Tipps der Redaktion: 5 Geheimtipp-Filme

Tipps der Redaktion: 5 Geheimtipp-Filme

Während viele Kino-Hits inzwischen meist nur noch Prequels oder Sequels sind, sämtliche gute Stellen bereits im Trailer verheizt haben und eher durch Effekte als Tiefgang glänzen, punkten unbekanntere Filme ohne hohe Millionen-Budgets mit tollen Ideen und charmanter Umsetzung. Hier sind fünf unbekanntere Film-Perlen, die ich euch nahelegen möchte.

5 Geheimtipp-Filme (Bilder: Concorde Filmverleih, Prokino, Sony Pictures, Pathé Pictures International, Ascot Elite)

Saint Ralph (Kanada, 2004)

Coming of-Age-Drama, Tragikomödie und Sportfilm: Der Film von Autor und Regisseur Michael McGowan trägt im deutschen Titel den Zusatz “Wunder sind möglich”. Denn genau darum geht es. Der 14-jährige Außenseiter Ralph Walker (Adam Butcher) braucht 1954 ein Wunder, damit seine Mutter aus dem Koma erwacht.

Zur Strafe für eines seiner Vergehen muss er mit dem Schulteam der Geländeläufer trainieren. Sein Trainer merkt an, dass es ein Wunder wäre, wenn ein Jugendlicher den Boston Marathon gewinnt. Nun hat Ralph ein Ziel vor Augen, wie er seine Mutter wieder ins Leben zurückholen kann.

Der emotionale Film kommt gänzlich ohne Effekthascherei aus, liefert aber jede Menge Momente, in denen der Zuschauer mitfiebert, den Tränen nahe. An entscheidenden Stellen fließen sie vielleicht sogar.

 

Big Nothing (UK, Kanada, 2006)

Diese schwarze Krimikomödie mit David Schwimmer in der Hauptrolle eines arbeitslosen Ex-Lehrers und Familienvaters kommt reichlich ungewöhnlich daher und fasziniert gerade deshalb. Gemeinsam mit dem Kleinganoven Gus (Simon Pegg) und Komplizin Josie (Alice Eve) erpresst er einen Geistlichen, der auf verbotenen Pornoseiten unterwegs ist. Bei der Geldübergabe geht alles schief, die Toten häufen sich, Serienmörder geben sich ein Stelldichein in der Kleinstadt und in der vielleicht besten Szene des Films weint sogar Jesus.

Regisseur Jean-Baptiste Andrea hat selbst am Drehbuch mitgeschrieben, das einige skurrile Wendungen enthält. “Big Nothing” besteht aus perfiden Ideen und britischem Humor, garniert mit einer gewissen Ernsthaftigkeit. Die Charaktere sind vielschichtig und der Soundtrack trägt hervorragend zur richtigen Stimmung des Streifens bei.

 

Fired Up! (USA, 2009)

Die Hochphase der Teeniekomödien, deren Humor zudem immer derber und fäkallastiger wurde, war längst vorbei. Doch dann legte Regisseur Will Gluck noch eine Genre-Perle auf Basis des Drehbuchs von Freedom Jones nach, die ohne den typischen Niveau-Abgrund und peinliche Zoten auskommt.

Nick (Eric Christian Olsen) und Shawn (Nicholas D’Agosto) sind charmante Aufreißer und die Stars ihres High-School-Football-Teams. Auf die Saisonvorbereitung in einem zweiwöchigen Trainingscamp ohne Mädels hat das Duo aber keine Lust. Stattdessen nehmen die Protagonisten am Camp der Cheerleader teil. Entgegen der Regeln erobern die Jungs ein Mädel nach dem anderen. Bis sie sich verlieben: Nick in die attraktive Frau (Molly Sims) des Trainers, Shawn in Teamcaptain Carly (Sarah Roemer), die jedoch mit Vollprolet Rick (David Walton) zusammen ist.

Der Handlungsverlauf entspricht dem Genre-Klischee. Auf menschliche Enttäuschungen und aufgedeckte Geheimnisse folgt ein Happy End. Die sympathischen Darsteller, das Setting, der Verzicht auf Gags weit unter der Gürtellinie und vor allem witzige Einfälle wie das Maskottchen-Rennen auf dem Dreirad machen aus Fired Up! jedoch eine launige Komödie.

 

Sin Nombre (Mexiko, USA, 2009)

Das Regiedebüt von Cary Fukunaga zeigt in realitätsnahen und bisweilen drastischen Bildern den Alltag lateinamerikanischer Bandenkriminalität. Außerdem beschäftigt sich der Streifen mit der unsicheren Reise illegaler Armutsflüchtlinge aus Zentralamerika in die USA.

Die Geschichte wird anhand von Willy (Edgar Flores), einem Mitglied des mexikanischen Ablegers der Gang Mara Salvatrucha, sowie Sayra (Paulina Gaitán), die sich mit ihrem Vater und ihrem Onkel von Honduras aus aufmacht, um in die Vereinigten Staaten zu gelangen, erzählt. Die beiden Handlungsstränge laufen auf einem Rangierbahnhof zusammen. Dort warten die Flüchtlinge auf einen Güterzug („La Bestia“) gen Norden, während die Gang den Zug für brutale Raubzüge nutzt.

Paulina Gaitán und Edgar Flores in “Sin Nombre”

“Sin Nombre” ist eine Mischung aus Road Movie und Lovestory. Der Film zeigt eindrucksvoll die Gefahren (u.a. Raub, Vergewaltigung, Mord), die auf die Flüchtlinge auf ihrem beschwerlichen Weg in die USA warten sowie den von Brutalität gekennzeichneten Alltag der berüchtigten Jugendbande.

 

The Guard – Ein Ire sieht schwarz (Irland, UK, 2011)

Die schwarze Komödie von John Michael McDonagh (Regie und Drehbuch) dreht sich um den derben, unkonventionellen irischen Provinz-Polizisten Sergeant Boyle (Brendan Gleeson) und entwickelt sich zu einer untypischen Buddy-Komödie. McDonagh zeichnet herrlich kauzige, geradezu ambivalente Charaktere, streut eine gute Portion Komik in seinen Streifen und lässt Gleeson in seiner Rolle glänzen.

Weil ein internationaler Drogenschmugglerring (u.a. Mark Strong und Liam Cunningham) in Connemara erwartet wird, muss Boyle mit FBI-Agent Everett (Don Cheadle) zusammenarbeiten. Rassist Boyle, der sich gern mit Prostituierten vergnügt, ist jedoch ein Einzelgänger, der auch nicht unbedingt alle Fundstücke eines Tatorts ordnungsgemäß abgibt. Doch im Grunde ist er ein guter, wenn auch sehr ruppiger Kerl und im Gegensatz zum restlichen Polizeiapparat unbestechlich. Die Dealer versuchen Boyle umzulegen, doch dieser dreht den Spieß um und kooperiert für den Showdown endlich mit Everett. Die skurrilen Dialoge zwischen den Beiden sind das Sahnestück dieser gelungenen Komödie.