Timeless Art: Bilder einer Freundschaft

Ausstellung in der Galerie ist Heinrich Stindl und Georg Krinninger gewidmet

Künstler sind Individualisten, nicht selten mit Neid gegenüber vielen Kollegen. Doch zugleich fallen unter ihnen immer wieder die intensiven Freundschaften auf, die über Jahrzehnte in gegenseitiger Achtung und kreativen Beflügelung gepflegt werden. So wie die "Malerfreundschaft" von Heinrich Stindl (1912-1998) und Georg Krinninger (1920-2003). Ihnen ist eine ebenso umfangreiche Ausstellung in der Galerie Timeless Art gewidmet, zusammengestellt von den Töchtern der Künstler, begleitet von einer Buchpublikation im Selbstverlag.

Seit Stindl und Krinninger sich nach dem Zweiten Weltkrieg beim Kunststudium an der Akademie in Wien kennengelernt hatten, verloren sie sich nie mehr aus den Augen. Der eine, Stindl, siedelte im Jahr 1947 in die Niederlande über, wo er bis zu seinem Tod als Dozent, selbstständiger Textilentwerfer und freier Maler lebte. Der andere, Krinninger, zog nach dem Ende seines Kunststudiums 1950 nach Köln, wo er als technischer Zeichner, Architekt und Maler arbeitete. Verbunden hatte die beiden ihr Wunsch, nach der schonungslosen Erfahrung des Soldatenseins ihr Leben der lebendigen und aufbauenden Kraft der Kunst zu widmen. Und trotz der Verschiedenheit ihrer malerischer Ansätze und der damit verbundenen Streitgespräche, verspürten sie eine Seelenverwandtschaft, die keinen Zweifel daran ließ.

Dabei stehen beide fraglos auch für den gerade in Deutschland heftig ausgetragenen Richtungsstreit zwischen der gegenstandslos-abstrakten und der figurativen Kunst. Interessanterweise hält Georg Krinninger, der jüngere der beiden, beharrlich an der Figur fest. Er war ein hervorragender Zeichner, der mit präzisen Strichen die menschliche Anatomie erfasste, sogar in der Bewegung. Beeinflusst von den alten Meistern und vom Impressionismus zeigen seine Bildern ein großes Interesse an der grundsätzlichen Bewegtheit der menschlichen Existenz. Er macht sie in Silhouetten sichtbar, ihre Präsenz wächst aus ihrer Unschärfe. Er zeigt Menschen bewusst gesichtslos, gehend, sitzend, beim Gitarrespiel oder beim Fahrradfahren.

In Heinrichs Stindls Bildwelten ist der Mensch dagegen abwesend. Es bleibt offen, ob Stindl bekannte Oberflächen auf ihre unsichtbaren Tiefenstruktur untersuchte oder bislang unbekannte Wirklichkeiten überhaupt erst erschuf. Er ließ seinen Strichen freien Lauf, ließ aus Linien Formen wachsen und aus vielen Formen verschachtelte Gewebe, die ebenso verunsichernd wie geheimnisvoll wirken. In der Natur-Landschaft mit ihren unendlichen Wachstums- und Verwandlungsprozesse fand er immer wieder eine inspirierende Quelle für seine Malerei.

Was ein gemaltes Bild interessant macht, ist eines, das die Natur berührt, aber zugleich über sie hinausgeht. Beide, Krinninger und Stindl, fanden dafür ebenso verschiedene wie eigene Wege. Und beiden gelang, was sie sich im Krieg vorgenommen hatten, ein Leben als Künstler zu führen. "Ein Maler ist ein Mann, der malt", hatte einst einer ihrer gemeinsamen Professoren an der Akademie erklärt. Er wollte damit sagen, dass für einen Maler allein das wichtig ist, was auf der Leinwand geschieht. Beide beherzigten diese einfache Formel ihr Leben lang.

Galerie Timeless Art, Neusser Straße 261, geöffnet Di-So 10-18 Uhr, bis 29. September...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta