da ein Neuer vor ihm steht. George steht auch auf der schlechten Seite und das Cockpit ist für ihn zu klein - und die Kupplungshebel sind zu klein für seine Finger", sagt Wolff. "Ich habe also die gleichen Erwartungen an ihn wie im Qualifying. Er hat bestätigt, was wir von ihm denken."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.