Nach Tolisso-Coup: Was geschieht mit Renato Sanches? - Ein Kommentar

Michael Long
90Min

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Nach der Verpflichtung des Franzosen Corentin Tolisso werden die Chancen für den portugiesischen Youngster Renato Sanches nicht unbedingt besser, aber auch nicht wirklich schlechter. Sollten die Bayern den Europameister nun verkaufen, könnte man einen großen Fehler beim deutschen Rekordmeister machen.



Die Verpflichtung von Corentin Tolisso vom französischen Ligue-1-Klub Olympique Lyon lässt die bayrischen Fußballherzen höherschlagen. Mit 41,5 Millionen Euro ist er zudem der aktuell teuerste Bundesligaspieler aller Zeiten. Jedoch dürfte es nicht lange dauern, bis auch dieser Betrag überboten wird. Doch daneben mehren sich die Gerüchte, Renato Sanches könnte den deutschen Rekordmeister schon wieder verlassen. Jenes Talent, welches laut Rummenigge nach der Europameisterschaft „unbezahlbar“ gewesen wäre.


Angeblich soll der Berater von Sanches bereits beim FC Barcelona angeklingelt haben, wie die Münchner tz berichtet. So soll Sanches laut der Barcelona-Bosse die günstigere Alternative zu Philippe Coutinho vom FC Liverpool oder Marco Verratti von Paris Saint-Germain sein. Das klingt nicht mehr nach „unbezahlbar“.

Zuviel Hype



Doch lässt man diese Eitelkeiten beiseite und betrachtet die Situation nüchtern, hat sich für Sanches nichts geändert. Tolisso kommt, um die Lücke zu füllen, die Xabi Alonso hinterlassen hat. Das ist zwar ebenso die Position des 19-jährigen Portugiesen, doch er ist eben auch erst 19 Jahre alt. Ein junges Talent, welches einen unglaublichen Hype im vergangenen Spätsommer erfahren hat, was aber ebenfalls nicht vor Leistungsschwankungen, wie sie in dem jungen Alter üblich sind, gefeit ist.


Sanches hat bewiesen, was er kann. Sowohl bei der Europameisterschaft, als auch bei seinem vorherigen Verein Benfica SL. Die Bundesliga aber ist eine andere Hausnummer, als die portugiesische Primeira Liga. Was man den Bayern-Bossen vorwerfen könnte, wäre, dass Sanches zu wenig gespielt hat. 25 von 50 möglichen Pflichtspielen absolvierte der Youngster, meist waren es aber nur Kurzeinsätze. Etwas mehr Vertrauen in die Leistungen wäre daher nicht schlecht. Wirklich überraschend ist das in einem Kader mit Xabi Alonso, Arturo Vidal und Thiago auf der Position aber letztlich auch nicht.

Eine Frage der Geduld



Insofern täten alle Beteiligten gut daran, zu ihren Worten zu stehen. „Er wird nächste Saison definitiv hier sein, zu hundert Prozent. Wir werden ihn weder abgeben noch verleihen“, erklärte Carlo Ancelotti. „Wir müssen Geduld mit ihm haben – und der FC Bayern ist geduldig. Er ist hier nächste Saison.“ Auch Sanches erklärte bereits, dass er „an der Seite von vielen Weltklasse-Spielern“, bleiben wolle. Denn nur so kann er wirklich lernen und sich auf höchstem Niveau messen. Wenn er hoch hinaus will, sollte auch das sein Anspruch sein.

Genug Gründe, warum es ein großer Fehler wäre, den Youngster als gescheitert abzustempeln und ihn für einen entsprechend adäquaten Preis schon wieder zu verscherbeln. Geduld ist gefragt, bei Sanches sowie auch bei den Verantwortlichen. Und er braucht Praxis. Das Jahr, was er bereits hinter sich hat, dürfte schon viel gebracht haben und ihn zumindest näher in den Kreis rücken lassen. Mit Tolisso hat er nun einen neuen Mann an der Seite, von der er viel lernen kann.