Der tragische Absturz einer russischen Eishockey-Legende

Der tragische Absturz einer russischen Eishockey-Legende
Der tragische Absturz einer russischen Eishockey-Legende

Diese Nachricht versetzte heute vor 10 Jahren ganz Russland in tiefe Trauer.

„Wir haben eine schreckliche Nachricht: Krutow ist tot“, verkündete der russische Verband am 6. Juni 2012.

Russischen Sportfans und Eishockey-Fans im Allgemeinen musste nicht näher erläutert werden, wer damit gemeint war: Wladimir Krutow, der zusammen mit seinen Sturmkollegen Igor Larionow und Sergej Makarow eine ganze Ära des sowjetischen Eishockeys geprägt hatte - in Nordamerika aber eher unrühmlich in Erinnerung blieb. (NEWS: Alles zum Eishockey)

Mit nur 52 Jahren erlag der Linksaußen im Krankenhaus inneren Blutungen infolge einer Leberzirrhose.

USA-Gegenspieler beim Wunder von Lake Placid

Mit ihren technischen Fähigkeiten, ihren schlittschuhläuferischen Künsten und blindem Spielverständnis war das KLM-Trio (auch: „The Green Unit“, wegen der Farbe ihrer Trainingsshirts“) kaum unter Kontrolle zu bringen. Krutow wurde zweimal Olympiasieger, fünfmal Weltmeister und elfmal sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau, dem Zentralen Sport-Klub der Roten Armee.

Krutow, Larionow und Makarow wurden zur Zeit des Kalten Krieges auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs zur Legende, hier als Held, dort als unüberwindlich scheinender Gegenspieler.

Der junge Krutow war bei Olympia 1980 auch Teil der sowjetischen Mannschaft, welche die USA beim „Miracle on Ice“, dem „Wunder von Lake Placid“ bezwang. Krutow erzielte das 1:0 für die UdSSR, das dann am Ende in ein 4:3 für die Amerikaner gedreht wurde.

In der KLM-Reihe genial, in der NHL ein Riesen-Flop

Nach Glasnost, Perestroika und dem Ende des damaligen Systemkampfs schlugen Larionow und Makarow mit Erfolg ein neues Kapitel in der nordamerikanischen Profiliga NHL auf. Auch Krutow wagte 1989 den Sprung über den großen Teich, doch sein Intermezzo bei den Vancouver Canucks misslang.

Nach nur einer Saison mit elf Toren und 23 Assists in 61 Spielen wurde er als der seinerzeit teuerste Flop in der NHL-Geschichte aussortiert. Krutow kämpfte mit Übergewicht und Heimweh und war ein Schatten seiner selbst.

„Kruts war ein Fisch, der aus seinem Gewässer geworfen wurde“, erinnerte sich der damalige Teamkollege Paul Reinhart nach Krutows Tod in der Vancouver Sun: „Er hat sich in der nordamerikanischen Welt nie akklimatisiert.“

Der damalige General Manager Pat Quinn ergänzte, dass Krutow ein anderer Typ Mensch gewesen sei als der ebenfalls bei den Canucks gelandete Larionow: „Larionow war ein sehr urbaner, weltgewandter Typ, der exzellent Englisch konnte. Krutow hatte eine bäuerliche Herkunft, konnte nicht gut Englisch und hatte gleich Heimweh.“ Man habe ihn „nie wirklich kennengelernt“.

Karriere als Trainer nahm schnelles Ende

Nach seinem NHL-Aus verdingte sich Krutow in Europa, spielte von 1990 bis 1992 für die Zürich Lions in der Schweiz und wechselte schließlich nach Schweden, wo er seine Karriere 1996 ausklingen ließ.

Krutow, der schon am Ende seiner aktiven Zeit gesundheitliche Probleme hatte und älter wirkte, als er war, wurde nach seiner Karriere Trainer bei ZSKA Moskau, zog sich aber auch von diesem Job nach einem Schwächeanfall zurück. Mit seinem Tod elf Jahre später hinterließ er Sohn Alexei, 2011 Gewinner der Champions Hockey League mit den ZSC Lions aus der Schweiz.

Den Tod von Wladimir Krutow musste Verbands-Präsident Wladislaw Tretjak verkünden, einst als legendärer Torwart der Sbornaja jahrelang Teamkollege von Krutow: „Millionen von Fans wird sein schönes Spiel in Erinnerung bleiben“, sagte er.

Ein schönes Spiel, das in seinem Fall den Untergang der Sowjetunion aber nicht überdauert hatte.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)

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