Titelverteidiger Kurz: Vom Bolzplatz zur Darts-Sensation

Nadine Münch

Wenn am Samstag bei der HYLO CARE PDC Europe Superleague Germany die zweite Gruppe ins Rennen um das begehrte WM-Ticket startet, steht natürlich einer im Mittelpunkt: Nico Kurz.

HYLO CARE PDC Europe Superleague Germany am Samstag ab 14 Uhr auf SPORT1 im Free-TV und im Stream

Zum einen, weil er der Titelverteidiger ist. Zum anderen, weil er seit vergangenem Dezember die deutsche Darts-Sensation schlechthin ist.

Der heute 23-Jährige hatte sich im vergangenen Jahr im Finale der Superleague überraschend mit 10:6 gegen Martin Schindler durchgesetzt und sich mit einer bärenstarken Leistung seine erste Teilnahme an einer PDC Darts-WM gesichert.


Kurz liefert sensationelle WM-Auftritte

Was er im legendären Londoner Ally Pally schließlich ablieferte, ging nicht nur in seinem Heimatland durch die Decke. Bei seiner WM-Premiere feierte er gegen den deutlich erfahreneren James Wilson aus England einen 3:1-Erfolg. Doch nicht nur das: Völlig unbeeindruckt von der Wahnsinns-Kulisse des Ally Pally verpasste Kurz im dritten Satz mit dem letzten Pfeil nur knapp den ersten Neun-Darter des Turniers.

In seinem zweiten WM-Match traf der Youngster auf den gesetzten Joe Cullen, zu diesem Zeitpunkt die Nummer 15 der Weltrangliste. Nach einer weiteren starken Leistung setzte er sich erneut mit 3:1 durch und warf den nächsten Engländer aus dem Turnier.

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Plötzlich spielte der Newcomer, der nach den Niederlagen von Gabriel Clemens und Max Hopp der einzig verbliebene Deutsche im Teilnehmerfeld war, um den Einzug ins Achtelfinale! Und auch Junioren-Weltmeister Luke Humphries lieferte Kurz einen engen Fight, lag zwischenzeitlich sogar mit 2:1 in Führung.

Am Ende blieb die nächste Sensation zwar aus, doch Kurz' drei fantastische WM-Auftritte haben Darts-Fans bis heute in Erinnerung. Viele werden ihm deswegen die Daumen drücken, wenn er nun erneut ans Oche tritt, um sich das begehrte Ticket für die WM 2021 zu holen.


Kurz hatte lange "nur Fußball im Kopf"

Trotz des relativ kurzfristigen Starts, des geänderten Ablaufes und Teilnehmerfeldes geht Kurz hochmotiviert in die diesjährige Superleague, denn der gebürtige Hanauer will nun "unbedingt wieder zurück auf diese Bühne in London. Für jeden Darts-Spieler gibt es nichts Größeres, als an einer WM teilzunehmen", sagte Kurz bei SPORT1.

Dabei hatte er lange den Traum, in einer anderen Sportart erfolgreich zu sein. "Ich hatte immer nur Fußball im Kopf", gestand Kurz 2018 der Bild. Bis zur vergangenen Saison 2018/19 spielte der Fan von Eintracht Frankfurt in der zweiten Mannschaft des FC Karben in der Kreisliga.


Kurz' Eltern erfolgreiche E-Darter

Auf den ersten Blick verwundert die ursprüngliche Tendenz zum Fußball allerdings, da Kurz aus einer echten Darter-Familie kommt. Vater Holger und Mutter Sabine waren und sind sehr erfolgreiche E-Dartspieler. Beide dürfen sich deutsche Meister nennen und waren auch schon bei der WM im E-Dart in Las Vegas dabei. Den eingerichteten Darts-Raum im Haus in Nidderau bei Frankfurt betrat der Sohnemann jedoch lange nur aus Langeweile.

Erst 2014 begann Nico sich mehr für die große Leidenschaft seiner Eltern zu interessieren. Er intensivierte das Training und erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: 2015 und 2017 wurde er deutscher Meister im E-Dart, hinzu kam der Europameistertitel 2017.

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Kurz glänzt mit Sieg über Anderson

Schließlich ging es auch im Steeldarts bergauf. 2016 qualifizierte er sich erstmals für die deutsche Superleague.

Auf internationaler Bühne machte Kurz zum ersten Mal 2018 auf sich aufmerksam, bei den World-Series-Events auf Schalke und in Köln. Mit dem Überraschungssieg gegen den zweimaligen Weltmeister Gary Anderson machte er sich erstmals einen Namen und spielte auch gegen den späteren Turniersieger und aktuellen Weltmeister Peter Wright ein famoses Match.

Das Selbstvertrauen aus den guten Matches gegen Topspieler nahm er mit in die Superleague, wo er 2019 den "Fluch des Erstplatzierten" brechen konnte: Mit Kurz sicherte sich erstmals der Tabellenführer der Hauptrunde auch das Ticket zur WM.


Spitzname fehlt Kurz noch

Trotz der Erfolge arbeitet Kurz noch immer in Vollzeit als Industriemechaniker, trainiert nach der Arbeit ein paar Stunden. Von seinen Einkünften als Darts-Spieler kann er (noch) nicht leben - doch immerhin brachte ihm der Drittrundeneinzug bei der WM ein Preisgeld von rund 29.300 Euro ein.

Auch ein Spitzname fehlt ihm noch, obwohl SPORT1-User sich bereits während der WM im Dezember in einer Umfrage mehrheitlich für "The Mechanic" ausgesprochen hatten - in Anspielung auf seinen Beruf.

Am Samstag kann Kurz nun den Grundstein für sein großes Ziel legen - die erneute WM-Teilnahme. Sollte er sich das Ticket sichern, folgt sicherlich auch bald ein Spitzname.