"Hatte keinen Plan B": Krause wiederholt Gold-Coup

Gesa Felicitas Krause lief ein couragiertes Rennen

Gesa Felicitas Krause breitete jubelnd die Arme aus, fiel Maskottchen Berlino um den Hals und winkte auf ihrer Ehrenrunde lachend in die Zuschauerränge.

Mit einem grandiosen Lauf zu Gold hat sich die 26-Jährige neun Tage nach ihrem Geburtstag selbst beschenkt und den deutschen Leichtathleten am Abschlusstag der Heim-EM in Berlin den sechsten Titel beschert. 

Krause kam im Olympiastadion in 9:19,80 Minuten ins Ziel und verwies Fabienne Schlumpf (Schweiz/9:22,29) und Europas Jahresschnellste Karoline Bjerkeli Grövdal (Norwegen/9:24,46) auf die Plätze zwei und drei. Sie wiederholte damit ihren Erfolg der EM vor zwei Jahren in Amsterdam. 

"Zweifel hatte ich nicht, aber am Ende war der Druck groß, den ich mir selbst gemacht habe. Ich wollte hier unbedingt gewinnen", sagte Krause in der ARD: "Ich hatte keinen Plan B, für mich kam nur der Sieg infrage. Die Atmosphäre ist genial, ich bin hier gerne eine Runde mehr gelaufen."

Burkard läuft persönliche Bestzeit

Die deutsche Cross-Meisterin Elena Burkard (LG Nordschwarzwald) belegte in persönlicher Bestleistung von 9:29,76 Rang sechs. Antje Möldner-Schmidt (Cottbus), Europameisterin von 2014, und Jana Sussmann (Hamburg) hatten den Sprung ins Finale nicht geschafft.

Allerdings standen in diesem Jahr vor ihrem EM-Triumph die Vorzeichen ganz anders als vor zwei Jahren, als die deutsche Rekordlerin als Topfavoritin ins Rennen gegangen war. In diesem Jahr hatte sie bereits alles auf die Olympischen Spiele in Tokio in zwei Jahren ausgerichtet und das Training verändert.

Die Anpassung dauerte allerdings länger als ursprünglich eingeplant, Krause kam nicht richtig in Fahrt. An ihre Zeiten der vergangenen Jahre konnte sie bis zur EM nicht anknüpfen - zu Grövdal an Europas Spitze fehlten ihr mehr als 15 Sekunden.

"Ich möchte mir den Traum von einer Medaille im Finale auf jeden Fall erfüllen. Ich hatte richtig Bock, hierhin zu kommen", sagte sie nach dem gelungenen Einzug ins Finale am Freitag. 

Angriff vor dem letzten Wassergraben von Krause

Es war ihr anzusehen. Taktisch klug hielt sie sich immer in der Spitzengruppe, in die letzte Runde ging sie hinter der Schweizerin als Zweite - ehe sie kurz vor dem letzten Wassergraben zum Schlussspurt ansetzte und letztendlich deutlich gewann.

Damit fügte Krause ihrer Medaillensammlung ein weiteres Edelmetall hinzu. 2015 hatte sie überraschend WM-Bronze gewonnen, es war zu diesem Zeitpunkt die erste deutsche Lauf-Medaille seit 14 Jahren. Inzwischen rückte sie wegen eines Dopingvergehens einer Konkurrentin auch auf den dritten Platz bei der EM 2012 vor.

Im vergangenen Jahr ging sie nach einem tragischen Rennen dagegen bei der WM in London leer aus. Dort war sie bereits auf dem ersten Kilometer von der Kenianerin Beatrice Chepkoech, inzwischen Weltrekordlerin, zu Fall gebracht worden. Sie rappelte sich auf, kämpfte, rannte dem Feld hinterher - doch am Ende gab es Platz neun statt einer Medaille.

Doch durch ihren Kampfgeist lief sie sich in die Herzen der deutschen Sportfans, wurde ein Vorbild und noch vor allen Medaillengewinnerinnen zu Deutschlands Leichtathletin des Jahres 2017 gewählt. Nun wird sie auch in diesem Jahr eine Kandidatin bei der Abstimmung sein - diesmal aber, wegen ihres sportlichen Erfolgs.