Reif für den Titel! Zverevs Trümpfe für die US Open

Franziska Wendler

Ab Montagnachmittag europäischer Zeit steht Deutschlands Tennis-Star Alexander Zverev mehr denn je im Fokus. Dann starten die US Open (täglich im LIVETICKER) - und viele trauen dem 20-Jährigen den Sieg zu. 

Ist er nach seinen Erfolgen bei den Masters-Turnieren in Montreal und Rom bereit für den ersten Triumph bei einem Grand Slam?

Gemeinsam mit dem früheren Tennis-Profi und heutigen Talentförderer Alexander Waske analysiert SPORT1 die Chancen des Hamburgers in Flushing Meadows.

Mentale Stärke extrem wichtig

Neben den spielerischen Fähigkeiten ist die mentale Stärke entscheidend für große Erfolge im Sport. Ein Pluspunkt für Zverev.

"Mental finde ich ihn unglaublich. Ich habe selten, eher noch nie einen Spieler gesehen, der so klar im Kopf ist", analysiert Waske.

Vor dem Turnier in Washington kündigte Zverev bei Waske an, dass er das Turnier gewinnen werde. "Das war weder überheblich, noch arrogant oder unrealistisch, sondern er hat eine ganz klare Richtung", sagt Waske.


Spielt der Hamburger gegen starke Gegner, sieht er es stets als positive Herausforderung an. "Er will sich persönlich beweisen und schauen, ob seine Schläge gegen solche Spieler funktionieren." Er habe dabei eine positive Aggressivität auf dem Platz, die Waske "unheimlich beeindruckt".

Diese mentale Klarheit will und muss Zverev bei den US-Open unbedingt zeigen, wenn er eine Chance haben will, zum ersten Mal den Titel zu holen.

Frühes Aus bei den French Open

Bereits bei den French Open im Mai trauten viele Experten dem 20-Jährigen Großes zu. Dann scheiterte Zverev in der ersten Runde am Spanier Fernando Verdasco - die Enttäuschung war groß, sowohl in den Medien als auch bei Zverev selbst.

Ein ähnliches Debakel will er in New York unbedingt verhindern. Auf dem schnellen Hartplatz in Flushing Meadows muss er versuchen, mit seinem Aufschlag und seinem schnellen Grundlinienspiel die Gegner zu verunsichern. Schafft er das, ist er sehr schwer zu schlagen.

Bei seinen Turniersiegen in Washington und Montreal kamen ihm die schnellen Plätze entgegen, auch in New York ist der Belag zügig, ein weiterer Pluspunkt für den 20-Jährigen.

Ferrero hilft bei den Schwächen

Seit der Verpflichtung von Juan Carlos Ferrero als Trainer entwickelte Zverev sich spielerisch weiter. Viele Gegner nutzen Tempowechsel in Form von kurzen Bällen als probates Mittel gegen Zverev.


Ihre Taktik: Am Netz kann Zverev seine schnellen Schläge nicht durchziehen, weil der Platz kürzer ist. Damit wird ihm seine größte Stärke genommen.

Unter Ferrero arbeitet der 20-Jährige an seinem Angriffsspiel. "Man hat gesehen, dass er in den letzten Wochen viel mehr ans Netz gekommen ist", sagt Waske.

Die frühere Nummer eins der Welt hat einen guten Zugang zum Youngster und pusht den 20-Jährigen enorm. Der inzwischen 37-jährige Ferrero stand 2003 im Finale der US Open, kann wertvolle Erfahrungen weitergeben.

Physis spricht für Zverev

Auch körperlich ist Zverev auf einem guten Weg. Ein 20-Jähriger kann zwar noch nicht auf dem Fitness-Level eines Spielers mit Ende 20 sein, dennoch ist der Hamburger für sein Alter physisch extrem weit.

Sein Erstrunden-Aus beim letzten Vorbereitungsturnier in Cincinnati könnte seiner Verfassung sogar zugute kommen, findet Waske. 

"Ich glaube, dass es gut für ihn war, dass er so früh in Cincinnati verloren hat", sagt der Ex-Profi. "Jetzt hatte er genügend Zeit, sich auszuruhen und vorzubereiten, sodass er wieder mit vollen Tanks in New York auflaufen kann."

Favoriten sagen ab

Viele Topstars sind in New York nicht dabei. Stan Wawrinka, Andy Murray, Novak Djokovic, Kei Nishikori und Milos Raonic haben ihre Teilnahme abgesagt.


Die nominell härtesten Gegner für Zverev wären Rafael Nadal und Roger Federer. Für Waske ist Federer der Favorit, sofern er körperlich fit ist. Youngster Zverev gehöre "zum engsten Favoritenkreis".

Aber: Zverev befindet sich aktuell in einer ähnlichen Situation wie Angelique Kerber bei den US Open im vergangenen Jahr. Damals hatten bei den Frauen ebenfalls viele Favoritinnen abgesagt oder geschwächelt. Kerber feierte am Ende ihren zweiten Grand-Slam-Titel.

Diese Chance sieht auch Waske: "In so einer Situation muss jemand da sein, der das ausnutzt und ich hoffe, das wird Sascha sein."

In seinem Auftaktmatch richten sich dann alle Augen auf den Deutschen. Der an Nummer vier gesetzte Zverev trifft auf den Qualifikanten Darian King aus Barbados.