Der tolerante Erziehungsstil, der gerade sehr in Mode ist, schadet Kindern mehr als er hilft — so umgeht ihr Fehler

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Als Eltern ist es verlockend, dass Kinder eine positive Meinung von euch haben. Es fühlt sich gut an, ihnen eine Freude zu machen. Aber während schöne Erlebnisse euren Kindern eher vorübergehend ein Lächeln ins Gesicht zaubern, sind es auch Grenzen, Erwartungen und Konsequenzen, die Kindern helfen, zu Erwachsenen heranzuwachsen, die sich in der Welt gut zurechtfinden.

Tatsächlich sagen Experten, dass es Kindern langfristig schaden kann, stets nachgiebige Eltern zu haben, die Kinder die meiste Zeit erlauben, zu tun, was sie wollen, mit wenig Grenzen oder Konsequenzen.

"Es ist wichtig, seinem Kind zu erlauben, Entscheidungen zu treffen, seinen eigenen Weg zu gehen und aus seinen Fehlern zu lernen", sagte Stephen Glicksman, Entwicklungspsychologe und Professor an der Yeshiva University. "Aber nachgiebige Eltern geben ihren Kindern diese große Verantwortung für ihr eigene Entwicklung ohne eine sichere Basis, von der aus sie starten oder zu der sie zurückkehren können, wenn sie Unterstützung brauchen."

Was genau ist ein zu toleranter Erziehungsstil?

Oberflächlich betrachtet haben tolerante Eltern ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern. Ihre Kinder dürfen tun, was sie wollen, und die Eltern folgen oft dem Beispiel des Kindes. Nachgiebige Eltern sind laut der Michigan State University Extension warmherzig und liebevoll, lehnen aber die Idee eher ab, für ihre Kinder verantwortlich zu sein.

Dieser Erziehungsstil basiert zwar oft auf Liebe und Verständnis, dies sei laut Glicksman aber nicht immer der Fall.

"Alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, aber ich denke, dass die Menschen oft einen nachgiebigen Erziehungsstil wählen, weil sie Angst haben – Angst davor, dass ihre Kinder nicht glücklich sind oder Angst davor, dass ihre Kinder nicht ihre 'Freunde' sind", sagte er.

Die Folgen eines sehr nachgiebigen Erziehungsstils

Sehr nachgiebige Eltern lassen ihre Kinder beispielsweise ihre Schlafenszeit oder ihre Mahlzeiten frei wählen, und verlangen keine Manieren oder Respekt. Oft ist dies gut gemeint, aber es hilft den Kindern nicht weiter.

"Was nachgiebige Eltern nicht erkennen, ist, dass Eltern nicht unbedingt 'Freunde' ihrer Kinder sein sollten, und dass Eltern, die ihre Liebe ausdrücken, indem sie die Vorlieben und Meinungen ihrer Kinder respektieren, aber auch klar kommunizieren und Grenzen setzen, auf lange Sicht oft für glücklichere Kinder sorgen", sagte Glicksman.

Eltern zu haben, die übermäßig nachsichtig sind, kann es für Kinder schwierig machen, sich an die Erwartungen und Grenzen anzupassen, denen sie in der Welt, als Schüler, Studenten, Arbeitnehmer und in Beziehungen begegnen werden.

Kinder, denen keine Grenzen gesetzt werden, werden oft zu kindlichen Erwachsenen

"Untersuchungen deuten darauf hin, dass Kinder nachgiebiger Eltern berichten, dass sie als Kinder glücklicher und positiver sind, und mit zunehmendem Alter eher abhängig und launisch werden und ihnen soziale Fähigkeiten fehlen", sagte Glicksman. "Es ist, als ob sie, indem ihnen so viel Freiheit als Kinder gegeben wurde, gelernt hätten, dass ihre Kindheitspersönlichkeiten ausreichen und deshalb am Ende kindliche Erwachsene werden."

Glicksman sagt, dass es nie zu spät ist, um damit zu beginnen, Grenzen und Verpflichtungen gegenüber seinen Kindern festzulegen. Er empfiehlt, sich in Richtung eines autoritativeren Erziehungsstils zu bewegen, der nach Meinung von Experten auf lange Sicht für Kinder im Allgemeinen am besten geeignet ist.

"Keine Panik", sagte er. "Auch wenn die Forschung darauf hinweist, dass einige Erziehungsstile besser sind als andere, sind Kinder sehr schwer zu knacken".

So könnt ihr euren nachgiebigen Erziehungsstil ändern

Falls ihr versucht, ein weniger tolerantes Elternteil zu werden, fangt damit an, öfter sowohl "Ja" als auch "Nein" zu sagen und eurem Kind die Gründe für die jeweilige Antwort zu erklären.

"Das Ziel ist es, so oft 'ja' zu sagen, dass eure Kinder lernen, dass wenn ihr 'nein' sagt, dies wahrscheinlich aus einem guten Grund geschieht", sagte Glicksman.

So könntet ihr anfangen, Erwartungen und Grenzen für eure Kinder festzulegen:

  • Macht eine Liste mit Verpflichtungen und Aufgaben im Haushalt, abhängig vom Alter eures Kindes

  • Lasst euer Kind sich Aktivitäten wie die Bildschirmzeit verdienen, indem es etwas Positives zu Hause tut, wie beispielsweise Geschirr spülen.

  • Beginnt damit, "nein" zu sagen und euch daran zu halten.


Die Anpassung kann für Kinder, die nie Grenzen hatten, schwierig sein, so Glicksman. Sie werden sich wahrscheinlich erstmal dagegen wehren, aber wenn ihr in der Lage seid, an diesem neuen Erziehungsstil festzuhalten, wird es langfristig für euch als Elternteil und für euer Kind besser sein.

"Elternschaft ist ein langes Spiel", sagte Glicksman. "Mit Enttäuschungen oder verspäteter Zufriedenheit umzugehen und zu lernen, wie man für das arbeitet, was man will, sind wichtige Erfahrungen, die man seinen Kindern bieten kann, auch wenn es für euch und für sie im Moment eine große Herausforderung darstellt."

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Orignal findet ihr hier.

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