Toni exklusiv: So schlimm wäre Italiens WM-Aus

Lukas Rott
Luca Toni erzielte in 47 Spielen für die italienische Nationalmannschaft 16 Tore

Luca Toni ist der erfolgreichste Italiener, der je in der Bundesliga gespielt hat. Der 40-Jährige hat die Verbindung zu seinem Ex-Klub FC Bayern nie abreißen lassen. Mit dem Legenden-Team der Münchner trat der frühere Torjäger am vergangenen Samstag beim niedersächsischen Kreisligisten TSV Hespe und konnte einen 11:3-Sieg bejubeln.

Mit Sorge blickt Toni allerdings dem entscheidenden WM-Playoffspiel der italienischen Nationalmannschaft gegen Schweden am Montagabend (ab 20:30 Uhr im LIVETICKER) entgegen. Der viermalige Weltmeister verlor das Hinspiel mit 0:1 und steht jetzt mit dem Rücken zur Wand - die WM-Teilnahme ist in akuter Gefahr.

Im SPORT1-Interview spricht der frühere Nationalstürmer Toni (47 Länderspiele, 16 Tore) über Italiens Probleme, das Scheitern seines Landsmanns Carlo Ancelotti bei den Bayern und die Situation im Sturm beim deutschen Rekordmeister.

SPORT1: Herr Toni, lassen Sie uns über die italienische Nationalmannschaft sprechen, die am Freitag in Schweden verloren hat…

Luca Toni: Das ist ein großes Problem (auf Deutsch).

SPORT1: Wo liegen aktuell die Probleme und schafft die Squadra Azzurra noch die Qualifikation für die WM?

Toni: Ich bin sehr traurig. Das Finale steigt am Montag, da wird alles auf eine Karte gesetzt. Italien muss bei einer Weltmeisterschaft dabei sein. Ansonsten ist es sehr schwierig für den italienischen Fußball und allgemein sehr traurig. Daher hoffen wir, dass es Italien schafft.

SPORT1: Was passiert, wenn Italien die WM verpasst?

Toni: Dann kommen wir alle nach Deutschland (lacht)Spaß beiseite, Italien muss gewinnen. Sie waren vor zehn Jahren noch Weltmeister und sind eigentlich eine der Top-Nationen im Fußball. Deswegen muss Italien dabei sein.


SPORT1: Sie spielen für die Legenden des FC Bayern, sind Sie noch fit für 90 Minuten Fußball?

Toni: Ich bin im Moment bereit, den Trainerschein zu machen, obwohl ich eigentlich nicht als Trainer arbeiten möchte. Aber ich möchte den Schein haben. Hauptsächlich kümmere ich mich um die Familie.

SPORT1: Wie sehr haben Sie sich über das Wiedersehen mit alten Bekannten gefreut?

Toni: Es ist schön, die bekannten Gesichter wiederzusehen - vor allem zu sehen, wie viel Kilo man zugenommen hat und wie fit man jetzt auf dem Platz ist (lacht).

SPORT1: Ist das "Mia-san-Mia"-Gefühl der Bayern noch vorhanden und fühlen Sie sich noch als Teil der Bayern-Familie?

Toni: Für mich ist es immer noch eine Ehre, Teil dieser Familie zu sein. Ich bin immer gerne bei solchen Veranstaltungen dabei, wenn ich gerufen werde. Der Klub ist einer der schönsten der Welt.


SPORT1: Warum hat es mit Ancelotti bei den Bayern nicht zu 100 Prozent geklappt?

Toni: Ich kann natürlich nicht die Ursache nennen. Vom Gefühl her ist zwischen Mannschaft und Trainer irgendetwas kaputt gewesen. Wie man sieht, hat Bayern im richtigen Moment reagiert, auch wenn Ancelotti ein hervorragender Trainer ist.

SPORT1: Würden Sie Robert Lewandowski in die Kategorie der Top-Bayern-Stürmer aller Zeiten einordnen?

Toni: Natürlich gehört er in diese Kategorie, er hat schon sehr viele Tore gemacht und wird noch weitere schießen. Er hat mehr gemacht als wir (Übersetzer Maurizio Gaudino, Anm.d.Red.) zusammen. Deswegen ist er einer der Top-Stürmer.

SPORT1: Zuletzt wurde viel über einen zusätzlichen Stürmer bei den Bayern diskutiert. Wie wichtig ist für einen Stürmer ein Backup?

Toni: Man braucht eine gewisse Qualität, vielleicht auch einen jungen Stürmer, den man heranwachsen lässt. Eine Mannschaft wie Bayern München braucht mit Sicherheit eine hohe Qualität und einen Backup. Wenn ein Spieler von Lewandowskis Qualität sich verletzt, hat man gewisse Probleme. Daher wäre es wichtig, ein Backup zu haben.