Tor nach zu frühem Pfiff: So lief der Präzedenzfall

Beim Präzedenzfall im Mittelpunkt: Sean Dundee (l.) und Michael Malbranc

Ein Pfiff, bevor der Ball im Tor lag, dann riesige Diskussionen: Das gab es in der Bundesliga schon einmal 1997.

Sean Dundee erzielte am 2. Spieltag eine gute halbe Sekunde nach einem Pfiff von Schiedsrichter Michael Malbranc damals das 2:2 für den Karlsruher SC bei 1860 München (Endstand: ebenfalls 2:2).

0,6 Sekunden entscheiden

Malbranc hatte ein Foul des Münchners Abedi Pele geahndet - das Tor in der 88. Minute gab er trotzdem.

"Der Ball war bei meinem Pfiff noch ein, zwei Meter vor der Linie. Man hat das im Fernsehen rauf und runter gezeigt, vor- und zurückgespult. Sie haben damals belegt, dass 0,6 Sekunden vergingen zwischen meinem Pfiff und dem Überschreiten der Torlinie durch den Ball", berichtete Malbranc später über jenen 5. August. "Ich war mir allerdings sicher, nicht vorher gepfiffen zu haben, sondern erst, als der Ball hinter der Linie war. Darum entschied ich auf Tor."

FIFA entscheidet gegen Wiederholung 

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entschied auf Wiederholungsspiel, der Weltverband FIFA allerdings kassierte das Urteil mit Verweis auf die Unangreifbarkeit der Tatsachenentscheidung. Das Spiel wurde mit 2:2 gewertet. Malbranc pfiff nie wieder ein Bundesligaspiel.

Erst ein Spiel in der Ligahistorie wurde wegen einer Schiedsrichter-Fehlentscheidung wiederholt: Das Duell zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg vom 32. Spieltag der Saison 1993/94. Thomas Helmer hatte damals den Ball am linken Torpfosten vorbeigestochert, doch Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers entschied auf (falschen) Hinweis seines Linienrichters Jörg Jablonski auf Tor. Die Bayern gewannen 2:1.

Der DFB erklärte das Tor für ungültig, das Spiel musste wegen Osmers' Regelverstoß neu angesetzt werden. Das Wiederholungsspiel gewann der FC Bayern 5:0 und wurde Meister, Nürnberg stieg ab. 

Am Sonntag hatte der Videobeweis im Spiel von Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln Diskussionen nach sich gezogen. Schiedsrichter Patrick Ittrich gab das zwischenzeitliche 2:0 durch Sokratis erst nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten Felix Brych. Allerdings hatte Ittrich die Partie bereits unterbrochen, bevor der Ball die Torlinie überschritten hatte, da er ein Foul des späteren Torschützen Sokratis gesehen hatte.