Warum sich Top-Klubs um Transfer-Einnahmen sorgen

Tobias Holtkamp

Hallo Bundesliga-Freunde,

bei uns in Deutschland geht es gerade erst los, trotzdem wirft Corona schon sehr viel(e) aus der Bahn. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke war in einigen Aussagen gar nicht gut beraten, solidarisches Verhalten, das seinem Verein 2005, zu großen Dortmunder Krisenzeiten, mal gewaltig half, scheint er in der aktuellen Situation nicht wirklich zu favorisieren.

Der Druck ist riesig auf die Wirtschaftsunternehmen, eben auch im Fußball, wo der Betrieb ausgesetzt ist, die wahnsinnigen Einnahmen gestoppt - die wahnsinnigen Ausgaben aber bleiben. Mit jedem Tag ohne laufendem Geschäft gerät der Dampfer Bundesliga weiter in Schieflage. Die Nerven vieler Verantwortlichen sind dementsprechend dünn, oder: zum Zerreißen gespannt.

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Und es ist ja immer noch der Anfang. Keiner kann sagen, wie schlimm die Situation in Europa noch wird, wie lange der Ausnahmezustand gilt, doch viele Experten sehen als Zeitraum für die aktuellen Einschränkungen eher Monate als Wochen.

Was sie nun befürchten, und wozu sich die Manager einiger Vereine zuletzt auch schon intensiv berieten, sind die Folgen der Corona-Krise für die kommende Transferperiode - gerade im obersten Regal. Die ausbleibenden Einnahmen sorgen schon jetzt für eine Atmosphäre, in der das Geld ausgeben, vorsichtig formuliert, keinem mehr ansatzweise leicht fällt. Perspektivische Prognose: Die Kür der Klubs, neue Stars zu präsentieren, wird auf der Prioritätenliste der kommenden Monate deutlich nach hinten rutschen.


Die diskutierten XL-Verkäufe der Bundesliga-Vereine, zum Beispiel Jadon Sancho (BVB), Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Timo Werner oder Dayot Upamecano (beide RB Leipzig), werden von den interessierten Vereinen, betroffen sind alle, nun wieder neu bewertet. Und die finalen Angebote, sowohl Ablösezahlungen als auch Gehälter betreffend, damit rechnen die großen Berateragenturen, werden bei fast allen Transfers nicht mehr in dem Bereich liegen, wie vor ein paar Wochen noch kalkuliert.

Das ganze große Sommer-Transferkarussell im Fußball wird deutlich an Fahrt verlieren. Bereits sehr gut bezahlte Spieler bleiben möglicherweise entgegen bisheriger Absichten länger bei ihrem aktuellen Verein und wechseln nicht zu einem Arbeitgeber, der zukünftig weniger zahlen kann.

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Genauso können dann auch die Vereine, die von außergewöhnlichen Transfereinnahmen leben, diese nun aber nicht mehr generieren, nicht mehr ansatzweise in der Form investieren wie bisher geplant. Alles wird ein paar Nummern kleiner ausfallen. Der Umsatzmotor auf dem Transfermarkt stottert.


Der Fußball wird es aushalten - die Fans sowieso. Hauptsache es wird, wenn alles überstanden ist, wieder gespielt. Irgendwann. Denn dann gewinnt der Dampfer auch wieder an Kraft.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".