Total kehrt als erster westlicher Energiekonzern in den Iran zurück

Der französische Energiekonzern Total hat am Montag in Teheran einen Großauftrag zur Entwicklung des South-Pars-Gasfelds im Persischen Golf unterzeichnet

Der französische Ölkonzern Total kehrt als erstes westliches Energieunternehmen seit dem Abschluss des Atomabkommens mit Teheran in den Iran zurück. Total unterzeichnete am Montag in der iranischen Hauptstadt einen Großauftrag in Höhe von umgerechnet rund 4,2 Milliarden Euro. Der Energiekonzern und seine Projektpartner wollen das riesige South-Pars-Gasfeld im Persischen Golf weiter erschließen.

Gemäß dem geschlossenen Abkommen investiert Total zunächst rund 880 Million Euro in die Entwicklung des South-Pars-Gasfelds. Insgesamt wollen der französische Konzern und seine chinesischen und iranischen Geschäftspartner in dem auf 20 Jahre angelegten Projekt Investitionen in Höhe von 4,2 Milliarden Euro tätigen.

"Heute ist für Total ein historischer Tag, der Tag an dem wir in den Iran zurückkehren", sagte Konzernchef Patrick Pouyanné bei der Unterzeichnung. Die moderate iranische Regierung hatte kürzlich die Bedingungen für ausländische Investoren verändert, um mehr Investitionen anzuziehen. Das konservative Lager im Iran kritisierte die neuen Bedingungen als zu großzügig.

Irans Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh bezeichnete den Geschäftsabschluss als Folge der Wiederwahl des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani im Mai: "Das Volk hat dezidiert gesagt, dass unsere Ölpolitik weitergehen soll." Total sei ein "Vorreiter". Der Iran brauche in den nächsten fünf Jahren jedoch Investitionen von 200 Milliarden Dollar, sagte er.

Der Iran verfügt weltweit über die zweitgrößten Gas- und viertgrößten Ölreserven, ist jedoch für deren Entwicklung auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Teheran hofft, mit dem neuen Abkommen mit Total weitere Unternehmen aus Europa, Asien und Russland ins Land zu holen. Viele sind jedoch wegen der politischen Lage zurückhaltend.

Total hatte bereits im November einen Vorvertrag unterzeichnet und wollte das endgültige Abkommen Anfang des Jahres abschließen. Doch der französische Energiekonzern beschloss, zunächst die Iran-Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump abzuwarten, der im Wahlkampf einen Kurswechsel gegenüber Teheran angekündigt hatte.

Trump hatte wiederholt gedroht, das Atomabkommen von Juli 2015 aufzukündigen. Gemäß dem Abkommen mit der Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland hat der Iran sein Atomprogramm deutlich reduziert und scharfe Kontrollen zugelassen. Im Gegenzug wurden im Januar 2016 die in dem Streit verhängten Finanz- und Handelssanktionen aufgehoben.

Da in den USA aber weitere Sanktionen in Kraft bleiben, scheuen viele westliche Firmen weiter Investitionen im Iran. Trump verzichtete bisher darauf, das Abkommen aufzukündigen, doch verhängte er seit seinem Amtsantritt neue Sanktionen wegen des iranischen Raketenprogramms. Teheran wirft Washington vor, damit das Atomabkommen zu hintertreiben.

Die Unsicherheit hat bisher Großkonzerne wie BP abgehalten, im Iran einzusteigen. Auch Shell und Gazprom haben bisher nur Vorverträge geschlossen. Total hatte bereits 2009 zugesagt, in die Entwicklung des South-Pars-Gasfelds zu investieren, doch musste es die Pläne auf Eis legen, als die EU-Staaten 2012 neue Sanktionen gegen Irans Atomprogramm beschlossen.

Der Total-Chef Pouyanné teilte unterdessen mit, der Konzern werde sich mit dem russischen Novatek-Konzern an einer Anlage zur Produktion von Flüssiggas im hohen Norden Russlands beteiligen. Die Anlage auf der Halbinsel Gidan im Kara-Meer soll demnach 2022/23 die Arbeit aufnehmen. Total hält einen Anteil von 19 Prozent an Novatek.