Tolu-Anwalt dämpft Erwartungen für seine Mandantin nach Steudtner-Freilassung

Nach der Freilassung des deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner hat der Anwalt der ebenfalls in der Türkei inhaftierten deutschen Journalistin Mesale Tolu die Erwartungen für seine Mandantin gedämpft. "Die Politik der Türkei folgt zumindest an dieser Stelle keiner Rationalität", sagte der Jurist Dieter Hummel der "Frankfurter Rundschau" vom Freitag. "Wir können nur hoffen." Wie bei Steudtner seien die Vorwürfe gegen seine Mandantin aber "schlicht an den Haaren herbeigezogen".

Tolu hatte in der Türkei als Journalistin und Übersetzerin für die linksgerichtete Nachrichtenagentur ETHA gearbeitet. Ende April wurde die 33-Jährige festgenommen, ihr wird "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" und "Terrorpropaganda" vorgeworfen. Auch Steudtner saß wegen angeblicher Terrorvergehen in Haft, in der Nacht zum Donnerstag konnte er das Gefängnis verlassen und später nach Deutschland zurückkehren. Der Prozess gegen ihn läuft aber weiter.

Die Bundesregierung betrachtet die Vorwürfe gegen Steudtner, Tolu und weitere in der Türkei inhaftierte Deutsche als politisch motiviert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach dem gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016 das Vorgehen gegen politische Gegner nochmals verschärft.