Totes Baby am Flughafen Köln/Bonn: Angeklagte muss vier Jahre ins Gefängnis

Das Kölner Landgericht verurteilt die Studentin wegen Totschlags.

Die Freiheit wird von kurzer Dauer sein: Britta S. (28, Name geändert), die im November 2016 nach Überzeugung des Gerichts ihren neugeborenen Sohn auf einer Toilette des Flughafens Köln/Bonn tötete, ist nach acht Monaten Untersuchungshaft auf freiem Fuß.

Die Kammer verurteilte die Studentin am Freitag jedoch wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu einer vierjährigen Haftstrafe, die S. erst antreten muss, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Der Staatsanwalt hatte eine fünfjährige Haftstrafe gefordert.

Unter der Voraussetzung, dass sie jeglichen Kontakt zum Kindsvater vermeidet und zu ihrem Vater zieht, verschonte die Kammer die Angeklagte zunächst von der Haft. Es bestehe keine Fluchtgefahr, Britta S. lebe sozial integriert und werde sich dem weiteren Verfahren stellen, begründete das Gericht seine Entscheidung. Schon jetzt steht fest, dass die Gerichte sich mit dem spektakulären Fall erneut befassen werden: Die Verteidigung hat Revision angekündigt. Sie hatte einen Freispruch gefordert, weil eine natürliche Todesursache – entgegen des rechtsmedizinischen Gutachtens – nicht auszuschließen sei.

Studentin nahm Urteil gefasst auf

Gut eine Stunde lang begründete das Gericht das Urteil, das die Studentin mal mehr und dann weniger gefasst aufnahm. Immer wieder schüttelte sie mit gequältem Gesichtsausdruck den Kopf und suchte den Körperkontakt zu ihren Verteidigern, schmiegte sich an sie und vergoss Tränen, als der Vorsitzende Richter ihr vor Augen hielt, wie sehr sie im Verfahren taktiert, gelogen, sich in Widersprüche verwickelt und ihre Aussage immer wieder dem Ermittlungsstand angepasst hatte.

Da war zum einen ihre bis zuletzt aufrecht erhaltene Behauptung, das Neugeborene sei als Totgeburt zur Welt gekommen. Dies steht im klaren Widerspruch zu den Ausführungen der Rechtsmedizinerin, die anhand mehrerer Untersuchungsmethoden zu dem Ergebnis kam: „Das Kind hat gelebt.“ Nicht nur das Gutachten der Rechtsmedizin, sondern in erster Linie „die Gesamtschau dieses schwierigen Indizienfalls“ habe die Kammer zu der Überzeugung geführt: „Die Angeklagte wollte das Kind nicht, keine Mutterrolle übernehmen. Sie hat das Neugeborene vorsätzlich erstickt.“

Schwangerschaft verheimlicht

Schließlich hatte Britta S. die Schwangerschaft von Anfang an verheimlicht, dem Kindsvater, der die Vaterrolle vehement ablehnte, gegenüber den größer werdenden Bauchumfang mit einer unsachgemäß durchgeführten Abtreibung erklärt. Auch im Urlaub als Hochschwangere unmittelbar vor der Tat habe sie nichts in die Wege geleitet, das Kind am Leben zu lassen. Die Aussage „Totgeburt“ ließ das Gericht nicht gelten: „Sie haben vorsätzlich ihr Kind getötet, keinesfalls fahrlässig gehandelt.“ Britta S. habe gewusst, dass der kleine Junge – ein ausgereifter, gesunder Säugling – lebend zur Welt kam, denn „Sie haben seinen Herzschlag überprüft, der ist Ihnen nicht verborgen geblieben.“

Keinen Zweifel ließ das Gericht an seiner Überzeugung, dass der Kindsvater bis zuletzt ahnungslos war, ihm die Schwangerschaft erfolgreich verheimlicht wurde, denn: „Wenn er es gewusst hätte, hätte er sich anders verhalten.“ Den vom Ankläger unterstellten gemeinsamen Plan des Paares verneinte die Kammer. Vielmehr habe Britta S. zum Tatzeitpunkt nur die eine Idee gehabt: „Durch die Tötung ungeschoren aus der Sache herauszukommen“.

Gleichgültig dem Kind gegenüber

Für die „Gleichgültigkeit der Angeklagten gegenüber ihrem Kind“ spreche auch die Wahl des Entbindungsortes: „Eine Toilette, der denkbar unhygienischste Ort für eine Geburt.“ Nach der Tat hatte die Studentin das Baby in einen Turnbeutel gesteckt und wortlos dem Freund übergeben, war danach kollabiert und mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht worden. Nach einer Not-Operation beschrieben die Ärzte den Gemütszustand der Patientin so: „Da war keine Trauer, sondern Erleichterung, sie wirkte befreit.“

Bei der rechtlichen Würdigung nannte die Kammer strafmildernde Aspekte: Britta S. sei nicht vorbestraft, die Tat ihr wesensfremd und nicht geplant gewesen. Aber auch belastende Argumente wurden erwähnt: „Die Tat war selbst verschuldet, sie hätte Handlungsalternativen erkennen müssen. Es war keine Notlage.“

Nach vierwöchiger Verhandlung appellierte der Richter am Ende eindringlich: „Sie leben immer noch in einer anderen Realität. Wir legen Ihnen dringend nahe, an Ihrer Persönlichkeit zu arbeiten.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta