Nach Total-Absturz: So will "Johnny Football" seine Karriere retten

Michael Prieler
Johnny Manziel gelangen in zwei Jahren für die Cleveland Browns sieben Touchdowns

Johnny Manziel hat seine Football-Karriere noch lange nicht aufgegeben.

Der gefallene College-Star hat nun eine Einladung für die Spring League der NFL akzeptiert - eine dreiwöchige Scouting-Veranstaltung, die im Vorjahr ins Leben gerufen worden war.

Dabei treten vier Teams in je zwei Spielen gegeneinander an, das Event wird live auf der Plattform "Turner Sports" übertragen.


"So lange ich mich erinnern kann, war Football ein großer Teil meines Lebens. Manchmal nimmt man es für selbstverständlich hin, wie viel einem etwas bedeutet, bis es weg ist. Ich will zurück in die NFL und ich habe verstanden, dass ich mir dieses Privileg verdienen muss", sagte Manziel.

Und weiter: "Ich vermisse den Wettbewerb. Ich habe einen ganzen Haufen Fehler gemacht, aber ich bin erst 25 Jahre alt und ich weiß, dass meine beste Football-Zeit noch vor mir liegt."

Erster Freshman mit Heisman Trophy

Manziel war ein gefeierter Quarterback an der Texas A&M University, wurde 2012 als erster Freshman mit der Heisman Trophy für den wertvollsten College-Spieler der Saison ausgezeichnet.

2014 wurde er von den Cleveland Browns in der ersten Draft-Runde an 22. Stelle ausgewählt, tat sich aber schwer in der NFL. Bei den Browns konnte sich Manziel in zwei Spielzeiten nie recht durchsetzen.


Dagegen machte er aufgrund seines extrovertierten Lebenswandels außerhalb des Spielfelds regelmäßig negative Schlagzeilen: Schon während seiner ersten Saison in Cleveland begab er sich in eine stationäre Entziehungskur.

In einer spielfreien Woche wurde dennoch ein Bild öffentlich, das das Mega-Talent mit einer Champagner-Flasche in der Hand auf einer Party zeigte.

Überraschendes Geständnis

Auch die Nacht vor dem letzten Saisonspiel 2015 soll sich Manziel in Las Vegas um die Ohren geschlagen haben, erschien am nächsten Morgen nicht zu einer ärztlichen Untersuchung.

Die Browns entließen ihn daraufhin, seitdem ist der einstige Superstar, der Freundschaften zu LeBron James und Justin Bieber pflegt und dem Rapper Drake einst sogar einen Song widmete, Free Agent.

Inzwischen zeigt sich Manziel einsichtig und legte ein überraschendes Geständnis ab: "Ich nehme Medikamente gegen eine bipolare Störung und ich arbeite daran, sicher zu stellen, dass ich nicht in irgendeine Depression zurück verfalle - denn ich weiß, wohin mich das führt und ich weiß, wie schmal der Grat für mich ist", erklärte der 25-Jährige im Interview mit Good Morning America.

"Letztlich kann ich es nicht ändern, dass die Verknüpfungen bei mir etwas anders verlaufen. Ich kann nicht ändern, wie ich mental geschaffen wurde."

"Flüssiger Mut"

Aus seinem gescheiterten ersten Anlauf in der NFL scheint Manziel jedenfalls gelernt zu haben: "Ich habe mich selbst mit Alkohol therapiert. Ich dachte, dass mich das glücklich machen und mir raus aus der Depression helfen würde. Wenn ich dann am nächsten Tag nach einer solchen Nacht aufgewacht bin, dann war das alles weg, dieser ganze 'flüssige Mut', wenn man so will, diese flüssige Euphorie."


Als Hauptgrund für seine Flucht in den Alkohol und seine Eskapaden außerhalb des Platzes, die ihn letztlich einholten, hat das einstige Wunderkind den Druck ausgemacht, der nach seinen historischen Leistungen am College auf ihm lastete.

Er habe "dieses Gefühl gehabt, einen gewissen Anspruch zu haben, wegen den Dingen, die ich in so jungen Jahren schon geschafft habe. Eine Zeit lang war ich komplett egoistisch. Wenn ich darauf jetzt zurückschaue, ging es mir furchtbar."