Thadeusz : Kurz-Sabbatical nach dem Motto "Immer mit der Ruhe"

Der Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost

Jetzt beiße ich ihm ins Ohr. Für sein "Immer mit der Ruhe". Er, der ICE-Zugchef, meinte es nicht beruhigend. Sondern als Machtdemonstration. Als Bizeps-Anspannerei, der Sheriff in diesem Zug bin ich. Er entscheidet, ob der Zug den Leipziger Hauptbahnhof gleich verlässt. Oder ob – immer mit der Ruhe – zu den bereits angesammelten 35 Minuten Verspätung noch ein halbes Stündchen dazukommt. "Immer mit der Ruhe" ist eine Standardansage der Bräsigen. "Immer mit der Ruhe" ist das Floskelgeschwister des nach Frittierfett müffelnden "Mahlzeit"-Grußes.

Leider habe ich auch schon "Immer mit der Ruhe" gesagt. Wenn ich als Rettungssanitäter zwischen Geschrei, Bluterei und zu viel Dunkelheit nicht wusste, was eigentlich los ist. Zur eigenen Beruhigung.

Kann sein, dass die politische Spitze dieses Landes ähnlich überfordert ist und deswegen eine "Immer mit der Ruhe"-Auszeit unbedingt braucht. In der Hektik des Wahlkampfendspurts vermittelten die Kandidaten allerdings den Eindruck, es müsse schnell eine Entscheidung her. Zum Wohl der Deutschen.

Und jetzt? Die Spitzenvertreter der Parteien haben abends viel Zeit, um sich in allen möglichen Talkshows zu treffen. Dort bereden sie dann, wie es wohl wird, wenn sie miteinander reden. Warum bringen die nicht einfach Koalitionsbesprechungszettel mit? Maybrit Illner kann zweifelsohne auch solche Streitgespräche zu einem besseren Ende führen. Wir erleben ein politisches Kurz-Sabbatical, weil die Parteien unbedingt die Niedersachsen-Wahl abwarten wollen. ...

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