Topgehälter für Mediziner: Das könnt ihr als Assistenzarzt, Facharzt und Oberarzt in Deutschland verdienen

Judith Schallenberg-Kappius
·Lesedauer: 5 Min.

Eine Pandemie ohne Ärztinnen und Ärzte? Wie zentral ihr Job ist, war für viele selten besser spürbar als in Zeiten einer Krise. Zwar stehen sie in der Bedeutung ihres Berufs nicht allein. Und doch entscheiden sie besonders mit. Zum Beispiel über das so ersehnte „Leben danach“ etwa für Erkrankte, auch abseits von Covid-19.

Gut 402.000 Ärztinnen und Ärzte waren Ende 2019 laut Bundesärztekammer in Deutschland tätig. Sie arbeiten selbstständig als Haus- und Fachärzte oder, wie die Mehrheit (51 Prozent), an Kliniken in zahlreichen Fachgebieten von der Radiologie bis hin zur Neurologie.

Die Arbeitsbelastung gilt als hoch. Zur großen Zahl an Ärzten, die in Teilzeit tätig sind, kommt ein Mangel an Fachärzten. Der Bedarf steigt, etwa in Fachgebieten wie der Geriatrie (Altersmedizin), der Psychosomatischen Medizin oder der Umweltmedizin. Auf dem Land werden hingegen die Hausärzte knapp. Für den motivierten Nachwuchs sind das gute Zukunftsoptionen.

In Deutschland verdienen Ärzte 90.000 Euro brutto im Jahr

Mit einem Jahresbruttogehalt von im Durchschnitt rund 90.000 Euro sind Mediziner sind Deutschlands Topverdiener, wie das Online-Jobportal Stepstone* im Gehaltsatlas 2021 ermittelte. Damit bilden Ärzte die bestverdienende Berufsgruppe in Deutschland.

Doch auch das ist Realität: Ärzte sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Sie arbeiten im Schicht- und Notdienst, in Kliniken oft 60 Stunden pro Woche und mehr. Im medizinisch an sich sehr gut versorgten Deutschland stehen Arbeitsbelastung und Einkommen für viele Ärzte nicht im richtigen Verhältnis zueinander.

Dabei variieren die Gehälter je nach Hierarchiestufe, also der ärztlichen Weiterbildungsstufe. Assistenzärzte erzielen laut Stepstone mit jährlich rund 65.500 Euro im Schnitt ein solides Einsteiger-Gehalt. Sie sind noch in der Weiterbildung zum Facharzt. Mit steigender Erfahrung verdienen Ärzte mehr. Zum Plus an Verantwortung kommen dann auch mehr administrative Pflichten rund um Abrechnung und Verwaltung.

Fachärzte: 97.200 Euro Jahresgehalt im Durchschnitt

Das Jahresgehalt von Fachärzten, durchschnittlich 97.200 Euro, honoriert ihr mehrjährige Berufserfahrung schon deutlicher. Ihre Zuständigkeit erstreckt sich auf ein festes Fachgebiet, etwa Arbeitsmedizin, Neurologie oder Radiologie.

„Die von uns ermittelten Gehälter decken unterschiedliche Fachgebiete ab“, sagt André Schaefer, Gehaltsexperte bei Stepstone. „Im Datensatz befinden sich relativ viele Fachärzte aus dem Bereich innere und allgemeine Medizin.“ Aus ihnen ermittelte das Team den Durchschnitt.

Die hohen Gehälter lassen sich laut Schaefer auf die lange Ausbildung zum Arzt zurückführen. Auf das Studium folge eine jahrelange Facharzt-Ausbildung. „Hinzu kommt: Die Nachfrage nach Ärzten ist seit Jahren sehr hoch. Entsprechend gut ist ihre Verhandlungsposition“, sagt Schaefer.

Mehr Gehalt bei mehr Verantwortung

Führungsverantwortung zahlt sich auch in der Ärzteschaft aus. Ein Arzt mit Personalverantwortung verdient durchschnittlich 102.200 Euro im Jahr. Zu den Führungskräften gehören auch Oberärzte mit einem Jahresbruttogehalt von durchschnittlich 114.600 Euro. Sie sind in Kliniken und medizinischen Versorgungszentren tätig und stehen in ihrer Funktion zwischen Fach- und Chefarzt.

In kleineren Krankenhäusern ist der Aufstieg zum Oberarzt oft leichter als in großen Kliniken. „Oberärzte verdienen bereits ein überdurchschnittliches Gehalt“, sagt André Schaefer. Die Zahl an Chefärzten ist gering, ihre Gehälter weist Stepstone in der Übersicht nicht aus.

Die Berufserfahrung in Jahren schlägt sich laut Gehaltsreport allerdings nachweislich im Gehalt nieder. Mediziner mit weniger als einem Jahr Berufserfahrung verdienen im Schnitt 56.500 Euro jährlich, 1-2 Jahre Erfahrung bringen demgegenüber schon rund 61.500 Euro. Nach 3 bis 5 Jahren im Beruf erzielen Ärzte im Schnitt 70.500 Euro, mit 6 bis 10 Jahren sind es schon durchschnittlich 84.000 Euro. Wer 11 bis 25 Jahre im Beruf ist, landet bei 99.900 Euro. Mehr als 25 Jahre bringen ein Jahresbruttogehalt von 108.500 Euro.

Ärztinnen: Nachholbedarf bei den Gehältern

Auch in der Medizin zeigt sich die Lohnlücke (Gender Pay Gap) zwischen den Geschlechtern. Ärztinnen in Deutschland erzielen mit einem Jahresgehalt von im Schnitt 86.200 Euro weniger Einkommen als ihre männlichen Kollegen (92.000 Euro). Ein Missverhältnis, das es auch in den USA gibt, wo das Lohnniveau für Ärzte höher ist.

Mehr berufs- und verhandlungspolitisches Engagement könnte sich für Ärztinnen rechnen. In Deutschland ist ihr Anteil am Arztberuf laut Bundesarztregister mit 47 Prozent hoch. Im Medizinstudium bilden sie mit 62 Prozent bereits die Mehrheit. In der späteren stationären Versorgung liegt der Anteil von Ärztinnen in Leitungspositionen etwa in der Allgemeinmedizin deutschlandweit bei 43,3 Prozent. Häufiger als Männer zieht es Frauen aktuell auch zur Eröffnung einer niedergelassenen Praxis.

Gehaltsfrust bei der Mehrheit der Ärzte

Die Stärkung von Frauen im Gesundheitswesen und darüber der globalen Gesundheit allgemein hat ein neues Netzwerk zum Ziel: „Women in Global Health“, in Deutschland angesiedelt an der Berliner Charité. Zu seinen Zielen gehören die Geschlechterparität in Spitzen- und Entscheidungspositionen im Gesundheitswesen und die Beseitigung der Lohnlücke (Gender Pay Gap) zwischen Männern und Frauen.

Insgesamt könnte die Lohnzufriedenheit im Arztberuf besser sein: 51 Prozent der Ärzte sind laut Stepstone aktuell mit ihrem Gehalt unzufrieden. Das deckt sich mit der starken Belastung im Beruf und Angaben aus ähnlichen Umfragen. 2019 fühlten sich nur 35 Prozent der Haus- und Fachärzte bis 45 Jahre fair bezahlt. Sie waren über die Gehaltssituation deutlich unglücklicher als ältere Kolleginnen und Kollegen.

Trotzdem schätzen Ärzte ihren Job: 90 Prozent von ihnen sind mit ihm zufrieden, 99 Prozent finden die Arbeit nützlich und sinnvoll. Diagnosen und Lösungen zu finden und Patientinnen und Patienten so zu helfen, macht den Beruf für die meisten zur Berufung.

*Stepstone gehört wie auch Business Insider zur Axel Springer SE.